Allgeier SE ist eines der führenden IT-Unternehmen für digitale Transformation: Mit einer auf Innovationen und Zukunftstrends ausgerichteten Wachstumsstrategie sowie einem integrativen unternehmerischen Modell ergreift Allgeier die Chancen der Digitalisierung.

Drei Segmente mit individuellen fachlichen und branchenbezogenen Schwerpunkten arbeiten gemeinsam für rund 3.000 Kunden aus nahezu allen Branchen. Allgeier bildet mit einem hochflexiblen globalen Delivery-Modell das komplette IT-Leistungsspektrum von Onsite über Nearshore bis hin zu Offshore ab: Mit einem starken Standbein in Indien werden Flexibilität und höchste Skalierbarkeit der Leistungen sowie hochqualifiziertes Expertenwissen in der High-End-Softwareentwicklung sichergestellt. Mit mehr als 7.000 angestellten Mitarbeitern und rund 1.400 freiberuflichen Experten bietet Allgeier den Kunden ein umfassendes Lösungs- und Leistungsportfolio. Die stark wachsende Gruppe mit Hauptsitz in München verfügt über 120 Niederlassungen in der DACH-Region, in neun weiteren europäischen Ländern sowie Indien, Singapur, Vietnam, Malaysia, Japan, Australien, Mexiko und den USA.


11.10.2019 | Wenn „deliver“ doch so einfach wäre…

Allgeier hat Ende August den Bericht für das erste Halbjahr 2019 veröffentlicht. So stieg der Umsatz in der ersten Jahreshälfte um 16,3% auf 380,77mEUR, im zweiten Quartal lag das Umsatzplus bei 10,9% und der Umsatz bei 191,13mEUR. Getragen wurde das Wachstum in den ersten sechs Monaten allein durch das Segment Technology, welches die Umsätze um 46,3% auf 190,78mEUR steigern konnte und nun rund die Hälfte der Umsätze im Konzern beisteuert. Hintergrund des Wachstums dürfte ein weiterhin sehr gutes organisches Wachstum bei den Tochtergesellschaftaften mgm und Nagarro gewesen sein, die Umsatzbeiträge aus den im vergangenen Jahr übernommenen Gesellschaften iQuest und Objectiva sowie der in diesem Jahr erworbenen Farabi. Aus diesem Grund wächst vor allem Nagarro als größte Einheit in diesem Segment personell sehr stark und plant auch für 2020 mit einem Mitarbeiterwachstum von 2.000 Neueinstellungen. Zudem hat das Allgeier Management die Umsatzprognose für dieses Jahr für das Segment von bislang 20-25% auf 25-30% angehoben, um dieses starke Wachstum entsprechend zu reflektieren. Lediglich auf Vorjahresniveau (54,23mEUR/+0,2%) hat sich das Segment Enterprise Services entwickelt, wobei der Schwerpunkt insbesondere durch das Softwaregeschäft im vierten Quartal liegt. Dennoch zeigt sich der Vorstand für das Gesamtjahr nun zurückhaltender und hat die Umsatzprognose von +18-23% auf +13-15% reduziert. Das Segment Experts hingegen musste Umsatzeinbußen von 6,8% auf 131,65mEUR verkraften, welche auf die geplante Neuausrichtung zurückzuführen waren. Dadurch wurde auch für dieses Segment die Umsatzprognose gesenkt und sieht nun einen Umsatzrückgang von 5-10% (alt: +3-5%) vor. Die neuen Geschäftsfelder konnten den Umsatz auf 4,13mEUR (Vj. 1,71) mehr als verdoppeln, wobei diese Entwicklung auch vorrangig auf Akquisitionen in 2018 zurückzuführen ist.

 

Auf der Ergebnisseite war die Entwicklung – wieder einmal – weniger erfreulich. Zwar gelang es das EBITDA (inkl. IFRS 16) nach sechs Monaten auf vergleichbarer Basis um 15,2% zu steigern, im Zeitraum zwischen April und Juni war dieses jedoch um 3,4% rückläufig. Hintergrund waren insbesondere Verluste im Experts Segment durch die strategische Neuausrichtung. Im dritten Quartal soll Experts nun aber bereits wieder positive Ergebnisbeträge beigesteuert haben. Aber auch das Technology Segment verzeichnete einen leichten Margenrückgang von 14,3% auf 13,5%, vermutlich bedingt durch den starken Mitarbeiteraufbau bei Nagarro. Das Enterprise Services Segment konnte dagegen die Marge von 7,5% auf 10,0%, vor allem durch eine Ergebnisverbesserung der SAP-Einheit, steigern.

