Aumann ist ein weltweit führender Hersteller von innovativen Spezialmaschinen und automatisierten Fertigungslinien mit Fokus auf Elektromobilität. Das Unternehmen verbindet einzigartige Wickeltechnologie zur hocheffizienten Herstellung von Elektromotoren mit jahrzehntelanger Automatisierungserfahrung, insbesondere in der Automobilindustrie. Weltweit setzen führende Unternehmen auf Lösungen von Aumann zur Serienproduktion rein elektrischer und hybrider Fahrzeugantriebe, sowie auf Lösungen zur Fertigungsautomatisierung. Aumann ist eine Tochtergesellschaft der MBB SE.


21.11.2018 | Nunmehr fair bewertet

Aumann hat jüngst Zahlen für die ersten 9 Monate bzw. das dritte Quartal 2018 veröffentlicht. So stieg der Umsatz in diesem Zeitraum um 51,1% auf 212,0 Mio. € bzw. 85,6% auf 78,7 Mio. € an. Das deutlich stärkere Wachstum im dritten Quartal ist dabei auf eine schwache Vergleichsbasis im Vorjahr zurückzuführen, als es zu Auftragsverschiebungen vom dritten ins vierte Quartal kam. Mit Blick auf die Segmente konnten sowohl der Bereich Classic als auch der Bereich E-Mobility im Umsatz deutlich zulegen. So konnte das Segment Classic den Umsatz um 33,7% bzw. 69,6% steigern, während das Segment E-Mobility die Umsatzerlöse um 94,4% bzw. 120,3% steigerte. Mit einem Umsatzanteil von 37% ist das letztgenannte aber weiterhin das kleinere Segment.

 

Die Ergebnisentwicklung der ersten 9 Monate bzw. des dritten Quartals war ebenfalls positiv. So konnte das EBIT um 44,2% auf 21,7 Mio. € bzw. 173,9% auf 7,6 Mio. € gesteigert werden. Auch hier ist die Vorjahresbasis im dritten Quartal aufgrund des genannten Effekts sehr gering gewesen. Da hierbei PPAs auf übernommene Vermögenswerte der im Oktober 2017 übernommenen USK i.H.v. 1,6 Mio. € sowie einmalige Rückstellungen im Zusammenhang mit dem Ausscheiden eines Vorstands i.H.v. 0,4 Mio. € enthalten sind, weist Aumann dazu auch ein bereinigtes EBIT aus. Dieses stieg in den ersten 9 Monaten um 57,4% auf 23,7 Mio. €, im dritten Quartal konnte es auf 8,1 Mio. € knapp verdreifacht werden. Der maßgebliche Ergebnistreiber war dabei das Segment E-Mobility, welches vor allem im dritten Quartal von einer sehr geringen Vorjahresbasis kam. Im 9-Monatszeitraum konnte dadurch die EBIT-Marge weiter von 11,6% auf 13,5% verbessert werden. Das Segment Classic verzeichnete dagegen einen leichten Margenrückgang.

 

Ebenfalls entwickelte sich auch der Auftragseingang im Berichtszeitraum weiter positiv. So stiegen die Neuaufträge in den ersten 9 Monaten um 50,8% auf 204,1 Mio. € (Book-to-Bill 0,96) und im dritten Quartal um 156,8% auf 71,6 Mio. € (Book-to-Bill 0,91) an. Aufgrund des leicht unter 1 liegenden Book-to-Bills stieg der Auftragsbestand zwar ggü. dem Vorjahr um 54,3% auf 196,2 Mio. € an. Im Vergleich zum 31.12.2017 ging dieser jedoch um 3,9% zurück. Nun konnte Aumann zu Beginn des vierten Quartals Aufträge aus Nominierungen durch einen asiatischen Neukunden über 20 Mio. € gewinnen. Auch wenn Q4 beim Auftragseingang erneut stark werden dürfte, wäre ein Auftragseingang von 97,7 Mio. € nötig (Q1 72,4/Q2 60,1/Q3 71,6), um allein einen Auftragsbestand auf Vorjahresniveau zu erreichen. Mit Blick auf den Vorjahreswert von 147,0 Mio. € erscheint dies zwar nicht unrealistisch, allerdings war der Auftragseingang des Vorjahres durch Verschiebungen aus Q3 in Q4 geprägt. Dazu gibt auch das Book-to-Bill von knapp unter 1 Anlass zur Vorsicht, da dies nicht auf steigende Umsätze in der Zukunft deutet. Zum Vergleich: Ende 2017 war Aumann mit einem Book-to-Bill von 1,34 in das neue Jahr gestartet.

