cyan ist ein deutsches Unternehmen mit mehr als 25 Jahren Erfahrung auf dem Gebiet der IT-Sicherheit. cyan betreibt ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum in Brünn (Tschechische Republik) und unterhält enge Verbindungen zu Universitäten, internationalen Instituten und Finanzinstituten sowie zu sozialen Organisationen. Diese intensive Zusammenarbeit gewährleistet die frühzeitige Erkennung von Trends und technischen Entwicklungen zur Integration in cyan-Produkte. Mit nur einer Installation im Mobil- oder Festnetz bietet cyan für jeden Businessbereich individuell zugeschnittene, digitale Sicherheitslösungen an, deren Filtersysteme mindestens alle 4 Stunden aktualisiert werden.


08.01.2019 | Mobile Security als Treiber

Das Unternehmen war Ende März 2018 an die Börse gegangen und entstand mehr oder weniger erst im Zuge dessen. So diente der Emissionserlös i.H.v. 31,7 Mio. € aus dem Börsengang vorrangig zum Erwerb der verbleibenden 49% an der Cyan Security Group GmbH, wofür laut Börsenprospekt 26 Mio. € genutzt wurden. Dazu wurde im Juli 2018 die Mehrheit (76,8%) an der I-New Unified Mobile Solutions AG (I-New), einem Anbieter von Technologie- und Servicelösungen sowie MVNO-Plattformen, erworben. Zuletzt hielt Cyan 81,7% und hat diesen Anteil nun im Rahmen der Ausgabe von 121.021 neuen Aktien zum Preis von 22,75€ an die Minderheitsaktionäre auf 100% erhöht.

 

Durch die Übernahme der I-New sieht das Cyan Management hohe Skalierungspotenziale, da I-New über eine breite Kundenbasis (40 MVNOs mit 5,5 Mio. Endkunden zum Zeitpunkt der Übernahme) verfügt und Cyan damit die internationale Reichweite bei MVNOs deutlich ausbauen kann. Konkret nannte das Unternehmen ein Zeitgewinn von 2-3 Jahren im Vergleich zur eigenen Erschließung. Des Weiteren erwartet der Vorstand bis Ende 2019 Synergieeffekte von bis zu 9 Mio. €. Zuletzt hieß es an dieser Stelle zudem, dass die Integration bereits schneller verlaufe als geplant. Dadurch soll im Jahr 2018 ein Pro-Forma Umsatz - d.h. eine Vollkonsolidierung seit 1.1.2018 unterstellt - von mindestens 20 Mio. € erreicht werden. Das Pro-Forma EBITDA - m.E. zusätzlich um IPO-Kosten bereinigt - soll 2018 bei 7 Mio. € liegen. Ich persönlich kalkuliere mit einem berichteten Umsatz von 14,2 Mio. € sowie einem EBITDA von 5,0 Mio. €, wobei fraglich ist ob für 2018 ein Konzernabschluss veröffentlicht  wird. Für 2019 plant das Unternehmen dann mit einer weiteren deutlichen Umsatzsteigerung auf 35 Mio. € und einem EBITDA (beides auf berichteter Basis, kein Pro-Forma mehr) von mindestens 20 Mio. € (LSe: 36/21 Mio. €).  Grund für die auch deutlichen Ergebnissteigerungen sind die hohen Margen im Neugeschäft (oberer zweistelliger Prozentbereich), die möglich sind, da Cyan keinerlei größere Kosten entstehen wenn das Unternehmen seine Lösung (als White-Label-Lösung) zur Verfügung stellt. Vergütet wird Cyan zumeist entweder über ein Revenue Share Model oder über die Kosteneinsparungen beim Kunden. Dazu bestehen nach der I-New Übernahme nun Verlustvorträge i.H.v. 20,8 Mio. €, die in den kommenden Jahren genutzt werden dürften. Da Cyan im Rahmen der Übernahme der I-New auch Bankverbindlichkeiten i.H.v. 9,5 Mio. € übernommen hatte, wurde im Oktober zusätzlich eine Kapitalerhöhung mit einem Bruttoemissionserlös i.H.v. 7,9 Mio. € (370.000 neue Aktien zu einem Preis von 21,40€) durchgeführt. Damit sollten die übernommenen Kreditbestände aus der I-New Übernahme getilgt werden.