 

Im September gab Allgeier dann ein Update zur strategischen Ausrichtung der Gesellschaft bekannt. Nachdem im Vorjahr ein Verkauf oder IPO des margen schwachen Geschäftsbereichs Experts geplant war, wurde dies nun zurückgestellt. Vielmehr will sich das Management nun auf das „Formen und Verselbständigen“ der Technology-Sparte fokussieren und bis Ende 2019 weitere Details inklusive einer Entscheidung bekannt geben. Es erscheint meines Erachtens daher gut möglich, dass die Technology-Sparte – inklusive ggf. Teilen aus dem Enterprise Services Geschäfts – im Rahmen eines IPO an die Börse gebracht werden könnte. Da jedoch in den USA Technologiewerte eine deutlich höhere Bewertung als in Europa und speziell Deutschland erfahren, wäre ein dortiger Börsengang, auch vor dem Hintergrund der starken Internationalisierung der Gesellschaft, aus meiner Sicht deutlich lukrativer. Ein ähnliches Unternehmen aus diesem Umfeld ist die englische Endava, die im vergangenen Jahr ein IPO an der NASDAQ mit einer Bewertung von 1,1 Mrd. USD gemacht hat. Zwar erzielte Endava mit einer EBITDA-Marge von 17,3% eine höhere Marge als das Technology Segment mit 10,9%, bei einem jedoch höheren Wachstum. Doch würde die Bewertung nur halb so hoch ausfallen wie beim IPO von Endava, würde dies einer Bewertung von rund 500mEUR gegenüber einem aktuellen Börsenwert von rund 250mEUR der Allgeier entsprechen. Auch unter Berücksichtigung von Minderheitsanteilen von großzügig gerechnet 20% würde dies einem Bewertungsanteil von 400mEUR entsprechen. Andererseits hat auch das Teamviewer IPO gezeigt, dass Technologiewerte in Deutschland mit Milliardenbewertungen gelistet werden können, wenngleich das Umfeld dazu in den USA das deutlich geeignetere erscheint.

 

Insgesamt habe ich im Anschluss an die Halbjahreszahlen meine Schätzungen erneut überarbeitet und sowohl meine Umsatz- als auch Ergebniserwartungen reduziert. Demnach erwarte ich für dieses Jahr eine Umsatzsteigerung von 11,4% auf 765,53mEUR (alt: 793,08) sowie ein EBITDA i.H.v, 57,35mEUR (alt: 47,25), welches allerdings einen IFRS 16 Effekt von 15-20mEUR enthält. Für die Folgejahre reduzieren sich meine Umsatzschätzungen auf 821,95mEUR (alt: 857,83) sowie 877,89mEUR (alt: 923,18). Die EBIT-Erwartungen als Vergleichsbasis zu meinen alten Schätzungen reduzieren sich für die Jahre 2019-21 auf 29,73mEUR (alt: 34,97), 42,53mEUR (alt: 46,53) sowie 51,17mEUR (alt: 56,79). Das Kursziel reduziert sich folglich von zuletzt 55,00€ auf nunmehr 50,00€. Wichtig aus Kapitalmarktsicht ist nun, dass der Vorstand auf sämtlichen Ebenen liefert. Einerseits gilt es noch das Geld aus der im Juni durchgeführten Kapitalerhöhung in weiteres Wachstum, insbesondere Akquisitionen, zu investieren. Weiter ist es elementar, die eigenen Prognosen einzuhalten und zugleich auch überproportional steigende Ergebnisse aufzuzeigen. Im Rahmen der strategischen Ausrichtung des Unternehmens wäre auch eine mittelfristige Perspektive für den Markt wichtig, ebenso wie eine aktivere und transparentere Gesamtkommunikation des Unternehmens, um vorhandene Werte zu heben.


