Die GFT Technologies SE ist ein international aufgestellter Technologiepartner für die digitale Transformation im Banken-, Versicherungs- und Industriesektor. Zu den Kunden zählen sowohl führende Retail- und Investmentbanken und Versicherungsunternehmen in Europa, Nord- und Südamerika als auch Industrieunternehmen in Deutschland, Italien und Spanien. Das Leistungsangebot umfasst die Beratung bei der Entwicklung und Umsetzung innovativer IT-Strategien, die Entwicklung kundenspezifischer Lösungen, die Implementierung branchenspezifischer Standardsoftware sowie die Wartung und Weiterentwicklung geschäftskritischer IT-Lösungen. Die GFT Technologies SE verfügt über langjährige Erfahrung und tiefgreifendes Fachwissen bei der Anwendungsentwicklung im Rahmen historisch gewachsener IT-Infrastrukturen, wie sie für Großbanken typisch sind.


06.03.2020 | Zurück auf dem Wachstumspfad

GFT hat in dieser Woche vorläufige Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr 2019 sowie den Ausblick für das Jahr 2020 veröffentlicht. Demnach stieg der Umsatz im Gesamtjahr um 3,9% auf 428,98mEUR (LSe: 426,00) und übertraf zugleich die Prognose von 420,00mEUR. Hierbei ist jedoch auch ein anorganischer Umsatzbeitrag durch die 2018 übernommene V-Neo sowie der im Juli 2019 übernommene Axoom i.H.v. 20,08mEUR enthalten, sodass das organische Wachstum bei 1,2% lag. Dies ist umso bemerkenswerter, da sich der Umsatzrückgang bei den Top-2 Kunden (Barclays, Deutsche Bank) auch 2019 weiter fortgesetzt hat und zu einem Umsatzrückgang von 25,8% auf 122,01mEUR (LSe: 120,00mEUR) führte. Gleichzeitig gelang es GFT aber auch u.a. durch die Gewinnung von 60 Neukunden 2019 mit den anderen Kunden um 23,6% (rund 20% davon organisch) auf 306,42mEUR (LSe: 306,00mEUR) zu wachsen, sodass der Rückgang bei den Top-2 Kunden überkompensiert werden konnte. Zugleich hat sich der Umsatzanteil der Top-2Kunden von 39,9% 2018 auf 28,5% 2019 weiter deutlich reduziert, sodass die Abhängigkeit deutlich gesenkt werden konnte. Des Weiteren reduzierte sich auch der Umsatzanteil mit dem Finanzbereich von 86% auf 80% und im Zuge dessen erhöhte sich der Anteil des Versicherungsgeschäftes auf 11% (Ziel2019: 10% / Vj. 6%) sowie der Anteil mit Industriekunden auf 9% (Vj. 8%). Zudem gelang es den Umsatzanteil mit exponentiellen Technologien (KI, Cloud, Blockchain, DevOps, Data Analytics) von 25% (2017: 20%) auf 30% zu steigern und lag damit im Rahmen der Prognose. Die Cloud Umsätze haben sich im Zuge dessen von 10mEUR 2018 auf 27mEUR nahezu verdreifacht, sodass die Prognose eines Umsatzanstiegs auf mindestens 20mEUR deutlich übertroffen werden konnte.

 

Mit Blick auf das Ergebnis konnte GFT die Prognose weitestgehend erreichen. Beim EBITDA erzielte das Unternehmen einen Anstieg von 19,6% (exkl. IFRS 16 Rückgang um 14,4%) auf 44,89mEUR (LSe: 45,00mEUR) und konnte damit die Prognose von 46,00mEUR nicht ganz erreichen. Das EBITDA auf vergleichbarer Basis, d.h. ohne die positiven Effekte aus der Erstanwendung von IFRS 16 war durch eine Unterauslastung im ersten Halbjahr (-1,40mEUR vs. 2018), Restrukturierungskosten i.H.v. 4,13mEUR (Vj. 1,04mEUR) sowie höhere negative Wechselkurseffekte i.H.v. 1,15mEUR (Vj. -0,82) belastet. Zugleich ist die Gewinnung von Neukunden im Versicherungs- und Industriebereich mit erhöhten Vertriebsaufwendungen verbunden verglichen zu den Umsätzen mit den beiden Top Kunden, sodass dies die Marge aktuell noch zusätzlich belastet. Das EBT lag mit 18,73mEUR (LSe: 18,27mEUR / -17,3%) zwar oberhalb der Prognose von 18,00mEUR, war im vierten Quartal jedoch auch positiv beeinflusst durch einen IFRS 16 Effekt, sodass das Vorsteuerergebnis um diesen Effekt bereinigt im Rahmen der Prognose lag.

