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home24 ist eine führende pure-play Home&Living E-Commerce-Plattform in Kontinentaleuropa und Brasilien. Mit über 100.000 Artikeln – von Accessoires über Lampen bis hin zu Möbeln – bietet home24 seinen aktuell 1,5 Mio. Kunden für jede Geschmacks- und Stilrichtung sowie für jedes Budget das Passende an. Auf seiner Plattform kombiniert home24 ein breites, sorgfältig ausgewähltes Sortiment relevanter Drittanbieter-Marken mit attraktiven Eigenmarken und ist somit Möbelhersteller und Händler in einem. Das Unternehmen ist in sieben Ländern Europas vertreten: Deutschland, Frankreich, Österreich, Niederlande, Schweiz, Belgien und Italien. In Brasilien ist home24 unter der Marke „Mobly” tätig. Unabhängig von Größe und Gewicht liefert home24 seine Produkte in Europa kostenfrei bis in die Wohnung der Kunden und bietet zudem Gratis-Retouren an.


Mobly IPO als Kurstreiber?

Die vergangenen Wochen waren ereignisreich bei der Home24. So hatte das Unternehmen Anfang Dezember bekannt gegeben, einen Börsengang für die brasilianische Tochtergesellschaft Mobly vorzubereiten. Nun hat Home24 in der vergangenen Woche den nächsten Schritt angekündigt und weitere Details zum Börsengang veröffentlicht. Demnach soll das Grundkapital der Mobly S.A. von derzeit 69.452.866 Aktien um 37.037.038 auf 106.489.904 Aktien erhöht werden. Zudem sollen 1.610.306 Aktien aus dem Bestand der Home24 (gehalten über die Tochtergesellschaft VRB GmbH & Co. B-197) platziert werden. Darüber hinaus besteht eine Mehrzuteilungsoption über weitere 5.797.102 Aktien aus dem Bestand von Home24. Der Preis pro Aktie soll 17,00 bis 23,50 brasilianische Real betragen und zwischen dem 03. Februar und dem 11. Februar festgelegt werden. Je nachdem würde sich die indirekte Beteiligung der Home24 an der Mobly auf 56,5% bzw. 51,1% inklusive Ausübung der Mehrzuteilungsoption reduzieren. Die Marktkapitalisierung der Mobly würde sich auf Basis der aktuellen Wechselkurse demnach auf 281mEUR bis 389mEUR belaufen. Der auf Home24 entfallende Anteil bei Ausübung der Mehrzuteilungsoption würde dann 144mEUR bis 199mEUR betragen und würde zu einem Verkaufserlöse von 19,6-27,1mEUR bei voller Ausschöpfung der Mehrzuteilungsoption führen.

 