30.06.2019 | Experts trübt das Bild

 Allgeier hatte Ende April den Geschäftsbericht für 2018 veröffentlicht und dabei im fortgeführten Geschäft ein Umsatzwachstum von 19,8% auf 687,29 Mio. € (LSe: 696,12) erzielt. Maßgeblicher Wachstumstreiber war hierbei das Segment Technology mit einem Wachstum von 35,7% auf 294,76 Mio. €, wozu auch die im Januar 2018 übernommene Anecon sowie die im Jahresverlauf erworbenen Gesellschaften Objectiva (10,39 Mio. €) und iQuest (9,05 Mio. €) beigetragen haben. Der Zielwert von +15-20% konnte damit deutlich übertroffen werden. Zugleich ist das Segment nun das größte im Allgeier Konzern. Aber auch der Geschäftsbereich Enterprise Services konnte im Umsatz um 12,8% auf 110,85 Mio. € zulegen, wobei das Ziel von 13-18% nicht ganz erreicht werden konnte. Dynamisch hat sich weiterhin die SAP Einheit mit einem Wachstum von 14,9% auf 61,6 Mio. € entwickelt. Sehr enttäuschend entwickelte sich trotz eines Wachstums von 9,4% auf 277,84 Mio. € der Bereich Experts, der die Planungen von 20-25% deutlich verfehlte. Hintergrund dessen waren strukturelle Probleme, wodurch im Vertrieb in den vier Geschäftsbereichen (Contracting, Temp, Services, Perm) nicht die gewünschten Synergieeffekte realisiert werden konnten. Letztlich konnte auch der Bereich, in dem neue Geschäftsfelder adressiert werden, mit einem Umsatzrückgang von 9,9% auf 3,81 Mio. € nicht ansatzweise das geplante Wachstum von 25-30% erreichen. Hintergrund dessen war das sukzessive Einstellen des Geschäftes der Vermittlung von Ärzten aus dem Ausland. Durch Übernahmen lag der Pro-Forma Umsatz für 2018 jedoch schon bei 10,9 Mio. € in diesem Segment. Insbesondere will man dort den Security Bereich deutlich ausbauen.

 

Beim Ergebnis konnte Allgeier nicht die erhofften Zuwächse realisieren. Zwar stieg das EBITDA im fortgeführten Geschäft um 16,3% auf 30,23 Mio. € (LSe: 36,13) an, blieb damit jedoch mit einer Marge von 4,4% deutlich unter der zu Jahresbeginn avisierten Zielmarge von 6,0-6,5%. Zugleich verbuchte Allgeier Einmalbelastungen i.H.v. 10,3 Mio. € (Vj. 2,8), die sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht haben. Zwar konnten in den Segmenten Technolgy mit 10,9% (Plan: 10-15%) und Enterprise Services mit 7,7% (Plan: 7-8%) die geplanten Margen erreicht werden, insbesondere das Technology Segment erreichte jedoch nur das untere Ende. Der Bereich Experts lag mit 0,4% erheblich unter den angestrebten 3,5-4,5%. Grund hierfür war neben dem geringen Umsatzniveau ein zu hoher Personalbestand, der die Kostenbasis belastet hatte.

 

Nicht wie zunächst gedacht, wurde der Geschäftsbereich Experts nun weiter vollkonsolidiert, statt als zur Veräußerung bilanziert. Hintergrund dessen ist die schwache Performance 2018. Um einen möglichen Exit anzustreben, will man dieses Segment erst erfolgreich restrukturieren und wieder deutlich höhere Ergebnisniveaus erreichen. Aufgrund der getätigten Übernahmen im vergangenen Jahr, dem schwachen operativen Casfhlow i.H.v. 3,3 Mio. € durch den weiteren Working Capital Aufbau und eines negativen Free Cashflows hatte sich die Nettoverschuldung zum 31.12.2018 von 108,8 Mio. € auf 181,7 Mio. € erhöht. Da derzeit noch mögliche Erlöse aus einem Experts Exit fehlen und das Management die beiden anderen Segmente weiter deutlich ausbauen will, wurde jüngst eine Kapitalerhöhung zu 24,00€ je Aktie mit einem Bruttoemissionserlös i.H.v. rund 24 Mio. € durchgeführt. Insbesondere im Segment Technology will Allgeier weiter an Größe gewinnen und sich durch Akquisitionen verstärken.

 