 

Für das aktuelle Geschäftsjahr 2020 zeigt sich das Management nun zuversichtlich, das Wachstum wieder zu beschleunigen und erwartet einen Umsatzanstieg auf 455mEUR (+6,1%), der zugleich nahezu vollständig organisch erfolgen wird. Mit einem organischen Umsatzanstieg von 10,0% im vierten Quartal 2019 hat sich dieser Trend aus dem dritten Quartal (+5,5%) bereits bestätigt bzw. fortgesetzt. Basis der positiven Entwicklung in diesem Jahr sollen ein weiterer Anstieg des Versicherungsgeschäfts auf 15% vom Konzernumsatz, steigende Cloud-Umsätze (2020e: 40-50mEUR) sowie insbesondere ein weiterhin starkes Wachstum der Anderen Kunden (2020e: +22%) sein, wodurch der weiterhin erwartete Umsatzrückgang der Top-2 Kunden (2020e: -33%) entsprechend überkompensiert werden kann. Zum Wachstum der anderen Kunden sollen weiterhin auch die Partnerschaften mit Google, Amazon, Microsoft sowie Guidewire beitragen. Im Rahmen dessen plant GFT eine Verdopplung eigener Cloud-Experten (Großteil durch Schulungen eigener Mitarbeiter) auf 1.000 in diesem Jahr. Auch wenn sich der Umsatzrückgang bei den Top-2 Kunden 2020 absolut in einem ähnlichen Ausmaße reduzieren wird wie 2019, dürfte sich das weitere Rückschlagspotenzial dann reduzieren, da bestimmte IT-Dienstleistungen weiterhin erbracht werden müssen. Mittelfristig erwartet das Management u.a. dadurch eine weitere Reduktion des Banking-Umsatzes auf 60%, während sich die Umsätze im Industrie- und Versicherungsbereich auf jeweils 20% (2020e: 10% bzw. 15%) erhöhen sollen. Das EBITDA soll 2020 zwar weiter auf 48,00mEUR (EBT 2020e: 20,00mEUR) steigen, wird allerdings erneut durch Kapazitätsanpassungen sowie höhere Vertriebsaufwendungen in der Umsatzgewinnung bei den Nicht Top-2 Kunden belastet sein. Durch entsprechend ansteigende Projektvolumina bei diesen neuen Kunden sollte sich dies jedoch in den kommenden Jahren reduzieren und zu einer entsprechenden Margensteigerung führen.

 

Insgesamt lagen die Zahlen für 2019 im Rahmen der Erwartungen, der Ausblick für das aktuelle Geschäftsjahr 2020 im Umsatz (LSe: 444,96mEUR) etwas oberhalb, beim EBITDA (LSe: 48,50mEUR) und Vorsteuerergebnis (LSe: 21,96mEUR) jedoch leicht unterhalb. Zugleich zeigt jedoch die Umsatzprognose, dass es GFT immer mehr gelingt, mit den anderen Kunden stark zu wachsen und sich somit unabhängig von den Top-2 Kunden zu machen, wodurch sich auch für 2021 eine höhere Umsatzerwartung (483,45mEUR vs. 470,40mEUR) ergibt. Für das aktuelle Geschäftsjahr 2020 erwarte ich nun einen Anstieg der Umsätze um 5,9% auf 451,30mEUR (Top 2: 79,00mEUR / Andere: 372,30mEUR) sowie ein EBITDA i.H.v. 47,50mEUR. Aufgrund der weiter steigenden Umsatzdynamik im kommenden Geschäftsjahr (LSe 2021: +7,1%) habe ich meine mittelfristigen Wachstumserwartungen leicht von 4% auf 5% erhöht. Da sich zugleich der risikolose Zinssatz für Unternehmensbewertungen reduziert hat, erhöht sich das Kursziel von zuletzt 15,10€ auf 16,90€. Der Fakt, dass GFT nun auch organisch wieder wächst, sollte in den kommenden Monaten und Quartalen zunehmend vom Kapitalmarkt erkannt bzw. honoriert werden. 


17.12.2019 | Turnaround gelungen?

Anfang November berichtete GFT Zahlen zum dritten Quartal und konnte dabei in diesem Jahr erstmals ein organisches Wachstum erzielen. Aufgrund von Unterauslastungen und einer durchgeführten Restrukturierung war der Umsatz im ersten Quartal mit -1,2% leicht rückläufig, im zweiten Quartal konnte ein leichtes Wachstum von 1,1% erzielt werden. Diese Entwicklung war jedoch vorrangig durch die im Vorjahr übernommene V-Neo geprägt, sodass das organische Wachstum in den ersten beiden Quartalen bei -6,7% (Q1) respektive -3,1% (Q2) lag. Im dritten Quartal konnte durch die geplant verbesserte Auslastung nun wieder ein organisches Wachstum von 5,5% erzielt werden. Aufgrund des Umsatzbeitrags der V-Neo sowie der im Juli 2019 übernommenen Axoom ergab sich ein Wachstum von 7,2% auf 104,92mEUR. Auf 9-Monatsbasis resultierte jedoch noch ein leichter organischer Umsatzrückgang von 1,7%. Insgesamt lag der Umsatz der ersten drei Quartale aufgrund der Akquisitionen mit 315,95mEUR aber 2,2% über dem Vorjahreswert.