Mitte November hatte Home24 die Zahlen für die ersten drei Quartale bzw. das dritte Quartal 2020 bekanntgegeben. So erhöhte sich der Umsatz im dritten Quartal um 39,4% auf 117,80mEUR, getragen durch beide Segmente Europa (88,80mEUR / +42,1%) und LatAm (29,00mEUR / +31,8%). Auf 9-Monatsbasis ergab sich ein Umsatzanstieg von 29,3% auf 339,50mEUR, wobei dabei vor allem das europäische Geschäft (265,40mEUR / +34,4%) zum Wachstum beigetragen hat. Das Geschäft in Südamerika ist dagegen unterproportional um 13,8% auf 74,10mEUR gewachsen. Dies ist vor allem auf die Abwertung des brasilianischen Reals gegenüber dem Euro zurückzuführen. In lokaler Währung stieg der Umsatz im dritten Quartal um 86,6% und im 9-Monatszeitraum um 50,4%. Ein Teil des Umsatzanstiegs im dritten Quartal im Konzern war jedoch auch noch auf Bestellungen aus dem zweiten Quartal zurückzuführen, die erst im dritten Quartal umsatzwirksam wurden. Mit Blick auf die Entwicklung im dritten Quartal zeigt sich die Fortsetzung des Trends aus dem zweiten Quartal mit einer verstärkten Nachfrage nach Möbeln. Dies ist u.a. auf den verstärkten Trend von Home-Office zurückzuführen mit der Folge, dass sich die Menschen mehr mit ihrer Einrichtung beschäftigt haben sowie Einsparungen in anderen Bereichen wie beispielsweise beim Urlaub. Der Online-Sektor hat zudem noch dadurch profitiert, dass Menschen aufgrund des Corona-Virus vielfach noch den Besuch des lokalen Möbelhauses gemieden haben. Dadurch konnten zwischen Juli und Ende September 185.000 neue Kunden gewonnen werden, sodass sich die Zahl der Kunden zum 30.09.2020 auf 1,953m (31.12.2019: 1,506m) erhöhte. Die Zahl der Bestellungen stieg im dritten Quartal um 53,1% auf 787.000 und in den ersten 9 Monaten um 47,7% auf 2.260.000. Der durchschnittliche Bestellwert reduzierte sich aufgrund der Real Abwertung um 11,2% auf 231,00€, wobei in Europa der Wert um 1,7% auf 352,00€ anstieg und in Lateinamerika um 26,7% auf 107,00€ zurückging. Sehr positiv entwickelt sich im dritten Quartal erneut die Profitabilität, die im Vergleich zum Vorjahr deutlich anstieg. Lag das bereinigte EBITDA im dritten Quartal 2019 noch bei -7,40mEUR, konnte dieses nun auf einen positiven Wert von 4,90mEUR (bereinigte EBITDA-Marge 4,2%) gesteigert werden. Hierzu haben neben einer verbesserten Bruttomarge (+190 Basispunkte) vor allem ein unterproportionaler Anstieg der Vertriebskosten (+6,3%) und Einsparungen bei den Verwaltungskosten (-11,5%) beigetragen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass das Umsatzwachstum von 39,4% lediglich mit einem Anstieg der Marketingkosten von 10,5% einherging. Auf 9-Monatssicht verbesserte sich das bereinigte EBITDA aus den gleichen Gründen auf 10,60mEUR (Vj. -30,80mEUR), sodass die bereinigte EBITDA-Marge bei 3,1% lag. Der Umsatzanstieg von 29,3% in den ersten drei Quartalen konnte dabei sogar mit einem leicht rückläufigen Marketingbudget (-1,4%) erzielt werden. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig zu betonen, dass Home24 sowohl im dritten Quartal (6,90mEUR) als auch in den ersten 9 Monaten (9,40mEUR) einen positiven Free Cashflow erzielt hat.

 

Im Rahmen der Q3-Zahlen wurde zudem der Ausblick für das Gesamtjahr 2020 angehoben. So wurde die Prognose für den bereinigten Umsatzanstieg auf +38-42% (alt: +25 bis +35%) und für die bereinigte EBITDA-Marge auf 2-4% (alt: 1-3%) erhöht. Zusätzlich unterstützt wurde diese Anhebung auch vom starken Auftragseingang im vierten Quartal bis zur Veröffentlichung der Q3-Zahlen am 10. November. Demnach lag der Auftragseingang bis zu diesem Tag um über 60% höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und zeigt damit die unverändert hohe Nachfrage bei Home24. Anfang Dezember wurde dann nochmals von starken Auftragseingängen im November berichtet, die zugleich auch mit einer starken Rentabilitätsverbesserung einhergegangen seien. Um das weitere Wachstum noch besser forcieren zu können wurde schließlich Anfang Dezember eine Kapitalerhöhung i.H.v. 10% vom Grundkapital zu einem Preis von 17,58€ je Aktie durchgeführt. Dadurch erhielt die Gesellschaft einen Bruttoemissionserlös i.H.v. 46,4mEUR, die zur Stärkung des europäischen Geschäfts genutzt werden sollen.