Die im Mai vorgelegten Zahlen für das erste Quartal 2019 haben einen sehr guten Start in das neue Geschäftsjahr gezeigt. So konnte der Umsatz um 22,2% auf 189,64 Mio. € gesteigert werden, das EBITDA vor IFRS 16 um 43,1% auf 9,53 Mio. € und zeigt damit eine deutliche Ergebnissteigerung. Für das Gesamtjahr strebt Allgeier eine Umsatzsteigerung von 15-20% sowie eine EBITDA-Marge (vor IFRS 16) von 6,5-7,0% an. Im Rahmen des Geschäftsberichts und der Q1-Zahlen habe ich meine Schätzungen überarbeitet und erwarte nun eine Umsatzsteigerung um 15,3% auf 793,08 Mio. € (alt: 820,37) sowie eine EBITDA-Steigerung (vor IFRS 16) um 56,3% auf 47,25 Mio. € (alt: 54,96). Folglich liegen meine Margenerwartungen mit 6,0% deutlich unter den eigenen Zielen von Allgeier, um der schwachen Ergebnisperformance 2018 Rechnung zu tragen. Bis 2021 erwarte ich eine weitere Umsatzsteigerung auf 923,18 Mio. € (cagr 18-21: 9,9%) sowie eine Erhöhung der EBITDA-Marge (vor IFRS 16) auf 7,5%. Wie bisher habe ich die Aktie sowohl in einer gesamtheitlichen als auch in einer SOTP-Betrachtung (Technology/Enterprise Services + Experts) bewertet. In einer Gesamtbetrachtung ergibt sich ein Kursziel von 55,00€, in der SOTP-Betrachtung von 63,00€. Aus Vorsichtsgründen und der Tatsache, dass ein Experts-Exit nicht vollständig klar ist, ziehe ich nun nur die Gesamtbetrachtung zu Grunde, wodurch sich das Kursziel von bislang 63,00€ auf 55,00€ reduziert.


14.12.2018 | Man hinkt den eigenen Zielen hinter her

 Allgeier hatte Mitte November den Quartalsbericht für die ersten 9 Monate bzw. das dritte Quartal veröffentlicht. So wurde über ein Wachstum von 19,8% im fortgeführten Geschäft innerhalb der ersten 9 Monaten und 20,0% im dritten Quartal berichtet. Maßgeblicher Wachstumstreiber war hierbei das Segment Technology, gefolgt vom drittgrößten Segment Enterprise Services. Allerdings war das Segment Technology auch maßgeblich durch anorganische Umsatzeffekte geprägt. So wurde zu Beginn des Jahres die Tochtergesellschaft ANECON Software Design und Beratung GmbH übernommen, ehe im weiteren Jahresverlauf die Objectiva Software Solutions Inc. (ab Juli vollkonsolidiert) und die iQuest Holding GmbH (Vollkonsolidierung ab Oktober) hinzukamen. Der anorganische Umsatzeffekt dürfte damit bei rund 18 Mio. € (ANECON geschätzt ca. 13 Mio. €, Objectiva 5,0 Mio. € lt. Allgeier) gelegen haben. Damit dürfte vom gesamten Umsatzanstieg von rund 80 Mio. € des fortgeführten Geschäfts etwa 1/4 durch anorganische Effekte zurückzuführen sein. Aber auch das größte Segmente Experts, für welches derzeit strategische Optionen evaluiert werden, trug deutlich organisch zum Umsatzwachstum bei.

 

Das EBITDA konnte auf bereinigter Basis in den ersten 9 Monaten um 64,5%, im dritten Quartal um 19,2% gesteigert werden. Die Marge lag entsprechend bei 6,4% respektive 7,1%. Das berichtete EBITDA wurde um 31,7% gesteigert nach 9 Monaten, während im dritten Quartal ein leichtes Minus von 2,1% verzeichnet wurde. Die Marge lag hier bei 5,2% bzw. 5,5%. Während sich das Segment Technology mit einer zweistelligen EBITDA-Marge weiterhin sehr gut und nach Plan entwickelte, konnten die anderen beiden Segmente nicht die Erwartungen erfüllen. Zwar konnten die Segmente Enterprise Services und Experts die Margen steigern, allerdings deutlich weniger stark als in Aussicht gestellt. So hatte Allgeier für dieses Jahr eine EBITDA-Marge im Segment Technology von 10-15% (mittelfristig >15%) in Aussicht gestellt. Nach 9 Monaten liegt die Marge mit rund 12,3% damit innerhalb der Planungen. Für Enterprise Services lagen die Planungen bei 7-8% (mittelfristig >10%), verglichen mit 4,2% nach 9 Monaten. Das Segment Experts erreichte nach 9 Monaten 2,3%, wobei für das Gesamtjahr eine Marge von 3,5-4,5% (mittelfristig >5%) in Aussicht gestellt wurde. Damit erweisen sich auch die mittelfristigen Margenziele zunehmend ambitioniert bzw. dürften sich nicht in der Schnelle (2-3 Jahre ausgehend von Ende 2017) erreichen lassen.  Genaue Gründe für die schwächere Entwicklung, insbesondere im dritten Quartal, nennt das Unternehmen jedoch nicht. Im Gespräch mit dem Finanzvorstand auf dem Eigenkapitalforum klang heraus, dass man nun den Vertrieb im Bereich Experts neu strukturiert habe und dadurch Kosteneinsparungen erreichen konnte. Bei einem entsprechend steigenden Umsatz sollte sich dies auch in höheren Margen niederschlagen.

