Aumann ist ein weltweit führender Hersteller von innovativen Spezialmaschinen und automatisierten Fertigungslinien mit Fokus auf Elektromobilität. Das Unternehmen verbindet einzigartige Wickeltechnologie zur hocheffizienten Herstellung von Elektromotoren mit jahrzehntelanger Automatisierungserfahrung, insbesondere in der Automobilindustrie. Weltweit setzen führende Unternehmen auf Lösungen von Aumann zur Serienproduktion rein elektrischer und hybrider Fahrzeugantriebe, sowie auf Lösungen zur Fertigungsautomatisierung. Aumann ist eine Tochtergesellschaft der MBB SE.


17.08.2018 | Ist Aumann ein Short-Kandidat?

Aumann hat gestern Zahlen für die ersten 6 Monate 2018 veröffentlicht, die auf den ersten Blick recht ordentlich aussehen. Mit einem Umsatzwachstum von 36,2% auf 133,4 Mio. € konnte die hohe Dynamik aus dem Vorjahr fortgesetzt werden. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz gar um 47,7% auf 70,1 Mio. €. Wachstumstreiber war dabei das Segment E-Mobility, welches die Umsätze um 81,5% bzw. 128,8% erhöhte. Das größere Segment Classic (Umsatzanteil ca. 60%) steigerte den Umsatz um 19,0% respektive 18,0%. Blickt man allerdings auf den absoluten Umsatzanstieg im ersten Halbjahr ggü. dem Vorjahr, ergeben sich erste Zweifel in Bezug auf das organische Wachstum. So stieg der Umsatz absolut in HJ1 um 35,4 Mio. € an. Bezieht man jedoch nun die im Oktober 2017 übernommene USK in die Berechnung ein, ergibt sich folgendes Bild. Die Gesellschaft hat laut Unternehmensmeldung vom Oktober 2016 einen Umsatz von 70 Mio. € erzielt. Rechnet man grob mit einer Gleichverteilung der Umsätze pro Halbjahr, ergibt sich ein Umsatz von 35 Mio. €. Da USK im ersten Halbjahr 2018 nun vollständig anorganisch zum Umsatz beigetragen hat, kann man diese 35 Mio. €, zu denen in 2017 ggf. noch Wachstum hinzu kam, mehr oder weniger auf den Umsatz aus dem ersten Halbjahr 2017 hinzurechnen. Dabei zeigt sich, dass das organische Wachstum damit gegen Null ging.

 

Auch das Ergebnis entwickelte sich unterproportional. So stieg das EBITDA in HJ1 um 29,7%, in Q2 um 36,9%. Das bereinigte EBIT stieg um 26,8% respektive 37,3% an. Zwar liegt das Unternehmen damit mit Blick auf die für das Gesamtjahr avisierten 28-31 Mio. € beim bereinigten EBIT mit 15,6 Mio. € sehr gut vorn. Die Frage für mich ist allerdings das weitere Wachstum. Dies zeigt sich auch mit Blick auf den Auftragseingang. Zwar konnte dieser im ersten Quartal um 23,3% auf 132,5 Mio. € gesteigert werden, dabei lag das Book-to-Bill jedoch nur bei rund 1. Im zweiten Quartal lag das Auftragsplus nur noch lediglich bei 1,1%, das Book-to-Bill lag mit 0,86 deutlich <1 und deutet auf zukünftig geringere Umsätze hin. Zwar schreibt das Unternehmen in seinem Halbjahresbericht von anstehenden Auftragsvergaben die nun anstehen. Um das avisierte Umsatzziel von >300 Mio. € in diesem Jahr zu erreichen, müsste das Wachstum in HJ2 allerdings bei 65% liegen. Dieser Wert ist vor dem Hintergrund, dass USK bereits in Q4 2017 anorganisch zum Umsatz beigetragen hat, aus heutiger Sicht für mich organisch nicht realistisch. Es ist allerdings durchaus möglich, dass Aumann noch eine Übernahme tätigt, um dieses Ziel zu erreichen.

 

Ungeachtet dessen ist die Aktie meines Erachtens jedoch deutlich überbewertet. Mit einem erwarteten KGV von 45 für das aktuelle und 40 für das kommende Geschäftsjahr sowie einem EV/EBITDA von 24 bzw. 21,5 ist die Aktie sehr hoch bewertet. Da Automobilwerte und Aktien von Automobilzulieferer derzeit grds. auch in keinem guten Bild bei Investoren stehen, sehe ich bei der Aumann Aktie derzeit eine gute Short Chance!