 

Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung in den ersten 9 Monaten bestätigte der Vorstand seine Umsatz- und Ergebnisprognose. So wird weiterhin von einem Umsatz von >300 Mio. € sowie einem bereinigten EBIT zwischen 28 und 31 Mio. € ausgegangen. Da das vierte Quartal weiter stabil bei der Marge verbleiben sollte, erachte ich auch ein leichtes Übertreffen der Prognose als nicht unrealistisch. Ausgehend von den 2 Mio. € Bereinigungen nach 9 Monaten rechne ich mit einem EBIT von 30,6 Mio. € bzw. einem bereinigten EBIT im Bereich von rund 33 Mio. € (2017: 21,0). Für den Umsatz erwarte ich einen Wert von 301,7 Mio. €, entsprechend einem Wachstum von 43,4% ggü. 2017. Da die Wachstumsdynamik nun in Q3 wieder zugenommen hat - auch ohne Berücksichtigung des anorganischen Effekts der USK - habe ich meine Wachstumserwartungen für 2019ff leicht angehoben. Nachdem mein Kursziel bislang bei 34,00€ lag steigt dieses nun auf 40,00€ an. Dennoch sind dafür auch weiterhin weiter steigende Neuaufträge nötig, um in den kommenden Jahren zweistellig zu wachsen. Ausgehend vom Schlusskurs seit der Erstbesprechung am 17.08.2018 von 58,30€, als ich die Aumann Aktie als deutlich überbewertet sah, hat der Kurs nun rund 38% an Wert verloren und notiert m.E. aktuell auf einem fairen Niveau. 


17.08.2018 | Ist Aumann ein Short-Kandidat?

Aumann hat gestern Zahlen für die ersten 6 Monate 2018 veröffentlicht, die auf den ersten Blick recht ordentlich aussehen. Mit einem Umsatzwachstum von 36,2% auf 133,4 Mio. € konnte die hohe Dynamik aus dem Vorjahr fortgesetzt werden. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz gar um 47,7% auf 70,1 Mio. €. Wachstumstreiber war dabei das Segment E-Mobility, welches die Umsätze um 81,5% bzw. 128,8% erhöhte. Das größere Segment Classic (Umsatzanteil ca. 60%) steigerte den Umsatz um 19,0% respektive 18,0%. Blickt man allerdings auf den absoluten Umsatzanstieg im ersten Halbjahr ggü. dem Vorjahr, ergeben sich erste Zweifel in Bezug auf das organische Wachstum. So stieg der Umsatz absolut in HJ1 um 35,4 Mio. € an. Bezieht man jedoch nun die im Oktober 2017 übernommene USK in die Berechnung ein, ergibt sich folgendes Bild. Die Gesellschaft hat laut Unternehmensmeldung vom Oktober 2016 einen Umsatz von 70 Mio. € erzielt. Rechnet man grob mit einer Gleichverteilung der Umsätze pro Halbjahr, ergibt sich ein Umsatz von 35 Mio. €. Da USK im ersten Halbjahr 2018 nun vollständig anorganisch zum Umsatz beigetragen hat, kann man diese 35 Mio. €, zu denen in 2017 ggf. noch Wachstum hinzu kam, mehr oder weniger auf den Umsatz aus dem ersten Halbjahr 2017 hinzurechnen. Dabei zeigt sich, dass das organische Wachstum damit gegen Null ging.

 

Auch das Ergebnis entwickelte sich unterproportional. So stieg das EBITDA in HJ1 um 29,7%, in Q2 um 36,9%. Das bereinigte EBIT stieg um 26,8% respektive 37,3% an. Zwar liegt das Unternehmen damit mit Blick auf die für das Gesamtjahr avisierten 28-31 Mio. € beim bereinigten EBIT mit 15,6 Mio. € sehr gut vorn. Die Frage für mich ist allerdings das weitere Wachstum. Dies zeigt sich auch mit Blick auf den Auftragseingang. Zwar konnte dieser im ersten Quartal um 23,3% auf 132,5 Mio. € gesteigert werden, dabei lag das Book-to-Bill jedoch nur bei rund 1. Im zweiten Quartal lag das Auftragsplus nur noch lediglich bei 1,1%, das Book-to-Bill lag mit 0,86 deutlich <1 und deutet auf zukünftig geringere Umsätze hin. Zwar schreibt das Unternehmen in seinem Halbjahresbericht von anstehenden Auftragsvergaben die nun anstehen. Um das avisierte Umsatzziel von >300 Mio. € in diesem Jahr zu erreichen, müsste das Wachstum in HJ2 allerdings bei 65% liegen. Dieser Wert ist vor dem Hintergrund, dass USK bereits in Q4 2017 anorganisch zum Umsatz beigetragen hat, aus heutiger Sicht für mich organisch nicht realistisch. Es ist allerdings durchaus möglich, dass Aumann noch eine Übernahme tätigt, um dieses Ziel zu erreichen.

 

Ungeachtet dessen ist die Aktie meines Erachtens jedoch deutlich überbewertet. Mit einem erwarteten KGV von 45 für das aktuelle und 40 für das kommende Geschäftsjahr sowie einem EV/EBITDA von 24 bzw. 21,5 ist die Aktie sehr hoch bewertet. Da Automobilwerte und Aktien von Automobilzulieferer derzeit grds. auch in keinem guten Bild bei Investoren stehen, sehe ich bei der Aumann Aktie derzeit eine gute Short Chance!