Im Nachgang an die Q3-Zahlen hatte Allgeier zudem bekannt gegeben, dass man mit der Otto Bock Gruppe einen LOI über den Zusammenschluss des Geschäftsbereichs Enterprise Services und der Sycor GmbH geschlossen habe. Wie zu hören ist, soll Allgeier dabei an dem neu entstehenden Unternehmen die Mehrheit halten. Zusammen sollen beide Bereiche in diesem Jahr einen Umsatz von 220 Mio. € (Enterprise Services ca. 120 Mio. €, Sycor ca. 100 Mio. €) erzielen. Beide Unternehmen erwarten sich entsprechende Größenvorteile und Synergien. Mit >1.500 Mitarbeitern im Bereich SAP und Microsoft sollen die gemeinsamen Kunden durch das erweiterte Know-how von den Markt- und Partnerzugängen eines international agierenden Dienstleisters profitieren. Ein Abschluss der Transaktion wird für das erste Quartal 2019 erwartet.

 

Nun hat Allgeier in dieser Woche die voraussichtlichen Zahlen für 2018 und einen ersten Ausblick für 2019 bekannt gegeben. So wird in diesem Jahr der Umsatz bei etwa 700 Mio. € (LSe: 696,1) und ein EBITDA von 35,6 Mio. € (LSe: 39,8) erwartet. Das bereinigte EBITDA soll bei 45,4 Mio. € liegen. Die Einmaleffekte i.H.v. 9,8 Mio. € dürften hierbei auf Währungseffekte, Restrukturierungsaufwendungen sowie Kosten im Zusammenhang mit den akquirierten Gesellschaften zurückzuführen sein. Mit 5,1% lag die EBITDA-Marge jedoch klar unterhalb der Prognose von 6,0-6,5%, die zu Jahresbeginn abgegeben wurde. Auch das Wachstum von rund 22% liegt zwar innerhalb der avisierten Spanne von 18-23%, allerdings wurde diese Prognose zu Jahresbeginn nur unter Berücksichtigung der ANECON abgegeben. Bereinigt um die Umsatzbeiträge von Objectiva und iQuest dürfte das Wachstum lediglich etwas über 18% betragen haben und somit am unteren Ende der Spanne. Für 2019 wird nun mit einem weiteren Wachstum von 17% auf 820 Mio. € gerechnet. Dies liegt exakt im Rahmen meiner etwas überarbeiteten Schätzungen nach den Q3-Zahlen von 820,4 Mio. €. Beim EBITDA wird mit einer EBITDA-Marge zwischen 6,5-7,0% (ca. 56 Mio. €) geplant, was jedoch unterhalb meiner Erwartungen von 61,1 Mio. € (7,5%) liegt. Ich habe daher meine Erwartungen auf nunmehr 55,0 Mio. € (6,7%) reduziert. Dies Prognose berücksichtigt einerseits weiterhin das Segment Experts, welches zum Jahresende jedoch vermutlich als zur Veräußerung bilanziert werden soll, andererseits noch nicht das neu entstehende Gemeinschaftsunternehmen mit Sycor.

 

Aufgrund dessen habe ich meine Schätzungen nochmals leicht reduziert (vorläufiges Kursziel nach Q3 71,00€) wodurch ein neues Kursziel von 63,00€ (alt: 73,00€) reduziert. Hierbei ergibt sich für die "neue" Allgeier ein Wert von 54,00€ bzw. 552,9 Mio. € (alt: 611,7) und für den Bereich Experts ein Wert von 9,00€ bzw. 91,5 Mio. € (alt: 120,0). Für die einzelnen Segmente liegen meine Erwartungen jedoch nun deutlicher unterhalb der Mittelfristziele des Managements. So erwarte ich für das Segment Technology bis 2020 eine Steigerung der EBITDA-Marge auf 13,0% (Ziel >15%), im Bereich Enterprise Services auf 7,0% (Ziel >10%) und bei Experts auf 4,0% (Ziel >5%). Neben der Kommunikation des Unternehmens, welche weiterhin nicht umfangreich transparent genug  - gerade vor dem Hintergrund der zahlreichen Käufe und Verkäufe - und auch nicht konsistent ist (regelmäßige Adjustierungen von Prognosen), muss das Unternehmen in den kommenden Jahren liefern, um die eigenen Ziele zu erreichen. Da Allgeier auch in diesem Jahr ergebnisseitig nicht die eigenen Ziele erreichen konnte, ergibt sich für die kommenden Jahre eine geringere Ergebnisdynamik, einhergehend mit einer geringeren Bewertung.    