 

Weiter hat Cyan in der zweiten Jahreshälfte eine Partnerschaft mit AliasLab S.p.A. für eine gemeinsame Lösung zur Erfüllung der erhöhten Sicherheitsstandards aus der Payment Service Directive 2 (PSD2) geschlossen. Diese sieht vor, dass europäische Banken dazu verpflichtet sind, Authentifizierungsmechanismen wie SMS-Einmalpasswörter, physische Tokens, Stimm- oder Gesichtserkennung in ihre Online-Banking- und Payment-Systeme zu implementieren. Mit der gemeinsamen Lösung wird Banken und anderen Finanzinstituten die Erfüllung der PSD2 ermöglicht und es wurde bekannt, dass bereits 2 namhafte Kunden in Italien dafür gewonnen werden konnten. Zudem wurde eine strategische Partnerschaft mit Aon für innovative Digital-Secuirty-Lösungen eingegangen. Während Aon als globaler Dienstleister für Risikomanagement sowie Versicherungs- und Rückversicherungsmakler und Berater für Human Resources seine Branchenerfahrungen einbringen wird, soll Cyan die entsprechenden Lösungen entwickeln sowie bereitstellen. Gemeinsam sehen beide Parteien für die Security-Lösungen von Cyan massiven Bedarf.

 

Laut dem aktuellen Research von GBC vom 29.11.2018 hatte Cyan zum Ende des dritten Quartals eine Pipeline von insgesamt 110 Leads - 75 durch Cyan, 35 durch I-New - von denen sich einige bereits in weit fortgeschrittenen Gesprächen befinden sollen. Ende September wurde vermeldet, dass I-New mit Klik Mobile, Kolumbiens neuestem digitalen MVNO einen Vertrag unterzeichnet habe. Weiter wurde nun vor Weihnachten ein großer Deal mit Orange, einem der weltweit größten Telekommunikationsunternehmen geschlossen, über den bereits seit längerem spekuliert worden war. So haben Cyan und Orange einen Gruppenvertrag über mindestens 6 Jahre geschlossen, wodurch die Cyber-Security-Lösung von Cyan in bis zu 28 Ländern mehr als 260 Millionen Kunden angeboten werden soll. Den Kunden - sowohl Privat- als auch Firmenkunden - von Orange wird dabei Schutz für Smartphones, Tablets und PCs ermöglicht. Der Rollout, beginnend in Europa, gefolgt von Afrika, soll im ersten Halbjahr dieses Jahres erfolgen. Das Cyan Management erwartet dadurch bereits ab der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres spürbare Umsatz- und Ergebniseffekte sowie bis 2021 auf Basis bestehender Kundenverhältnisse sowie der Zusammenarbeit mit Orange eine Umsatzsteigerung auf über 60 Mio. €. Zugleich soll das EBITDA durch die Skalierungseffekte überdurchschnittlich steigen.

 

Verglichen mit meinen aktuellen Schätzungen, die einen Anstieg der Umsatzerlöse auf 51,5 Mio. € bis 2021 vorsehen, besteht demnach noch deutliches Potenzial. Für das EBITDA rechne ich im Jahr 2021 mit einem Wert von 32,6 Mio. € bzw. einer EBITDA-Marge von 63,3%. Die Zurückhaltung beim Umsatz beruht jedoch darauf, dass der Vorstand in Bezug auf erreichte und berichtete Zahlen bis dato noch keine Benchmark in der aktuellen Zusammensetzung vorlegen kann. Zugleich ist die Transparenz weiter eher gering zu sehen, da das Unternehmen auch für das erste Halbjahr 2018 keinen Konzernabschluss, sondern lediglich Pro-Forma Zahlen veröffentlicht hat. Für den 28.12.2018 angekündigte Q3-Zahlen wurden bis dato nicht veröffentlicht. Außerdem haben die Großaktionäre am Kapitalmarkt tendenziell kein gutes Image. Ende März dieses Jahres wird die Blackout-Period für die Großaktionäre enden, sodass dann ggf. Verkaufsdruck auf die Aktie gelangen könnte. Andererseits erhöht dies wiederum den Streubesitz, der aktuell lediglich bei ca. 28% liegt, und damit die Handelbarkeit der Cyan Aktie.

 

Insgesamt treibt der zunehmende Smartphone Konsum, verbunden mit den zunehmenden Nutzungsfunktionen (u.a. Banking, Shoping, Mailing, Streaming, Social Media u.w.) das Geschäft von Cyan, da immer mehr Mobilfunk- oder Drittanbieter sowie Banken Optionen vorhalten müssen, um ihre Kunden vor Cyber Angriffen zu schützen. Durch die Einbindung der Cyan Lösung als White-Label-Lösung können die Endkunden den Sicherheitsschutz auf einfache Weise direkt nutzen, ohne andere aufwendige Downloads vornehmen zu müssen. Auf Basis meiner Erwartungen für die kommenden Jahre ergibt sich unter zu Grunde legen einer Eigenkapitalquote von 100% und einem Diskontierungszins von 9,5% ein Kursziel von 41,00€, welches auf Basis des derzeitigen Kursniveaus ein Potenzial von rund 52% bietet. Zeigt sich, dass sich die avisierte Umsatzsteigerung bis 2021 realisiert, ergibt sich auf Basis meiner Schätzungen weiteres Potenzial nach oben.