Die EQS Group ist ein führender internationaler Technologieanbieter für Compliance und Investor Relations. Mehrere tausend Unternehmen weltweit erfüllen mit der EQS Group komplexe nationale und internationale Publizitätsplichten, minimieren Risiken und sprechen Stakeholder gezielt an. EQS Group ist ein digitaler Komplettanbieter: Zu den Produkten und Services gehören ein globales Newswire, ein Meldeplichtenservice, Investor Targeting und Kontaktmanagement, sowie eine Insiderlistenverwaltung. Diese sind in der cloudbasierten Plattform EQS COCKPIT gebündelt, um die Arbeitsprozesse von Investor Relations-, Kommunikations- und Compliance-Verantwortlichen zu optimieren. Darüber hinaus bietet EQS Group eine innovative Whistleblowing- und Case-Management-Software, IR- Webseiten, digitale Berichte und Webcasts an.


Wie groß wird die Whistleblower Welle?

Für die EQS Group ist der 17. Dezember 2021 eines der bedeutendsten Daten der kommenden Jahre. Dann müssen die Mitgliedsländer der EU die Richtlinie vom 23.10.2019 zum Schutz von Personen, die Verstöße gegen das Unionsrecht melden in nationales Recht umgesetzt haben. Diese sieht vor, dass Unternehmen ab 250 Mitarbeiter in der EU ein Hinweisgebersystem einführen. Zwei Jahre später, bis zum 17. Dezember 2023, müssen die Mitgliedstaaten eine entsprechende Vorschrift auch für Unternehmen mit 50 bis 249 Arbeitnehmern einführen. Dies kann beispielsweise per E-Mail, Ombudsmann, Telefonhotline, Briefkasten oder auch ein dezentrales Webbasiertes Hinweisgebersystem erfolgen. Bisherige Umfragen, z.B. von EQS und Business Keeper (BKMS) haben aber auch gezeigt, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern mehrere Möglichkeiten anbieten. Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Vorschriften haben viele Unternehmen jedoch bislang noch keine Lösung eingeführt. Laut Zahlen des statistischen Bundesamtes gab es in Deutschland 2018 15.500 Unternehmen mit >250 Mitarbeitern und 80.900 mit >50 Mitarbeitern. Auf EU-Ebene belaufen sich die Zahlen nach Angaben der Seite MittelstandsWiki auf 46.500 bzw. 277.500. Mit dem zeitlichen Abstand von zwei Jahren wird es den Anbietern wie EQS zugleich besser ermöglicht, eine möglichst große Zahl an Unternehmen von einem webbasierten System zu überzeugen. Dabei hat eine Studie der EQS aus dem Jahr 2019 ergeben, dass Unternehmen mit einem System mehr und zugleich auch relevantere Meldungen erhalten. Ebenso ermöglicht ein System im Vergleich zu anderen Meldekanälen einen besseren Identitätsschutz des Hinweisgebers. Wichtig in diesem Zusammengang war auch die Tatsache, dass die Möglichkeit zur anonymen Meldung von Hinweisen nicht zu einem vermehrten Missbrauch führt, wie die Studien von EQS und BKMS ergeben haben. Auch hat sich gezeigt, dass die Einführung eines Hinweisgebersystems nicht zu einer Flut an Meldungen führt.

 

Daher hat sich EQS zuletzt mit der Übernahme der Got Ethics A/S aus Dänemark im Bereich Hinweisgebersysteme verstärkt. Das Unternehmen mit über 500 Kunden erzielt einen jährlichen wiederkehrenden Umsatz (ARR) i.H.v. von rund 2mEUR. Dies entspricht einem Umsatz pro Kunden von etwa 4.000€ pro Jahr. Zwar hat EQS bislang keine Zahlen zur eigenen Kundenzahl kommuniziert, diese dürfte aber unter den 500 der Got Ethics, jedoch bei einem höheren Umsatz pro Kunden, liegen. Der Kaufpreis, der in eine fixe und variable Komponente aufgeteilt ist, beträgt zunächst 10mEUR und kann sich abhängig von der operativen Entwicklung in den Geschäftsjahren 2021 & 2022 noch weiter erhöhen. Der fixe Anteil wird hierbei über ein Akquisitionsdarlehen finanziert. Mit der Übernahme hat sich EQS vor der Einführung der Hinweisgeberrichtlinie in nationales Gesetz nach der Übernahme der Integrity Line im Dezember 2017 erneut verstärkt und die Ausgangssituation damit verbessert, um von der Regulierungswelle in den kommenden Jahren entsprechend zu profitieren. Des Weiteren hat sich EQS kurz vor Weihnachten mit rund 23% an der C2S2 GmbH, einem Anbieter für Policy Management, beteiligt. Die Gesellschaft hat bislang zwar lediglich 10 Kunden, zu denen aber unter anderem Großkunden wie die AUDI AG sowie die REWE Group gehören. Der Kaufpreis für die rund 23% liegt im unteren einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Zugleich hat sich EQS aber auch die Option zum Erwerb der verbleibenden Anteile gesichert. Zur Finanzierung des Anteilserwerbs an der C2S2, der möglichen vollständigen Übernahme sowie der Earn-out-Zahlung für Got Ethics hat EQS Anfang Dezember eine Kapitalerhöhung über 5% vom Grundkapital mit einem Bruttoemissionserlös von 9,10mEUR durchgeführt.  