19.10.2018 | Abspaltung von Experts ermöglicht höheren Unternehmenswert

Allgeier hatte Ende August die Zahlen für die ersten 6 Monate 2018 veröffentlicht. So konnte der Umsatz im fortgeführten Geschäft um 19,7% auf 327,5 Mio. € gesteigert werden, im zweiten Quartal lag das Wachstum mit 22,4% auf 172,4 Mio. € noch etwas höher. Maßgeblicher Treiber dieser Entwicklung war der Geschäftsbereich Technology (ca. 40% Umsatzanteil) mit einem Wachstum von rund 23% . Hier muss jedoch auch die Akquisition der ANECON im Januar berücksichtigt werden, die anorganisch zum Umsatz beigetragen hat. Dazu konnte auch der Bereich Experts mit einem Anstieg der Umsätze von 15,4% organisch zu dieser Entwicklung beitragen. Das relativ gesehen stärkste Wachstum resultierte aus dem Geschäftsbereich Enterprise Services (ES) mit knapp 26% auf 54,1 Mio. €. Allerdings muss auch hier ein anorganische Umsatzbeitrag aus dem im April vergangenen Jahres erworbenen SAP Geschäftsbereich der Ciber.

 

Das Ergebnis konnte wie im ersten Quartal auch im zweiten Quartal erneut deutlich überproportional gesteigert werden. So stieg das EBITDA im fortgeführten Geschäft um 108% auf 9,8 Mio. € an (5,7% EBITDA-Marge) an und zum Halbjahr gelang eine Steigerung von 65% auf 16,4 Mio. € (5,0% EBITDA-Marge). Auch hierzu haben alle 3 Segmente beigetragen, wenngleich in unterschiedlichem Verhältnis. Der Geschäftsbereich ES konnte nach einem negativen EBITDA von 0,4 Mio. € im ersten Halbjahr 2017 mit 2,3 Mio. € ein positives Ergebnis erzielen (4,2% EBITDA-Marge). Der Bereich Experts, der zukünftig eigenständig aufgestellt werden soll, konnte die EBITDA-Marge von 1,0% auf 2,6% erhöhen. Das Technology Segment konnte das EBITDA zwar absolut von 10,9 Mio. € auf 12,6 Mio. € erhöhen, die Marge ging jedoch um 100 Basispunkte auf 12,2% zurück. Zugleich hatte der Vorstand die Prognose aus dem Geschäftsbericht bestätigt. Diese sieht ein Umsatzwachstum von 18-23% sowie eine EBITDA-Marge von 6,0-6,5% vor. Für die zweite Jahreshälfte hatte der Vorstand zudem ein Wachstum zwischen 25% und 30% in Aussicht gestellt.

 

Im Juni gab Allgeier dazu die Übernahme der Objectiva Software Solutions aus den USA bekannt, die ab Juli in den Konzern konsolidiert werden soll. Zuletzt erzielte die Gesellschaft einen Umsatz von rund 24 Mio. $ sowie eine EBITDA-Marge von ca. 10%. Für die Übernahme wird Allgeier zunächst einen fixen Kaufpreis i.H.v. 14 Mio. $ bezahlen. In den kommenden Jahren können sich in Abhängigkeit der weiteren Entwicklung der Gesellschaft weitere Earn-out Zahlungen von 26 Mio. $ bis Ende 2020 ergeben. Der gesamte Kaufpreis kann damit auf bis zu 40 Mio. $ ansteigen, sodass davon auszugehen ist, dass die Gesellschaft in den kommenden 2-3 Jahren ein starkes Wachstum erreichen sollte. Zudem gab die Gesellschaft im August die Akquisition der iQuest Group, einem Softwareentwicklungsunternehmen, bekannt. Mit einem Umsatz von >30 Mio. € im vergangenen Geschäftsjahr konnte eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 15% erzielt werden. Das Closing der Gesellschaft sollte Ende September erfolgt sein, sodass ab September oder Oktober die Vollkonsolidierung geschehen sollte. Aufgrund noch fehlender Details zum Kaufpreis und möglicher Earn-out Zahlungen, die ich mit Veröffentlichung des Quartalsberichtes am 14.November erwarte, habe ich iQuest hingegen noch nicht in meinen Schätzungen berücksichtigt.