 

Hintergrund der verbesserten organischen Entwicklung sind verschiedene Aspekte. Zum einen gelingt es GFT zunehmend den Umsatz mit den anderen Kunden deutlicher zu steigern, als der Umsatzrückgang mit den Top 2-Kunden (Deutsche Bank + Barclays) belastet. So stieg der Umsatz im dritten Quartal mit den anderen Kunden um 27,7% (+16,66mEUR), während der Umsatzrückgang bei den Top 2-Kunden mit 25,8% (-9,70mEUR) geringer ausfiel. Auf 9-Monatssicht stiegen die Umsätze mit den anderen Kunden um 22,5% (+40,63mEUR), der Umsatzrückgang mit den Top 2-Kunden lag bei 26,3% (-33,75mEUR). Damit einhergehend kommt auch der geringere Umsatzanteil mit Financial Services Kunden, der sich von 82% im ersten, 81% im zweiten auf 80% im dritten Quartal reduziert hat. Das Versicherungsgeschäft (11%) konnte u.a. durch die V-Neo Übernahme gestärkt werden. Überproportional konnte der Umsatz in der Industrie & Sonstigen Kunden gesteigert werden, dessen Umsatzanteil sich von 7% in Q1 auf 9% im dritten Quartal erhöhte. Hierbei zeigt sich die zunehmende Dynamik im Cloud-Geschäft, welches jedes Quartal den Umsatz steigern konnte und in diesem Jahr einen Zuwachs von rund 30% (2018: +25%) verzeichnen soll. Das interne Jahresziel von 20mEUR Umsatz für 2019 konnte mit 18,43mEUR nach 9 Monaten bereits fast erreicht werden. Für 2020 wird mit einem weiteren, deutlichen Anstieg gerechnet. In diesem Zusammenhang ist auch die erstmalige Nennung von Google als Top 30-Kunde von besonderer Bedeutung.

 

Das Ergebnis war nach 9 Monaten noch durch die Unterauslastung und die Restrukturierung belastet. Zwar konnte das EBITDA (inkl. 9,37mEUR aus IFRS 16) um 14,6% gesteigert werden, das EBITDA vor IFRS 16 war jedoch um 18,8% auf 22,83mEUR rückläufig. Im dritten Quartal konnte hingegen ein Anstieg des EBITDA vor IFRS 16 von 11,0% erzielt werden. Der erste Quartalsanstieg in diesem Jahr. Die EBITDA-Marge (vor IFRS 16) konnte damit seit dem ersten Quartal von 6,3% auf 7,0% im zweiten und nun 8,4% deutlich verbessert werden. Dazu zeigt GFT unverändert eine gute Cashflow-Entwicklung. So konnte der Free Cashflow (inkl. Tilgung von Leasingverbindlichkeiten) im dritten Quartal um 81,0% auf 11,50mEUR gesteigert werden, nach 9 Monaten lag dieser bei 8,64mEUR (-24,6%). Die Nettoverschuldung konnte zugleich um 26,9% auf 64,14mEUR reduziert werden und befindet sich damit auf einem gesunden Maß (Net debt/EBITDA 2019e (vor IFRS 16): 2,0). Mit den Q3-Zahlen bestätigte der Vorstand auch die Gesamtjahresprognose, die einen Umsatz i.H.v. 420mEUR (2018: 413) sowie ein EBITDA vor Effekten aus IFRS 16 i.H.v. 33mEUR vorsieht.

 

Für mich überwiegen nach dem dritten Quartal daher die Chancen (Wachstum der anderen Kunden) gegenüber den Risiken (Umsatzrückgang der Top 2-Kunden), sodass die GFT Aktie für mich nun wieder interessant erscheint. Auch wenn ich das EBITDA 2019 (vor IFRS 16) mit 32,00mEUR etwas geringer als vom Vorstand prognostiziert erwarte (Umsatz 2019e: 426,00mEUR vs. Prognose 420mEUR), gehe ich auch für 2020 von einer Fortsetzung der im dritten Quartal gezeigten Entwicklung aus. Ich erwarte daher eine sukzessiv steigende Umsatzdynamik 2020 (444,96mEUR/+4,5%) und 2021 (470,41mEUR/+5,7%), geprägt durch den geringeren Umsatzanteil der Top 2-Kunden. Trotz erhöhter Vertriebsaufwendungen zur Gewinnung anderer Kunden gehe ich zugleich von einer kontinuierlichen Margensteigerung aus und einer Verbesserung des EBITDA (inkl. IFRS 16) auf 48,50mEUR im Jahr 2020 bzw. 52,50mEUR im Folgejahr. Für das aktuelle Geschäftsjahr kalkuliere ich mit 45,00mEUR. Daraus resultiert insgesamt ein Kursziel von 15,10€, welches nach wie vor ein Potenzial von knapp 30% bietet.