 

Ich habe im Rahmen der Übernahme und einem Gespräch mit dem Unternehmen daher meine Schätzungen für die Jahre 2020-2022 überarbeitet. So habe ich meine Umsatzschätzungen für das aktuelle Geschäftsjahr leicht auf 37,75mEUR (alt: 37,59mEUR) angehoben, für die kommenden beiden Jahre auch durch den Erwerb der Got Ethics jedoch deutlich auf 46,01mEUR (alt: 44,39mEUR) bzw. 59,96mEUR (alt: 53,27mEUR) erhöht. Da jedoch eine Vielzahl der Unternehmen erst kurz vor Einführung des Gesetzes oder gar danach eine Lösung einführt, dürfte der große Umsatzschub erst im Jahr 2022 folgen. Für das Jahr 2021 erwarte ich daher einen Umsatzanstieg im Bereich Whistleblowing auf 5,91mEUR (2020e: 3,00mEUR) und im Jahr 2022 auf 11,66mEUR. Ein weiterer Umsatzschub, der womöglich noch größer als in der ersten Stufe sein wird, dürfte dann im Jahr 2024 folgen. Bis 2025 erwarte ich folglich einen Umsatzanstieg auf 35,13mEUR, der somit deutlich über der Prognose von 15,00mEUR im Rahmen der Vision 2025 liegt. Dabei berücksichtige ich jedoch in der zweiten Stufe aufgrund der geringeren Unternehmensgröße, verbunden mit einem geringeren Budget der Unternehmen, einen geringeren Anteil zur Nutzung eines Webbasierten Systems. Andererseits erwarte ich in den anderen Produktbereichen, u.a. beim Approval und Policy Manager, die zuletzt finalisiert wurden, aufgrund von eingeschränkten Kapazitäten im Sales einen geringeren Umsatz bis 2025. Konkret erwarte ich für den Approval Manager bis 2025 einen Umsatzbeitrag von 7,50mEUR (EQS Planung: 10,00mEUR) und für den Policy Manager von 10,50mEUR (EQS Planung: 15,00mEUR). Beim Ergebnis habe ich meine Erwartungen dagegen aufgrund des Mitarbeiteraufbaus seit Mitte 2020 von 6,03mEUR auf 5,51mEUR reduziert. Damit gehe ich aber weiterhin davon aus, dass die Prognose (4,00-5,00mEUR) übertroffen wird. Für das kommende Jahr habe ich einen weiteren Mitarbeiteraufbau, insbesondere im Bereich Sales & Marketing, unterstellt, der sich zunächst Ergebnis belastend auswirkt. Da ich auch von zusätzlichen Vertriebsaufwendungen ausgehe, erwarte ich für das kommende Jahr mit 5,53mEUR lediglich ein EBITDA auf Vorjahresniveau. Im Folgejahr dürfte sich jedoch durch die gewonnenen Kunden und einem höheren Umsatzwachstum ein deutlicher Ergebnisanstieg ergeben, den ich auf 12,49mEUR kalkuliert habe. Nachdem mein DCF-Modell für 2025 bislang einen Umsatz von 81,01mEUR vorsah, erhöht sich dieser aufgrund der erhöhten Schätzungen in den Jahren 2021 & 2022 auf nunmehr 98,51mEUR. Zudem erwarte ich wegen des höheren Umsatzniveaus nun auch mit 33,0% (alt: 30,0%) eine höhere mittelfristige EBITDA-Marge. In der Folge steigt das Kursziel deutlich von 35,00€ auf 47,00€. 

 

 

Hinweis zu möglichen Interessenskonflikten nach Art. 20 Abs. 1 MMVO: Die Aktie befindet sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in den wikifolios "Chancen suchen und finden" (https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf19920415) sowie "Top Pics of the Year" (https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf0lms1992). 

 

Veröffentlichungsdatum: 13.01.2021, 11:56Uhr


Prognose bereits erreicht

EQS hat Mitte November Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht, die erneut sehr gut ausgefallen sind. So erhöhten sich die Umsatzerlöse zwischen Juli und September um 16,3% auf 9,17mEUR und profitierten vor allem durch eine erhöhte Nachfrage nach Audio- und Video-Webcasts (u.a. auch Übertragung von Hauptversammlung) im Investor Relations Bereich (4,40mEUR / +29,8%). Der Compliance-Bereich konnte trotz weiterer Neukundengewinne (+46) den Umsatz nur unterproportional um 6,2% steigern, baute sich jedoch einen Umsatzvortrag für die kommenden Quartale auf. In den ersten neun Monaten stiegen die Konzernumsatzerlöse folglich um 19,6% (bereinigt um ARIVA im Vorjahr) auf 27,62mEUR und liegen somit am oberen Ende der Prognosespanne von 15-20% Umsatzwachstum (bereinigt um ARIVA) in diesem Jahr. Getragen wurde der Umsatzanstieg durch die sehr gute Umsatzentwicklung im IR-Bereich (13,43mEUR / +29,0%), der auch durch die Migration der Kunden auf das neue COCKPIT profitierte. Bis Ende September waren insgesamt 530 Kunden im In- und Ausland auf das neue COCKPIT migriert. In Deutschland haben 93% aller Kunden bzw. 411 Unternehmen aus dem regulierten Markt einen neuen Vertrag unterzeichnet. Insgesamt lag der IR-Bereich damit, auch bedingt durch ein erhöhtes Nachrichtenvolumen im Rahmen der COVID-19 Pandemie, über den Erwartungen. Die Compliance-Umsätze erhöhten sich bis Ende September um 12,0% auf 14,19mEUR und entwickelten sich damit im Rahmen der Managementerwartungen. Sehr positiv hat sich auch der neu abgeschlossene ARR entwickelt, der in den ersten 9 Monaten um 84,7% auf 4,03mEUR anstieg, sodass sich der ARR insgesamt auf 21,78mEUR (78,9% vom Umsatz) erhöhte. Im dritten Quartal lag der Anteil widerkehrender Umsätze sogar bei 83,8%. Nach dem Berichtszeitraum hat sich der ARR im Oktober weiter auf 4,51mEUR erhöht, sodass bereits 2 Monate vor Jahresende die Jahresprognose von 4,5-5,5mEUR erreicht wurde.

 

Noch deutlicher verbesserte sich das EBITDA, sowohl im dritten Quartal, als auch im gesamten Berichtszeitraum Januar bis September. Im dritten Quartal erhöhte sich das EBITDA um 160,5% auf 1,30mEUR, sodass die EBITDA-Marge auf 14,2% anstieg. Hierzu haben vor allem ein striktes Kostenmanagement beigetragen, in Folge dessen die sonstigen betrieblichen Aufwendungen (+2,7%) und die Personalaufwendungen (+1,7%) lediglich leicht angestiegen sind. Im 9-Monatszeitraum hat sich das EBITDA von 0,39mEUR (bereinigt um den Verkauf von ARIVA) auf 4,30mEUR nahezu verzehnfacht, wobei dies auf mehrere Faktoren zurückzuführen ist. Einerseits haben sich durch die Fertigstellung des IR-COCKPITS im vergangenen Jahr ab dem zweiten Quartal 2019 die Aufwendungen für Freelancer deutlich reduziert, sodass die bezogenen Leistungen trotz gestiegener Nachfrage nach Webcast-Lösungen mit einem höheren Fremdanteil lediglich um 4,0% anstiegen. Dazu hat eine verlangsamte Mitarbeiterakquise lediglich zu einem Anstieg der Personalkosten i.H.v. 0,5% geführt und bei den sonstigen betrieblichen Aufwendungen konnte sogar ein Rückgang von 7,0% infolge der eigenen Kostendisziplin sowie geringeren Marketing- und Vertriebsaufwendungen erzielt werden. Nach 9 Monaten lag die EBITDA-Marge nun bei 15,6%. Zugleich hat sich die Ergebnisqualität im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert, da die aktivierten Eigenleistungen in Folge der Fertigstellung des IR-COCKITS um 42,5% auf 1,28mEUR zurückgingen. Folglich lag der um aktivierte Eigenleistungen bereinigte EBITDA-Anstieg bei 4,85mEUR, während der berichtete EBITDA-Anstieg bei 3,90mEUR lag. Mit dem erreichten EBITDA i.H.v. 4,3mEUR hat EQS nun bereits nach 9 Monaten die im Rahmen der Q2-Zahlen angehobene Gesamtjahresprognose (4,0-5,0mEUR) erreicht, sodass gute Chancen für ein Übertreffen bestehen.

 

Insgesamt hat das Management den Anfang August angehobenen Ausblick bestätigt und erwartet weiterhin einen um den ARIVA-Verkauf bereinigten Umsatzanstieg von 15-20%, ein EBITDA von 4,0-5,0mEUR sowie ein Neu-ARR von 4,5-5,5mEUR. Auch wenn sich die Umsatzdynamik im Investor Relations Bereich im vierten Quartal aufgrund einer geringeren Nachfrage nach Video- und Webcast-Lösungen im Vergleich zu den Vorquartalen abschwächen dürfte, sollte durch die neuen COCKPIT-Umsätze weiterhin ein entsprechendes Umsatzwachstum erzielt werden. Zugleich gehe ich im Compliance-Geschäft wieder von einer anziehenden Umsatzdynamik im Schlussquartal aus, da dies das stärkste Jahresquartal in diesem Bereich ist. Daher erwarte ich weiterhin einen Umsatzanstieg von 18,0% im Gesamtjahr. Der ARR dürfte am oberen Ende erreicht werden und bildet damit eine gute Planbarkeit für die Folgejahre. Für das EBITDA erwarte ich nun mit 6,04mEUR (alt: 4,94mEUR) ein klares Übertreffen der Jahresprognose, wenngleich ich im vierten Quartal wieder von einem zweistelligen Anstieg bei den Personal- und sonstigen Aufwendungen ausgehe. Dies ist auch auf die vorbereitenden Maßnahmen für die bis Dezember 2021 anstehende Umsetzung der EU-Richtlinie zum verbesserten Schutz von Whistleblowern in nationales Recht zurückzuführen. In Folge dessen plant EQS in den kommenden Quartalen die Marketing- und Vertriebsaufwendungen sukzessive zu erhöhen und deutlich zu steigern, um entsprechend Marktanteilsgewinne zu realisieren. Auch für das kommende Jahr habe ich daher bei den sonstigen betrieblichen Aufwendungen einen überproportionalen Anstieg angesetzt, um dies zu berücksichtigen. Zwar führt die verbesserte Kostensituation in diesem Jahr auch zu einem Anstieg des EBITDA für 2021 von 2,9% auf 7,90mEUR im Vergleich zu meinen bisherigen Schätzungen. Verglichen mit den um 22,1% höheren EBITDA-Erwartungen für dieses Jahr allerdings deutlich weniger stark, um den Investitionen zur Gewinnung von Markanteilen im Bereich Hinweisgebersysteme Rechnung zu tragen. Meine Schätzungen für Umsatz & EBITDA im Jahr 2022 bleiben dagegen unverändert. Insgesamt führt dies zu einem ebenso unveränderten Kursziel von 174,00€ bzw. Split bereinigten Kursziel von 35,00€. 

 

 

Hinweis zu möglichen Interessenskonflikten nach Art. 20 Abs. 1 MMVO: Die Aktie befindet sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im wikifolio "Chancen suchen und finden" (https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf19920415). 

 

Veröffentlichungsdatum: 24.11.2020, 18:16Uhr


21.08.2020 | Cloud is King!

EQS hat vergangene Woche den Halbjahresbericht veröffentlicht, nachdem Anfang August bereits vorläufige Zahlen bekanntgegeben und im Rahmen dessen die Prognose angehoben wurde. So erhöhte sich der Umsatz (bereinigt um ARIVA) im ersten Halbjahr um 21,4% auf 18,45mEUR, im zweiten Quartal konnte ein leicht höherer Anstieg von 21,5% auf 10,10mEUR erzielt werden. Maßgeblicher Wachstumstreiber war dabei das Segment Investor Relations, welches den Umsatz um 28,6% respektive 36,0% steigern konnte und damit oberhalb der Planungen des Managements lag. Hier haben sich eine erhöhte Nachfrage nach Audio- und Videowebcasts, ein erhöhtes Meldevolumen im Rahmen der COVID-19 Pandemie sowie Mehrerlöse durch das neue IR-COCKPIT niedergeschlagen. Das Compliance Segment erhöhte die Umsätze um 15,2% bzw. 10,6%, wobei vor allem Meldepflichten, XML, das Bestandsgeschäft für LEI sowie die SaaS-Apps Integrity Line und Insider Manager dazu beitrugen. Im Compliance Bereich zeigen sich im zweiten Quartal durch das geringere Wachstum im Vergleich zum ersten Quartal (+21,4%) aber die erschwerten Vertriebsaktivitäten durch die Reisebeschränkungen. Im ersten Halbjahr erhöhte sich zudem der New-ARR sehr deutlich auf 2,94mEUR (Vj. 1,30mEUR), sodass der ARR auf 14,1mEUR (+21%) anstieg und die wiederkehrenden Umsätze somit bei 76,4% lagen. Bis Ende Juli stieg der Neue ARR auf 3,25mEUR (Vj. 1,55mEUR).

 

Auf der Ergebnisseite erhöhte sich das EBITDA, bereinigt um ARIVA, sowohl im ersten Halbjahr als auch im zweiten Quartal sehr deutlich auf 3,00mEUR (Vj. -0,11mEUR) respektive 2,20mEUR (Vj. 0,32mEUR). Dies war Folge dessen, dass sich die operativen Aufwendungen, bereinigt um den ARIVA-Verkauf, um 2,5% auf 16,71mEUR reduzierten bzw. die operativen Kosten (inkl. AE & sbE) nur um 1,0% auf 15,46mEUR anstiegen. Das Rohergebnis stieg im ersten Halbjahr überproportional um 27,4% auf 15,18mEUR an, vor allem durch den geringeren Bezug von Fremdleistungen als Folge der Fertigstellung der neuen Apps für das IR-COCKPIT. Im zweiten Quartal hingegen entwickelte sich das Rohergebnis (+21,8%) aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach Webcast-Lösungen nur proportional zum Umsatz. Der Personalaufwand (HJ -0,1% / Q2 -2,2%) reduzierte sich leicht aufgrund eines vorübergehenden Einstellungsstopps als Vorsichtsmaßnahme. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen (HJ -11,9% / Q2 -23,5%) reduzierten sich insbesondere durch geringere Marketing- und Vertriebsaufwendungen deutlich.

 

Auf der Kundenseite stieg die Gesamtkundenzahl auf 2.541 (Vj. 2.369). Die Anzahl der SaaS-Kunden im Compliance Bereich erhöhte sich um 11,4% auf 1.343, die Zahl der XML-Kunden stieg um 1,9% auf 4.329. Im Bereich Investor Relations stieg die Anzahl der SaaS-Kunden um 4,2% auf 2.192 an. Der niedrige Anstieg sei u.a. auf eine höhere Anzahl inaktiver Kunden zurückzuführen. Regional betrachtet konnten insbesondere im Ausland verstärkt Neukunden (+10,2%) gewonnen werden, während im Inland (+4,4%) das Wachstum geringer ausfiel. Seit diesem Jahr hat EQS nun auch erstmals mehr Kunden im Ausland als im Inland. Bis Ende Juli konnte EQS nun im Inland 358 Kundenverträge für das neue IR-COCKPIT gewinnen und plant bis Ende des Jahres alle Kunden in Deutschland auf das neue IR-COCKPIT umzustellen. Im ersten Halbjahr konnten 151 neue SaaS-Kunden gewonnen werden, bis Ende Juli erhöhte sich diese Jahr zwar weiter auf 167, wenngleich in den verbleibenden 5 Monaten noch eine höhere Anzahl an Kunden als zuletzt gewonnen werden muss, um das Jahresziel von 300-350 Neukunden zu erreichen.

 

Den Ausblick hatte das Management bereits Anfang August angehoben und erwartet aufgrund der sehr guten Entwicklung bis dato einen um ARIVA bereinigten Umsatzanstieg von 15-20% (alt: 10-20%) sowie ein EBITDA i.H.v. 4,0-5,0mEUR (alt: 3,5-4,5mEUR). Den Neuen ARR erwartet das Management unverändert bei 4,5-5,5mEUR, wenngleich bei der Anzahl der Neukunden die Prognose von 320-400 auf 300-350 reduziert wurde. In Folge dessen hatte ich bereits meine Umsatz- und vor allem Gewinnschätzungen erhöht, sodass ich nun lediglich geringe Anpassungen durchgeführt habe. So erwarte ich einen Umsatzanstieg auf bereinigter Basis von 18,0% auf 37,62mEUR (alt: 37,34mEUR) sowie ein EBITDA von 4,94mEUR (alt: 4,85mEUR) in diesem Jahr und damit das Erreichen der jeweils oberen Bandbreiten. Aufgrund der sehr guten Margenentwicklung im zweiten Quartal (EBITDA-Marge 21,8%) habe ich nun meine mittelfristigen Margenerwartungen von 27,5% auf 30,0% angehoben, da sich gezeigt hat, wie gut das Geschäftsmodel skalierbar ist. Mit Blick auf die Ziele 2025 (100mEUR Umsatz / >30% EBITDA-Marge) könnte sich dann durch das starke Wachstum und den hohen Anteil wiederkehrender Cloud-Umsätze auch eine noch höhere Marge ergeben. Bis 2025 berücksichtigt mein DCF-Model jedoch mit 81,01mEUR unverändert einen deutlich geringeren Umsatz. Aufgrund der erhöhten mittelfristigen Margenerwartungen steigt das Kursziel von zuletzt 149,00€ auf 174,00€. 


04.08.2020 | Erhöhte Prognose nach sehr gutem Q2

EQS hat vorläufige Zahlen für das zweite Quartal respektive die ersten sechs Monate 2020 veröffentlicht und im Rahmen dessen die Jahresprognose angehoben. Demnach erzielte das Unternehmen im ersten Halbjahr einen Umsatz von 18,50mEUR, der gegenüber der bereinigten Vorjahresbasis (ohne die zum Halbjahr 2019 verkaufte ARIVA Gruppe) um 21,7% anstieg. Im zweiten Quartal ergab sich somit ein Umsatz von 10,15mEUR (+22,1% auf vergleichbarer Basis). Wachstumstreiber waren einerseits das neue COCKPIT und andererseits eine über den Erwartungen liegende Nachfrage nach digitalen IR-Services. Dazu dürfte insbesondere eine gestiegene Anzahl an Unternehmensmitteilungen über die dgap Plattform gehört haben, ebenso wie die stärkere Nutzung von Webcasts anstatt physischer Veranstaltungen. Besonders erfreulich hat sich im ersten Halbjahr auch das EBITDA entwickelt, welches von 0,15mEUR auf 3,00mEUR erheblich verbessert werden konnte. Im zweiten Quartal konnte ein EBITDA von 2,20mEUR (Vj. 0,59mEUR) erzielt werden, sodass die EBITDA-Marge im Zeitraum April bis Juni auf 21,7% anstieg (bereinigte Vergleichszahlen erst im Halbjahresbericht). Hintergrund für diese Entwicklung sei laut Unternehmensangaben eine verstärkte Kostendisziplin, insbesondere im Bereich Personal und Marketing, gewesen.

 

Aufgrund der positiven Entwicklung der ersten sechs Monate hat der Vorstand die Gesamtjahresprognose für Umsatz (+10-20%) und EBITDA (3,5-4,5mEUR) angehoben und erwartet nun eine Steigerung der Umsatzerlöse von 15-20% bzw. ein EBITDA zwischen 4,0mEUR und 5,0mEUR. Die Prognose für den neuen jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR) wurde mit 4,5-5,5mEUR bestätigt, sodass sich zeigt, dass die Erhöhung der Prognose vor allem auf Einmalumsätze zurückzuführen ist. Die Zahl der geplanten Neukunden in diesem Jahr wurde zwar leicht von 320-400 auf 300-350 reduziert, wenngleich sich durch den unveränderten ARR ein leicht erhöhter ARR pro Neukunden ergibt. Die neue EBITDA-Prognose erscheint angesichts eines EBITDA von maximal 2,0mEUR im zweiten Halbjahr 2020 (HJ2 2019: 2,4mEUR) allerdings recht konservativ, sodass eine erneute Anhebung im weiteren Jahresverlauf meines Erachtens durchaus realistisch erscheint. Da die Untergrenze von 4,0mEUR über meinen bisherigen Erwartungen (3,89mEUR) liegt, habe ich meine EBITDA-Schätzungen auf nunmehr 4,85mEUR (+111,7% vs. Pro-Forma 2019) angehoben. Beim Umsatz liegen meine neuen Schätzungen nun bei 37,34mEUR (+17,2% / alt: 37,00mEUR) und implizieren für das zweite Halbjahr ein Wachstum von 13,0%. Aufgrund der EBITDA-Marge von 21,7% im zweiten Quartal, die sich bereits deutlich an die Zielmarke von >30% angehnährt hat, erscheinen bei einem avisierten Umsatzziel von 100mEUR im Jahr 2025 durch die hohe Skalierbarkeit des Geschäftsmodells auch deutlich höhere EBITDA-Margen erreichbar. In Folge der erhöhten Umsatz- und EBITDA-Schätzungen bis 2022 (mittelfristige EBITDA-Marge vorerst unverändert 27,5% / Umsatzerwartung 2025e 80,41mEUR) erhöht sich das Kursziel von zuletzt 141,00€ auf 149,00€.


15.05.2020 | Erfolgreicher Jahresstart – Q1 über Plan

EQS hat Zahlen für das erste Quartal 2020 veröffentlicht, die erwartungsgemäß gut ausgefallen sind. So erhöhte sich der Umsatz – bereinigt um den Verkauf der ARIVA zum Halbjahr 2019 – um 21,2% auf 8,35mEUR und liegt damit leicht oberhalb der Gesamtjahresplanung, die einen Anstieg von 10-20% vorsieht. Basis des Umsatzanstiegs waren einerseits die erstmalig verbuchten Zusatzumsätze mit dem neuen COCKPIT (CRM, Investors & Mailings) und andererseits ein starker Anstieg von Audio- und Video-Webcasts sowie ein erhöhtes Nachrichtenvolumen in Folge von COVID-19. In der Folge stiegen die bereinigten Umsätze gemäß den Erwartungen im Compliance Segment um 21% durch das Bestandsgeschäft bei Meldepflichten, XML sowie LEI und die neuen SaaS-Module. Im IR-Bereich erzielte EQS ebenfalls ein Wachstum von 21%, das aufgrund der verstärkten Nutzung von Audio- und Webcasts sowie den erhöhten Unternehmensmeldungen aber höher als erwartet ausfiel. Das EBITDA verbesserte sich aufgrund einer unterproportionalen Kostenentwicklung (+3,2%) deutlich auf  0,80mEUR (Vj. -0,43mEUR). Auch bereinigt um die Leasingeffekte verblieb ein positives EBITDA i.H.v. 0,31mEUR (Vj. -0,89mEUR). Die EBITDA-Marge lag folglich bei 9,6% bzw. 3,7%. Zugleich bestätigte das Management die Zielmarge von mindestens 30% im Jahr 2025.

 

Mit Blick auf das neue COCKPIT waren Ende März insgesamt 312 Kunden migriert, aktuell hat sich diese Zahl auf 350 erhöht. Im Jahresverlauf will das Unternehmen in Deutschland alle Kunden auf das neue COCKPIT umgestellt haben. Die Zahl der neuen SaaS-Kunden lag im ersten Quartal bei 64 und damit hochgerechnet noch unter der Zielgröße von 320-400 (= 80-100 pro Quartal), wobei sich diese Zahl bis Ende April bereits auf 90 erhöht hat. Zugleich betonte das Management, dass man eine ansteigende Dynamik im Jahresverlauf erwarte. Der Neu-ARR hat sich dagegen bereits deutlich besser entwickelt und stieg um 88,1% auf 1,36mEUR. Damit liegt man mit Blick auf das Jahresziel (4,5mEUR - 5,5mEUR ≙ 1,13mEUR - 1,38mEUR pro Quartal) am oberen Ende. Ende April hatte sich der Neu-ARR auf 1,76mEUR weiter erhöht und bewegt sich damit weiterhin am oberen Rand. Dies deutet darauf hin, dass EQS mit den neuen Kunden höher dotierte Verträge abgeschlossen hat.

 

Aufgrund des sehr guten ersten Quartals habe ich meine Schätzungen für das Gesamtjahr leicht angehoben und rechne nun mit einem Umsatzanstieg von 16,1% (alt: 12,5%) auf 37,00mEUR (alt: 35,85mEUR), da auch im zweiten Quartal mit einem erhöhten Meldevolumen sowie einer erhöhten Nutzung von Video- und Audiowebcasts (Jahreszahlen 2019 + Q1-Zahlen 2020) zu rechnen ist. Zudem fallen viele Hauptversammlungen in das zweite Quartal. Da die Umsatzprognose zum aktuellen Zeitpunkt aufgrund der zu geringen Visibilität auf die weiteren Quartale noch unverändert bleibt, könnte der Vorstand mit Veröffentlichung der Halbjahreszahlen dann das obere Ende der Umsatzprognose in Aussicht stellen. Für das EBITDA habe ich meine Schätzungen durch den höheren Umsatz zwar ebenfalls angehoben. Aufgrund etwas geringer als zuvor erwarteten aktivierten Eigenleistungen (2,1mEUR vs. 2,5mEUR zuvor) erhöhen sich die Schätzungen für das EBITDA aber nur leicht von 3,58mEUR auf 3,89mEUR (Prognose: 3,5-4,5mEUR). Für 2021 & 2022 haben sich folglich die Schätzungen bezüglich Umsatz und EBITDA ebenfalls leicht erhöht, sodass das Kursziel dadurch leicht von zuletzt 136,00€ auf 141,00€ ansteigt. 


22.04.2020 | Ein Digital Leader

EQS hat Anfang April den Geschäftsbericht für 2019 veröffentlicht, nachdem bereits Ende Februar die vorläufigen Zahlen sowie der Ausblick für 2020 bekannt gegeben wurde. Demnach ging der Umsatz auf berichteter Basis (inkl. 6 Monate ARIVA) um 2,3% auf 35,37mEUR (Prognose 35,2 – 36,6mEUR / LSe: 35,70mEUR) zurück, was jedoch auf den Verkauf von ARIVA an die wallstreet:online AG zum Halbjahr und die damit verbundene Entkonsolidierung im zweiten Halbjahr 2019 zurückzuführen ist. Bereinigt um den ARIVA Verkauf sind die Umsatzerlöse um 10,6% auf 31,87mEUR angestiegen. Wachstumstreiber war, wie bereits im Vorjahr, das Compliance-Segment, welches den Umsatz um 4,3% auf 19,29mEUR steigerte. Bereinigt um den ARIVA Verkauf stieg der Umsatz um 15,2% auf 17,87mEUR. Dabei erzielten alle Bereiche im Compliance-Segment (Konzern +18,5% / XML +6,8% / LEI +31,4%) 2019 ein Wachstum. Auf Produktebene erzielten ebenfalls alle Produkte (Integrity Line +31,6% / Insider Manager +38,5% / Filings +6,6% / LEI +31,3% / Regulatory News +6,4%) einen Zuwachs. Das Investor Relations-(IR)-Segment verzeichnete zwar auf berichteter Basis einen Umsatzrückgang von 9,2% auf 16,08mEUR. Auf bereinigter Basis konnte der Umsatz jedoch ebenfalls um 5,2% auf 14,00mEUR gesteigert werden und war auf das Wachstum mit Konzernkunden zurückzuführen. Das neue COCKPIT konnte dabei erstmals einen Umsatzbeitrag von 2,00mEUR leisten. Die Produkte IR Tools (-6,0%) und Newswire (-27,3%) verzeichneten einen Umsatzrückgang, wohingegen der Media Bereich um die Hälfte gewachsen ist.

 

Mit Blick auf das Ergebnis war 2019 noch von Investitionen in das Produktangebot geprägt, wenngleich der Höhepunkt der im dritten Quartal 2017 gestarteten Investitionsoffensive nun überschritten sei. Das EBITDA verdoppelte sich zwar nahezu auf 2,55mEUR (Vj. 0,30mEUR) erheblich erhöht, war jedoch auch durch positive Effekte aus der erstmaligen Anwendung von IFRS 16 geprägt. Auf vergleichbarer Basis ergab sich ein EBITDA i.H.v. 0,50mEUR (+64,7%). Im fortgeführten Geschäft resultierte ein berichtetes EBITDA i.H.v. 2,29mEUR (Vj. 0,05mEUR) bzw. ein um IFRS 16 bereinigtes EBITDA i.H.v. 0,46mEUR. Während die bezogenen Leistungen aufgrund der Fertigstellung des neuen IR-COCKPITS und dem damit verbundenen sukzessiven Abbau von Freelancern mit 11,4% (as reported) bzw. -5,4% (exkl. ARIVA) rückläufig waren, sind die Personalaufwendungen um 13,3% auf Pro-Forma Basis (-1,3% as reported) angestiegen. Dies ist laut Unternehmensangaben insbesondere auf den Ausbau des Entwicklungsteams in München zurückzuführen. Margen steigernd wirkten sich geringere sonstige betriebliche Aufwendungen aus (-30,3% inkl. ARIVA / -20,1% exkl. ARIVA), die durch den Wegfall der Miet- und Leasingaufwendungen (Erstanwendung IFRS 16) sowie geringeren Kosten für Beratung und Recruiting geprägt waren. Dadurch ergab sich auf sowohl auf berichteter als auch auf Pro-Forma-Basis eine EBITDA-Marge von 7,2%. Bereinigt um die Erstanwendung durch IFRS 16 lag die Marge mit 1,4% jedoch deutlich niedriger. Zudem ist das EBITDA derzeit noch positiv durch aktivierte Eigenleistungen im Rahmen der Produktentwicklungen (2019: 2,69mEUR) beeinflusst, die jedoch in den kommenden Jahren meinen Erwartungen zu Folge auf ein Niveau von <2mEUR zurückgehen sollten.

 

Für das aktuelle Geschäftsjahr hat das Management mit Veröffentlichung des Geschäftsberichts die Ende Februar kommunizierte Prognose mit einem Umsatz zwischen 35,1-38,2mEUR und einem EBITDA zwischen 3,5 und 4,5mEUR bestätigt. Nach einem neu dazugewonnen ARR (jährlich wiederkehrender Umsatz) i.H.v. 3,8mEUR 2019, soll sich dieser 2020 auf 4,5-5,5mEUR erhöhen. Zugleich sei das erste Quartal sehr erfolgreich verlaufen. Durch die aktuellen COVID-19 Maßnahmen profitiert EQS vor allem von den folgenden drei Faktoren: a) Erhöhte Anzahl an Unternehmensmeldungen, b) vermehrte Nutzung von Audio- und Webcasts und c) virtuellen Hauptversammlungen in diesem Jahr. Gegenwind könnte es dagegen durch eine geringere Anzahl an Börsengängen sowie längeren oder verzögerten Verkaufszyklen geben. Letzteres könnte unter Umständen Auswirkungen auf die Migration der Kunden auf das neue COCKPIT haben. Die positiven Effekte sollten dies aber kompensieren können. Ebenso bestätigt hat der Vorstand die Prognose für 2025 mit einem Umsatz von 100mEUR sowie einer EBITDA-Marge von >30%, wenngleich die Umsatzzusammensetzung leicht adjustiert wurde. Demnach wird bis 2025 ein Umsatzanstieg auf 68,0mEUR im Compliance-Bereich (bisher: 66,5mEUR) und 32,0mEUR (bisher: 33,5mEUR) für den IR-Bereich in Aussicht gestellt. In Folge der finalen Zahlen habe ich meine Umsatzschätzungen für 2020 (35,85mEUR) und 2021 (43,02mEUR) unverändert gelassen und nun erstmals auch die Schätzungen für 2022 (51,63mEUR) berücksichtigt. Beim EBITDA haben sich meine Schätzungen minimal auf 3,58mEUR (alt: 3,66mEUR) für dieses bzw. 6,33mEUR (alt: 6,39mEUR) für nächstes Jahr reduziert. Bis 2025 berücksichtigt mein Model aktuell einen Umsatz von 78,5mEUR bei einer EBITDA-Marge von 27,5%. Insgesamt erhöht sich das Kursziel aufgrund der erstmaligen Einbeziehung für 2022 von 125,00€ auf 136,00€. Gelingt es dem Management die kommunizierten Ziele für 2025 zu erreichen, wären fundamental auch Kurse von über 300€ gerechtfertigt. 



25.03.2020 | Compliance als Wachstumstreiber

Nachdem sich die EQS in ihrem Ursprung vor allem auf den Investor Relations Bereich fokussiert hat – insbesondere bekannt durch die Plattform dgap – wurde der Fokus bereits seit 2017 verstärkt auch auf den Bereich Compliance gelegt. Dafür wurde u.a. Ende 2017 die Integrity Line GmbH übernommen, um den Aufbau des Geschäftsfelds Governance, Risk & Compliance zu forcieren. Im Rahmen dessen hat EQS mit der Integrity Line einen Anbieter für cloudbasierte Hinweisgebersysteme übernommen, der in der Wachstumsstrategie 2025 einen wesentlichen Anteil einnimmt. So erwartet EQS für den Bereich Integrity Line einen deutlichen Umsatzanstieg auf 15,0mEUR bis 2025, ausgehend von knapp 2,0mEUR 2018. Dieser Anstieg wird dabei stark regulatorisch getrieben sein, da nach dem Inkrafttreten der europäischen Whistleblower-Richtline mit Wirkung zum 16.12.2019 alle Mitgliedstaaten innerhalb von zwei Jahren verpflichtet sind, diese in die nationale Gesetzgebung zu übernehmen. In diesem Zusammenhang ist auch von besonderer Bedeutung, dass dies nicht nur gelistete Unternehmen, sondern auch nicht gelistete Unternehmen betrifft, wodurch sich ein immenses Potenzial für EQS ergibt. In diesem Bereich arbeitet EQS seit Anfang 2019 auch mit KPMG Law zusammen, um Kunden eine ganzheitliche Compliance-Lösung anzubieten. Ein weiterer wesentlicher Wachstumstreiber ist der Policy Manager (geplanter Launch Mitte 2020), dessen Umsätze sich bis 2025 ebenfalls auf 15,0mEUR (2018: 0,0mEUR) erhöhen sollen. Des Weiteren ist im Bereich Compliance der Insider Manager ein wesentlicher Umsatztreiber bis 2025, dessen Umsätze sich von 1,3mEUR 2018 auf 10,0mEUR erhöhen sollen und den Unternehmen als Tool zur Handhabung von Insider-Themen dient. Insgesamt ist geplant, dass sich der Umsatz im Compliance Bereich von rund 15,6mEUR 2018 (bereinigt um ARIVA) auf rund 66,5mEUR 2025 mehr als vervierfachen bzw. pro Jahr um rund 23,0% wachsen wird. Dabei soll vor allem die bereits bestehende Kundenbasis mit >2.400 Konzernkunden beitragen, die neben IR-Produkten über Cross-Selling zukünftig auch Compliance-Lösungen nutzen sollen. Unterstützt wird das erwartete Wachstum auch durch das allgemeine Marktwachstum im Bereich Governance, Risk & Compliance, dem Gartner ein jährliches Wachstum von 13,4% zuspricht.   