 

Mitte September hatte ich die Gelegenheit in einem längeren Gespräch mit dem Finanzvorstand der Gesellschaft, Herrn Dr. Goedsche über die weitere Entwicklung und die Pläne des Managements zu sprechen. Derzeit befindet man sich in der strategischen Evaluierungsphase bezüglich der zukünftigen Entwicklung des Geschäftsbereichs Experts. So steht zum einen der vollständige Verkauf des Bereichs zur Debatte wie auch ein Spin off, im Rahmen dessen Allgeier eine Minderheitsbeteiligung halten würde. In der neuen Allgeier Struktur erwartet er für die kommenden Jahre ein überdurchschnittliches Wachstum und meinen Einschätzungen zu Folge dürfte ein ähnliches Umsatzniveau wie dieses Jahr von rund 700 Mio. € in den kommenden 3-4 Jahren (inkl. M&A) wieder möglich sein. Zugleich sollte die EBITDA-Marge dann auch zweistellig werden und zugleich höhere Multiples in der Bewertung rechtfertigen. Auch dürfte diese Struktur bei Investoren ein attraktiveres Investment darstellen. Herr Dr. Goedsche stellte auch hervor, dass durch die zunehmende Unternehmensgröße der Share of valid zunehmend steigt. Dazu dürfte angesichts der hohen Bewertungen im Technologieumfeld die Phantasie, die Tochtergesellschaft Nagarro, die für rund die Hälfte des Konzern-EBITDA stehen dürfte, eines Tages an die Börse zu bringen, nicht weichen. Setzt man hier entsprechende Multiples von Wettbewerbern an könnte allein ein IPO von Nagarro die aktuelle Marktkapitalisierung von Allgeier deutlich übersteigen. Wichtig war ihm auch zu betonen, dass bei Allgeier nicht nur das Management maßgeblich am Unternehmen beteiligt ist, sondern auch die weiteren Managementebenen, wodurch die Motivation, die Gesellschaft nach vorne zu bringen, deutlich höher ist, da die Mitarbeiter durch einen steigenden Aktienkurs unmittelbar auch selber profitieren können.

 

 

Insgesamt habe ich im Zuge meiner überarbeiteten Schätzungen - wie beschrieben aktuell noch ohne iQuest - die Allgeier Aktie nun in einem Sum-of-the-Part Ansatz bewertet. Im Rahmen dessen habe ich sowohl für die neue Allgeier als auch für den Geschäftsbereich Experts jeweils eine DCF-Bewertung vorgenommen. Der ermittelte Wert pro Einheit ergibt im Anschluss dann den Gesamtwert für den Konzern bzw. das Kursziel pro Aktie. Für das aktuelle Geschäftsjahr 2018 erwarte ich einen Umsatz von 696,3 Mio. € (+20%) . Dies entspricht einem Wachstum von rund 18% im zweiten Halbjahr. Beim EBITDA erwarte ich einen Wert von 41,5 Mio. € und eine EITDA-Marge von 6,0%, die damit am unteren Ende der Spanne liegt. Dies setzt jedoch nochmals eine deutliche Ergebnissteigerung in HJ2 voraus. Die zukünftige Allgeier dürfte damit mit 403,0 Mio. € (ohne iQuest) >400 Mio. € Umsatz erzielen bei einem EBITDA von 31,2 Mio. € und einer Marge von 7,7%. Bis 2020 erwarte ich eine weitere Steigerung der Umsatzerlöse auf 515,5 Mio. € bei einem EBITDA von 56,9 Mio. € (11,0% Marge). Für Experts rechne ich in diesem Jahr mit rund 15% Wachstum auf 322,5 Mio €. Für die darauffolgenden Jahre sollte der Umsatz auf 367,7 Mio. € ansteigen können bei einer EBITDA-Marge von dann 4,5% (2018e: 3,5%). Auf Basis dieser Inputfaktoren habe ich für den Geschäftsbereich Experts unter Berücksichtigung eines Diskontierungsfaktors (WACC) von 9,5% - Annahme 100% Eigenkapitalkosten - einen Wert von 120,0 Mio. €, entsprechend 12,00€ je Allgeier Aktie, ermittelt. Für die neue Allgeier, bestehend aus dem Geschäftsbereich ES und Technology, habe ich auf Basis eines Diskontierungsfaktors von 8,1% - hier ist entsprechend die bisherige Finanzierungsstruktur berücksichtigt - einen Wert von 611,7 Mio. € bzw. 61,00€ je Allgeier Aktie, berechnet. Daraus ergibt sich zusammen ein neues Kursziel von 73,00€(alt: 60,00€) und bietet weiteres deutliches Kurspotenzial.  