 

Aufgrund des sehr starken Wachstums im dritten Quartal sowie der unverändert hohen Nachfrage im Oktober und November habe ich meine Umsatz- und Ergebnisschätzungen für 2020 sowie die Folgejahre angehoben. So habe ich meine Umsatzschätzungen für 2020 auf 490,14mEUR (+ 31,9% / alt: 456,06mEUR) erhöht, für 2021 auf 582,85mEUR (alt: 510,78mEUR) und für 2022 auf 647,51mEUR (alt: 561,86mEUR). Die Differenz im Wachstum 2020 im Vergleich zur Prognose ist darauf zurückzuführen, dass das Home24 Management einen Währungsbereinigten Umsatz berichtet bzw. prognostiziert. Aufgrund der Abwertung des brasilianischen Real gegenüber dem Euro im Jahresverlauf wird das berichtete Umsatzwachstum jedoch geringer ausfallen. Das höhere Wachstum im Jahr 2021 & 2022 ist vor allem auf die gestiegene Kundenanzahl zurückzuführen, wenngleich ich eine geringere Anzahl an Käufen pro Kunden nach 2020 (1,78) für 2021 (1,66) und 2022 (1,61) berücksichtigt habe. Für den durchschnittlichen Bestellwert habe ich dagegen eine Steigerung von 235,00€ im vergangenen Jahr (2019: 255,00€) auf 240,00€ in diesem Jahr und 245,00€ im kommenden Jahr unterstellt. Hier besteht bei einer Aufwertung des brasilianischen Reals weiteres Potenzial. Vor allem das erste Quartal dieses Jahres dürfte aufgrund der geringen Vorjahresbasis (Q1 2020: +10,1%) ein weiterhin hohes Wachstum zeigen. Für das Gesamtjahr 2020 erwarte ich eine bereinigte EBITDA-Marge von 4,0% und damit am oberen Rand der Prognose von 2,0-4,0%. Dies sieht jedoch auch für das vierte Quartal einen Anstieg der Vertriebskosten vor (+16,9% / Q1: -11,7% / Q2: -3,8% / Q3: +6,3%), zu denen auch die Marketingkosten gehören, und zugleich den höchsten Quartalswert im Jahr. Ebenso bei der Bruttomarge wird mit einer Erhöhung um 120 Basispunkten gegenüber dem Vorjahresquartal (Q1: +240Bp / Q2: +340Bp / Q3: +190Bp) ein geringerer Anstieg im Vergleich zu den ersten drei Quartalen berücksichtigt. Nachdem die Verwaltungskosten nach den ersten 9 Monaten einen Rückgang von 10,6% verzeichneten, habe ich für das Schlussquartal einen Anstieg von 16,1% berücksichtigt. Damit resultiert ein bereinigtes EBITDA von 8,82mEUR (Q4 2019: 2,60mEUR), das nur leicht unter dem Wert aus dem zweiten Quartal (9,20mEUR) liegt. Die deutliche Ergebnisverbesserung gegenüber dem dritten Quartal 2020 sowie dem Vorjahresquartal ist dabei vor allem auf den höheren Umsatz zurückzuführen. Des Weiteren muss berücksichtigt werden, dass für Home24 sowohl das zweite als auch das vierte Quartal als sogenannte „Erntequartale“ gelten, da in den jeweiligen Vorquartalen (Q1 & Q3) die Investitionsschwerpunkte im Marketing liegen.

 

Im Rahmen meiner überarbeiteten Schätzungen habe ich auch meinen Bewertungsansatz angepasst. So habe ich nun einerseits das europäische Geschäft und andererseits das brasilianische Geschäft separat voneinander bewertet und für die Aktie damit eine Sum-of-the-Part (SOTP) Betrachtung vorgenommen. Demnach habe ich das brasilianische Geschäft Post-Money bewertet und dabei den fairen Wert iterativ als IPO-Preis angesetzt (Anmerkung: Ist der faire Wert unterhalb der Preisspanne wird die Untergrenze angesetzt, ist der faire Wert oberhalb der Preisspanne wird die Obergrenze angesetzt). Hierbei habe ich einen fairen Wert pro Mobly Aktie von 20,40BRL ermittelt, der damit leicht oberhalb des Mittelwerts (20,25 BRL) der IPO-Preisspanne liegt. Dies entspricht zugleich einem Wert von 6,00€ je Home24 Aktie. Es hat sich aber bei IPOs der vergangenen Monate in Brasilien gezeigt, dass die Aktienkurse der Unternehmen nach dem Erstlisting deutliche Anstiege verzeichneten. Für das europäische Geschäft, inklusive der durchgeführten Kapitalerhöhung und der erhöhten Anzahl Aktien, habe ich einen fairen Wert pro Aktie von 21,90€ ermittelt. Insgesamt ergibt sich damit ein neues Kursziel für die Home24 von 28,00€ nach bisher 19,00€.

 

 

Hinweis zu möglichen Interessenskonflikten nach Art. 20 Abs. 1 MMVO: Die Aktie befindet sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im wikifolio "Chancen suchen und finden" (https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf19920415). 

 

Veröffentlichungsdatum: 22.01.2021, 17:07Uhr


24.08.2020 | Online-Shopping boomt bei Home & Living

Home24 hat Mitte August Halbjahreszahlen veröffentlicht, die erwartungsgemäß sehr gut ausgefallen sind. Bereits Wayfair (+83,7%) und Westwing (+91,3%) hatten über ein sehr starkes Wachstum im zweiten Quartal berichtet. Anfang Juli hatte Home24 im Rahmen eines Trading Updates schon einen starken Auftragseingang sowie ein sehr gutes Wachstum kommuniziert. Das berichtete Wachstum im zweiten Quartal lag nun bei 40,5% (CC: +49%), wodurch ein Umsatz von 119,10mEUR erreicht wurde. Maßgeblicher Wachstumstreiber war dabei das Europageschäft, das um 52,6% auf 97,50mEUR (Umsatzanteil 81,9%) anstieg, während die Umsätze in Südamerika aufgrund der Abwertung des brasilianischen Reals gegenüber dem Euro nur um 3,3% auf 21,60mEUR (CC: +39%) angestiegen sind. Zum Halbjahr stand somit ein Umsatzanstieg von 24,6% auf 221,70mEUR (CC: +31%) zu Buche. Die Umsätze in Europa stiegen dabei um 30,9% auf 176,60mEUR, in Brasilien um 4,6% auf 45,10mEUR (CC: +30%). Basis der starken Umsatzentwicklung war unter anderem der Lock-down im Rahmen der Coronakrise und die damit verbundene Schließung des stationären Handels. Der GoV stieg in Folge dessen im zweiten Quartal um 59,3% auf 188,00mEUR (CC +71%), im ersten Halbjahr um 31,9% auf 347,00mEUR (CC +39%). Dabei ist Home24 sowohl mit Bestandskunden als auch durch neu gewonnene Kunden gewachsen. Die Zahl der Neukunden erhöhte sich im ersten Halbjahr um 24,9% auf 1,77m.

 

Sehr gut hat sich im zweiten Quartal auch die Profitabilität entwickelt. So erhöhte sich u.a. durch eine gestiegene Bruttomarge (+340 Basispunkte) sowie leicht rückläufige Marketingkosten (12,40mEUR / -0,8%) das bereinigte EBITDA deutlich von -8,50mEUR auf 9,20mEUR. Die bereinigte EBITDA-Marge stieg damit auf 7,7% und somit den höchsten Wert der Unternehmensgeschichte in einem Quartal. Damit konnte auch ein positives EBIT (2,90mEUR) sowie ein positives Nettoergebnis (1,80mEUR) erreicht werden. Durch die sehr gute Profitabilität konnte auch zum Halbjahr ein positives bereinigtes EBITDA i.H.v. 5,70mEUR (Vj. -23,40mEUR) erzielt werden. Auch auf Halbjahresbasis stieg die Bruttomarge deutlich um 290 Basispunkte auf 46,0% an. Zudem konnte das starke Umsatzwachstum mit einem um 6,8% auf 31,40mEUR reduzierten Marketingbudget erreicht werden. Maßgeblicher Profitabilitätstreiber war in beiden Berichtsperioden das Europageschäft, welches im zweiten Quartal sogar eine bereinigte EBITDA-Marge von 9,1% erreichte.

 

Aufgrund der sehr guten Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal sowie der anhaltend guten Nachfrage im Juli (GoV CC +49%) hat der Vorstand im Rahmen der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen die Prognose erneut angehoben. Nachdem zuletzt ein Währungsbereinigtes Wachstum von mindestens 15% in Aussicht gestellt wurde, hat das Management diese Spanne nun auf 25-35% angehoben. Für das bereinigte EBITDA wird nun eine Bandbreite von 1-3% nach zuletzt mindestens positiv avisiert. Zudem geht der Vorstand davon aus, dass sich die Online-Penetration im Home & Living Sektor auf einem nachhaltig erhöhten Niveau manifestieren wird. Auch durch flexible Arbeitsmodelle sowie der verstärkten Nutzung von Home-Office (Menschen verbringen mehr Zeit zuhause) erwartet das Management einen positiven Effekt, indem sich die Menschen mehr mit der Einrichtung ihres Zuhauses auseinandersetzen. Aufgrund des Auftragsüberhangs aus dem zweiten in das dritte Quartal sowie der unverändert hohen Nachfrage im Juli (GoV CC +49%) dürfte Home24 auch zwischen Juli und September ein deutlich zweistelliges Wachstum erreichen. Zudem sollte dies meines Erachtens auch erneut ein positives bereinigtes EBITDA ermöglichen. Ich habe nun im Nachgang an die Halbjahreszahlen und die erhöhte Jahresprognose meine Schätzungen erneut überarbeitet und sowohl für Umsatz als auch Ergebnis angehoben. So erwarte ich nun für das Gesamtjahr ein Wachstum von 22,7% auf 456,06mEUR (alt: 436,75mEUR) sowie ein EBITDA i.H.v 10,42mEUR (alt: 1,91mEUR). Das bereinigte EBITDA dürfte dabei bei 13,22mEUR, entsprechend einer bereinigten EBITDA-Marge von 2,9%, liegen und somit am oberen Ende der Prognose. Aufgrund der höheren Umsatz- und Ergebniserwartungen, eines geringeren Working Capitalbedarfs sowie einer erhöhten mittelfristigen EBITDA-Marge von 11,0% (alt: 10,0%) erhöht sich auch das Kursziel entsprechend von 14,10€ auf 19,00€ deutlich. Dennoch berücksichtigen die erhöhten Eigenkapitalkosten i.H.v. 10,07% weiterhin die noch fragile Ergebnissituation.


03.07.2020 | Home24 pulverisiert Erwartungen

Home24 hat in dieser Woche ein Trading Update zum zweiten Quartal 2020 veröffentlicht und dabei sehr starke Zahlen bekannt gegeben. Demnach konnte der Gross Order Value (GOV = Bruttobestellwert ohne Retouren, Rabatte etc.) auf Basis konstanter Währungskurse um 70,0% auf 200,6mEUR gesteigert werden und hat damit meine Erwartungen mit einem Anstieg von 34,8% auf 159,1mEUR erheblich übertreffen können. Somit hat sich das hohe Bestellvolumen aus dem April auch im Mai und Juni fortgesetzt. In Folge dessen stieg auch der Umsatz auf Basis konstanter Währungen um 45,0% auf 123,3mEUR. Unter Berücksichtigung der Währungseffekte stand ein Umsatzanstieg von 40,0% auf 118,7mEUR (LSe: 110,3mEUR / +30,1%) zu Buche, der ebenfalls deutlich über meinen Erwartungen lag. In diesem Zusammenhang betonte das Unternehmen, dass ein Teil der Bestellungen auch erst im dritten Quartal verbucht werde, sodass das Wachstum weiter anhalten dürfte. Mit Blick auf das Ergebnis hatte das Management im Rahmen der Q1-Zahlen bereits ein positives bereinigtes EBITDA für Q2 in Aussicht gestellt. Dieses fällt nun sogar so gut aus, dass auch auf Halbjahresbasis ein deutlich positives bereinigtes EBITDA resultiert und bestätigt damit meine Erwartungen.

 

Für das Gesamtjahr zeigt sich das Management nun auch zuversichtlicher und erwartet einen Umsatzanstieg von mindestens 15% nach zuletzt 10-20%. Für das bereinigte EBITDA wird fortan ein positives Ergebnis erwartet, nachdem die Spanne bislang bei -2% bis +2% vom Umsatz lag. Ich habe in Folge der sehr guten Resultate, die für das Ergebnis allerdings noch nicht quantifiziert wurden, meine Schätzungen entsprechend überarbeitet und meine Erwartungen angehoben. Ich erwarte nun ein Umsatzwachstum von 15,5% auf 97,6mEUR im dritten Quartal (alt: +10,0%) und unverändert einen Umsatzanstieg von 8,0% auf 117,8mEUR im vierten Quartal. Daraus resultiert ein Umsatzanstieg für das Gesamtjahr von 17,5% auf 436,8mEUR (alt: 423,7mEUR / +14,0%) sowie ein berichtetes EBITDA i.H.v. 1,91mEUR (0,4% EBITDA-Marge) nach bislang -8,36mEUR. Für die Folgejahre haben sich meine Schätzungen für Umsatz und Ergebnis entsprechend ebenfalls erhöht. Meine langfristigen Erwartungen für die EBITDA-Marge habe ich im Zuge dessen von bisher 9,0% auf 10,0% erhöht. Die Eigenkapitalkosten liegen unverändert bei 10,3%. In Folge dessen erhöht sich das Kursziel von 11,50€ auf 14,10€ und bietet daher weiter deutliches Kurspotenzial.


12.06.2020 | Auf dem Sprung zur Profitabilität

Nachdem Home24 in den vergangenen Jahren und konkret auch mit den Mitteln aus dem Börsengang im Juni 2018 verstärkt investiert hat (Logistik, ERP-System, Markenstärkung), war das vierte Quartal 2019 ein besonderes. Erstmals in der Firmengeschichte erreichte Home24 in einem Quartal ein positives bereinigtes EBITDA i.H.v. 2,60mEUR bzw. eine bereinigte EBITDA-Marge von 2,4%. Aber auch das berichtete EBITDA fiel mit 2,30mEUR (2,1% vom Umsatz) positiv aus und zeigt die Richtung für die Zukunft. Im Gesamtjahr 2019 verblieb jedoch noch ein hoher Verlust i.H.v. 28,20mEUR (bereinigtes EBITDA) bzw. 31,70mEUR (berichtetes EBITDA), wenngleich dieser im Vergleich zum Vorjahr (-40,00mEUR / -51,70mEUR) deutlich reduziert werden konnte. Neben der erhöhten Bruttomarge von 44,1% (Vj. 43,7%) hat sich vor allem eine deutlich gesunkene Marketingkostenquote von 17,4% (2018: 21,1%) positiv im Ergebnis niedergeschlagen. Auf Segmentebene belastete insbesondere das Segment Europa (74,8% Umsatzanteil) mit einem negativen bereinigten EBITDA von 27,30mEUR, während das zweite, deutlich kleinere Segment Lateinamerika (Brasilien) lediglich einen Verlust i.H.v. 0,80mEUR erzielte. Darüber hinaus erzielte Home24 im vierten Quartal einen leicht positiven operativen Cashflow von 0,90mEUR (Vj. -8,10mEUR) und nur einen leicht negativen Free Cashflow von 3,30mEUR (Vj. -15,60mEUR).

 

Der positive Trend aus dem Schlussquartal 2019 hat sich nun auch im ersten Quartal 2020 fortgesetzt. Bei einem Umsatzwachstum von 10,1% (+14% auf Basis konstanter Wechselkurse) konnte die Bruttomarge weiter von 43,6% auf 46,0% gesteigert werden, die Vertriebs- (-11,7%) und Verwaltungskosten (-9,8%) entwickelten sich sogar leicht rückläufig. Dadurch verbesserte sich das bereinigte EBITDA im ersten Quartal trotz dem Umstand, dass das erste und dritte Quartal aufgrund von Marketingschwerpunkten geringere Margen aufweist, deutlich von -14,90mEUR auf -3,50mEUR. Der operative Cashflow fiel mit 2,40mEUR erneut positiv aus und der Free Cashflow verbesserte sich auf -2,00mEUR. Während die Umsätze in den ersten drei Monaten dieses Jahres in Europa erneut zweistellig auf 79,10mEUR (+11,4%) gesteigert werden konnten, fiel der Umsatzanstieg mit 5,9% auf 23,50mEUR in Brasilien deutlich geringer aus. Dies ist u.a. auch auf den deutlichen Anstieg des brasilianischen Reals gegenüber dem Euro zurückzuführen, der der Grund für die Differenz zwischen berichtetem Wachstum und Wachstum auf Basis konstanter Wechselkurse ist.

 

Auch wenn der Vorstand in seinem Ausblick für 2020 Anfang April die Bandbreite für das Umsatzwachstum mit 10-20% (alt: +15-20%) breiter als noch Anfang Februar gewählt hat, wird mit einer klaren Fortsetzung des Wachstumskurses auch in diesem Jahr gerechnet. So wird dies durch einen steigenden Umsatzanteil im E-Commerce bei Möbeln sowie durch die aktuellen Corona-Umstände, wodurch Möbelhäuser temporär geschlossen werden mussten und damit den Trend zum Online-Möbelkauf forciert. Marktstudien von Statista sehen in den kommenden Jahren bis 2024 ein durchschnittliches Wachstum der E-Commerce Umsätze für Möbel & Haushaltswaren von 7-8% pro Jahr in Deutschland, weltweit sogar von rund 8,5% pro Jahr. Dementsprechend positiv haben sich zuletzt die Zahlen im April entwickelt, die einen erheblichen Anstieg bei den Bestellungen gezeigt haben. Demnach erhöhte sich das Volumen der Bestellungen (Brutto) im April um 88% in Europa und um 39% in Brasilien (Q1 insgesamt +9,7% auf Basis konstanter Wechselkurse) erheblich. Auch der amerikanische Konkurrent Wayfair hatte kurz zuvor über ähnliche Steigerungsraten berichtet. Dementsprechend erwartet das Management im zweiten Quartal ein positives bereinigtes EBITDA, betonte aber, dass das zweite Quartal auch ohne die COVID-19 Effekte profitabel ausfallen würde.

 

Insgesamt erachte ich die aktuelle Unternehmensentwicklung als sehr positiv und sehe durch den Fokus auf profitables Wachstum mit dem Ziel in diesem Jahr den Break-Even zu erreichen als entscheidenden Treiber für den Aktienkurs. Wenngleich ich in diesem Jahr noch mit einem negativen EBITDA i.H.v. 8,36mEUR (-2,0% Marge) kalkuliere, erwarte ich im kommenden Jahr erstmals auf Ganzjahresbasis ein positives EBITDA i.H.v. 12,57mEUR (2,7% EBITDA-Marge). Auf Nettobasis erwarte ich im Folgejahr mit 3,79mEUR ein erstmals positives Nettoergebnis, sodass ab 2022 dann auch die hohen Verlustvorträge (Körperschaftssteuer 357,8mEUR / Gewerbesteuer 356,0mEUR / Ausland 65,3mEUR) genutzt werden können. Durch die dann zu erwartenden Aktivierungen von Verlustvorträgen sollte sich zudem ein positiver EPS-Effekt ergeben. Zugleich wird Home24 dann bei der Cash-relevanten Besteuerung lediglich der Mindestbesteuerung unterliegen. Für dieses Jahr erwarte ich einen Umsatzanstieg von 14,0% auf 423,71mEUR, der insbesondere durch ein sehr starkes zweites Quartal (LSe: 110,33mEUR / +30,1%) getragen werden dürfte. Zugleich erwarte ich durch das hohe Umsatzwachstum und dem Umstand, dass das zweite Quartal traditionell bessere Margen aufweist, ein positives EBITDA, welches zudem den Verlust aus dem ersten Quartal leicht überkompensiert. Bis 2023 rechne ich mit einem Anstieg der EBITDA-Marge auf 9,0%, das Management hat sich mittelfristig auf Ebene des bereinigten EBITDA einen Wert von etwa 12-14% („low teens“) zum Ziel gesetzt. Daraus leitet sich auf Basis von Eigenkapitalkosten i.H.v. 10,3% (reflektiert noch die anfallenden Verluste) sowie eines daraus resultierenden WACC von 9,1% ein Kursziel von 11,50€ ab. Gelingt es dem Management mit weiter steigenden Umsätzen die Bruttomarge auf das Zielniveau von >50% zu erhöhen sowie das Marketing weiter zu optimieren und die genannten Zielmargen von 12-14% zu erreichen, wären auch Kurse von 17-21€ zu rechtfertigen.