 

Neben dem Wachstum im Compliance Bereich sollen sich auch die Umsätze im Investor Relations (IR) Bereich bis 2025 – wenn auch mit geringeren Wachstumsraten – deutlich erhöhen. Dabei soll der größte Umsatzzuwachs (13,0mEUR) aus dem neuen COCKPIT resultieren, welches neu eingeführt wurde und 2018 damit noch keine Umsatzbeiträge lieferte. Hier kam es allerdings im vergangenen Jahr aufgrund der Verzögerung in der Fertigstellung von Modulen im COCKPIT auch zu Verzögerungen im Onboarding der Kunden auf das neue COCKPIT. Auf Basis der aktuellen Planungen geht das Management jedoch davon aus, bis zur Jahresmitte alle Kunden auf das neue COCKPIT zu migrieren. Zugleich soll dies auch mit erhöhten Preisen einhergehen. IR-Tools sollen mit einem Umsatz von 11,5mEUR 2025 (2018: 8,4mEUR) zum Konzernumsatz beitragen, der Newswire mit 8,0mEUR (2018: 4,4mEUR) und im Bereich Media werden bis 2025 1,0mEUR (2018: 0,6mEUR) erwartet. Daraus resultiert ein Anstieg der Umsatzerlöse im IR-Bereich von 13,4mEUR 2018 auf 33,5mEUR bis 2025, wenngleich sich der Umsatzanteil (bereinigt um den Verkauf von ARIVA) von 46,2% auf 33,5% reduzieren wird. Für den Zeitraum 2018 bis 2025 ergibt sich somit ein durchschnittliches Wachstum von 14,0%, welches damit über dem Marktwachstum der Bereiche Corporate Communications & PR (7% p.a.) bzw. Investor Relations (2,6% p.a.) liegt und somit weitere Marktanteilsgewinne zugrunde legt.

 

Zugleich fokussiert sich EQS nach dem Verkauf der Anteile an ARIVA im Juni vergangenen Jahres nun vollständig auf die beiden Geschäftsbereiche Investor Relations und Compliance, während sich mit ARIVA nicht die erhofften Synergieeffekte eingestellt hatten. Im Rahmen des Verkaufs hat EQS auf Basis einer Unternehmensbewertung i.H.v. 8,0mEUR einen Verkaufserlös von 6,9mEUR erzielt. Zudem bestehen noch Earn-outs für das vergangene Geschäftsjahr 2019. Dadurch hatte sich die Gesellschaft durch den Liquiditätsbestand i.H.v. nur 1,3mEUR bzw. einer Nettoverschuldung von 7,8mEUR Ende 2018 aufgrund des noch negativen Free Cashflows im vergangenen Jahr ein zusätzliches Liquiditätspolster aufgebaut. Zwar hat sich im Rahmen des Verkaufs von ARIVA die ursprüngliche Umsatzplanung für 2025 von 110mEUR auf 100mEUR reduziert, gleichzeitig aber die erwartete EBITDA-Marge von >25% auf nunmehr >30% erhöht und zeigt damit auch das hohe Skalierungspotenzial des Geschäftsmodells bei entsprechender Umsatzsteigerung. Auch wenn es möglich ist, dass sich die genaue Aufteilung der Produktumsätze innerhalb der beiden Bereiche Compliance und IR bis 2025 im Rahmen eines jährlichen Reviews ändert, erwarte ich in Summe keine Veränderung bei der Umsatzplanung.

 

Insgesamt ist das Geschäftsmodell der EQS als sehr konjunkturunabhängig zu beschreiben, sodass das Unternehmen trotz der aktuell starken wirtschaftlichen Beeinträchtigungen durch COVID-19 in diesem Jahr keine wesentlichen negativen Effekte spüren sollte. In der aktuellen Situation profitiert EQS in Teilen sogar, in dem verstärkt Webcasts anstatt von Präsenzveranstaltungen durchgeführt werden. Zugleich ist die Churn-rate mit zuletzt 2% äußerst gering. Dennoch erwarte ich mit Blick auf den Ende Februar veröffentlichten Ausblick für 2020 (Umsatz 35,1-38,2mEUR / EBITDA 3,5-4,5mEUR) mit 35,9mEUR beim Umsatz und 3,7mEUR beim EBITDA lediglich das Erreichen des unteren Prognosekorridors. Zudem liegen meine Modelerwartungen im Umsatz bis 2025 mit 76,1mEUR (cagr 2019/25: 13,4%) deutlich unterhalb der Unternehmensprognose und bieten somit bei zunehmender Visibilität in den kommenden Jahren Spielraum nach oben. Insgesamt resultiert damit zum aktuellen Zeitpunkt ein Kursziel von 125,00€, welches deutlich über dem derzeitigen Kursniveau liegt.