15.08.2018 | Weitere AKquisition in den USA

Allgeier hat Montagnacht die Übernahme des Softwareentwicklungsunternehmen iQuest Group bekannt gegeben und stärkt damit den Geschäftsbereich Technology. Mit rund 700 Mitarbeitern an verschiedenen Standorten in Europa ist das Unternehmen auf die Erstellung von individuellen Softwarelösungen für große internationale Unternehmen insbesondere aus den Branchen Life Sciences, Telekommunikation, Finanzdienstleistungen, Verkehr und Energie spezialisiert. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen >30 Mio. € Umsatz und eine bereinigte EBITDA-Marge von ca. 15%, welche deutlich über dem aktuellen Gruppendurchschnitt (Q2 2018: 7,2%) liegt. Der Kaufpreis soll für 67% der Anteile soll im zweistelligen Millionenbereich liegen. Auch wenn Allgeier keine weiteren Details nannte, dürfte der Kaufpreis für 67% der Anteile zwischen 20 und 30 Mio. € liegen. Derzeit bestehen aber noch einige offene Bedingungen sowie die Genehmigung der Kartellbehörden. Mit Blick auf mögliche Synergien und das Margenniveau ist die Übernahme damit klar positiv zu sehen, allerdings wird sich damit der Anteil der Minderheiten weiter erhöhen, welcher zum 31.03.2018 bereits bei 15,4 Mio. € lag. Nach dem Closing der Transaktion werde ich entsprechend meine Schätzungen anpassen. Bis dahin hat das Kursziel von 60,00€ weiterhin bestand.


22.07.2018 | Dynamisches Wachstum im 1. Halbjahr

Allgeier hat am Freitag vorläufige Zahlen für die ersten 6 Monate bzw. das zweit Quartal 2018 veröffentlicht. So stieg im zweiten Quartal der Umsatz des fortgeführten Geschäfts um 23% auf 173 Mio. €, im ersten Halbjahr lag das Umsatzplus bei 20% auf 328 Mio. €. Das EBITDA zwischen April und Juni lag bei 9,3 Mio. €, nach 4,7 Mio. € im Vorjahresquartal, sodass die EBITDA-Marge bei 5,4% lag, nach 4,3% im ersten Quartal 2018. Zum Halbjahr lag diese bei 4,9% nach 3,6% im Vorjahr, woraus ein EBITDA von 16 Mio. € nach 10 Mio. € in 2018 resultiert. Für die zweite Jahreshälfte erwartet das Management einen Umsatzzuwachs von 25-30%, sodass sich das Wachstum nach der Übernahme der Objectiva zuletzt nochmal leicht beschleunigen wird. Zur Marge im zweiten Halbjahr gab es dagegen keine Aussage. Klar ist jedoch, dass das Erreichen der Prognose von 6,0-6,5% noch einiges an Effizienzverbesserungen erfordert. Zum Vergleich: Mit 6,1% liegen meine Erwartungen hierbei am unteren Ende. Meine Schätzungen sowie mein Kursziel von 60,00€ bleiben somit unverändert.


10.07.2018 | Erst säen dann erten

Der IT-Dienstleister Allgeier hat ein ereignisreiches Jahr 2017 hinter sich. Mit der Übernahme von Teilen der Ciber Inc. wurde der Einstieg in das SAP-Geschäft vollzogen. Zugleich wurde der Bereich Experts umstrukturiert, wodurch Ergebnisbelastungen entstanden und die ursprüngliche Jahresprognose nicht erreicht werden konnte. Andererseits wurde das Eigenkapital durch eine Kapitalerhöhung gestärkt und eine Kreditlinie im dreistelligen Millionenbereich für Akquisitionen gesichert. In welche Richtung geht es nun weiter? Wie steht es um die Aktie? Ist sie attraktiv auch im Vergleich zur Konkurrenz?

 

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08.01.2018 | Akquisition im Segment Technology

Allgeier hat heute Abend bekannt gegeben, dass sie eine österreichische Gesellschaft im Bereich Softwareentwicklung und Consulting übernehmen wird. Dabei soll der Bereich Technology verstärkt werden. Das Unternehmen erzielt einen Umsatz von 16 Mio. € und der Kaufpreis soll im einstelligen Millionenbereich liegen. Zugleich hieß es, dass dies der erste Schritt sei, das Segment Technology deutlich auszubauen. Dies ist insbesondere dahingehend sehr zu befürworten, da dieses Segment die höchste EBITDA-Marge von allen 3 erzielt: