Der init-Konzern (im Folgenden auch init SE oder init) ist der weltweit führende Anbieter von integrierten Planungs-, Dispositions-, Telematik- und Ticketinglösungen für Busse und Bahnen. Seit mehr als 35 Jahren unterstützt init Verkehrsunternehmen dabei, den öffentlichen Personenverkehr attraktiver, schneller, pünktlicher und effizienter zu gestalten. Innerhalb einer geschlossenen Wertschöpfungskette entwickelt, produziert, integriert, installiert, wartet und betreibt init Soft- und Hardwareprodukte, die Verkehrsunternehmen zur Erfüllung ihrer betrieblichen Aufgaben benötigen. Diese umfassen die Planung, Steuerung und Optimierung des Betriebsgeschehens sowie das Fahrgeldmanagement. init trägt mit ihren Produkten und Dienstleistungen dazu bei, die Qualität des Beförderungsangebots im Hinblick auf Kundenorientierung, Pünktlichkeit, Komfort, Service, Sicherheit und kürzere Reisezeiten zu verbessern. Gleichzeitig können die Verkehrsbetriebe ihre Kosten senken bzw. ihre Wirtschaftlichkeit erhöhen. Darüber hinaus werden klimaschädliche Kohlendioxid- Emissionen reduziert, Umweltbelastungen vermindert und Ressourcen geschont. Mit init-Systemlösungen können Verkehrsunternehmen den steigenden Mobilitätsanforderungen der Gesellschaft gerecht werden und sich in ihrem Wettbewerbsumfeld behaupten, das durch Rationalisierung und Liberalisierung geprägt ist.


11.10.2019 | Mobilität als Key Driver

 In den vergangenen Jahren war die operative Entwicklung bei INIT sehr divergent. Während sich die Umsatzerlöse seit 2013 von rund 100mEUR bis vergangenes Jahr auf knapp 136mEUR erhöht haben, hat sich die EBIT-Marge deutlich rückläufig entwickelt. Lag diese 2013 noch bei 17,1% und erhöhte sich im Folgejahr auf 18,1%, ging sie 2018 auf 4,7% stark zurück. Hintergrund war eine entsprechende Auftragszurückhaltung auf Kundenseite, die mit entsprechend schlechteren Margen einherging, um vorhandene Aufträge für sich zu gewinnen und die eigene Auslastung zu halten. Diese Aufträge laufen nun in diesem Jahr aus und sollten daher ab dem kommenden Jahr das Ergebnis nicht mehr belasten. Hinzu kam im vergangenen Jahr eine Abschreibung i.H.v. 2,1mEUR auf die Beteiligung an der Bytemark. Zugleich hat sich Frau Bodenseh, seit Oktober Finanzvorstand von Init, zum Ziel gesetzt das Finanzressort weiter zu professionalisieren und auf dem ersten Kapitalmarkttag Ende Juni dieses Jahr umfangreiche Maßnahmen zur Effizienz- und Kostensenkung vorgestellt.

 

Nach einem Wachstum von 4,0% im vergangenen Jahr hatte sie zunächst eine weitere Umsatzsteigerung auf 145,0mEUR in Aussicht gestellt, wenngleich im vergangenen Jahr Neuaufträge i.H.v. 161,8mEUR (+16,1%) gewonnen werden konnten. Der Auftragsbestand lag zum Jahreswechsel bei 142,6mEUR und damit knapp 22% höher als noch Ende 2017. Besonders hervorzuheben ist hierbei der größte Einzelauftrag der Firmengeschichte, der in den USA (Seattle) gewonnen werden konnte. So soll INIT die Lieferung und den Betrieb des ORCA-Systems der nächsten Generation übernehmen, wodurch der dortige Verkehrsverbund seinen Kunden eine flexible, bequeme und sichere Zahlungsabwicklung bieten kann. Das Auftragsvolumen für die ersten 4 Jahre beträgt dabei 50mUSD, wobei eine elfmalige einjährige Verlängerungsoption für Betrieb und Wartung besteht, wodurch sich das Volumen auf 90mUSD erhöhen würde. Insgesamt konnte INIT dadurch den mit Abstand größten Anteil an Neuaufträgen i.H.v 106mEUR in den USA gewinnen. Ein weiterer bedeutender Auftrag konnte dort beispielsweise in Los Angeles (stationäre Ticketing-Automaten) gewonnen werden. Aber auch Nachlieferungen, Wartungsverträge und Auftragserweiterungen haben im vergangenen Jahr mit >50mEUR zum Auftragseingang beigetragen.

 

Nach einem guten Jahresstart (Umsatz +20,0%/EBIT +156,2%) und einem erneut deutlichen Anstieg der Aufträge auf 69,2mEUR (+142,8%/Auftragsbestand 178,0mEUR) konnte vor allem im zweiten Quartal ein Ausrufezeichen gesetzt werden. Während die Umsätze um knapp 40% auf 41,71mEUR gesteigert werden konnte, hat sich das EBIT mehr als verzehnfacht. Zum Halbjahr lag das Umsatzplus folglich bei rund 30% und das EBIT hat sich von 1,09mEUR im Vorjahr auf 8,10mEUR erheblich erhöht. Einerseits haben sich einerseits bereits erste angestoßene Maßnahmen zur Kostensenkung + Effizienzsteigerung deutlich schneller als erwartet bemerkbar gemacht, zum anderen hat sich vor allem das Nachliefergeschäft stärker als erwartet entwickelt. Zudem gelang es Projekte schneller als geplant umzusetzen. Bei den Kosten- und Effizienzmaßnahmen hat sich dies insbesondere in einer verbesserten Bruttomarge (+ 300Bp), leicht rückläufigen Vertriebskosten (-2,0%) und unterproportional gestiegenen Verwaltungskosten (+17,1%) gezeigt. Aber auch die positive Auftragsentwicklung setzte sich fort, sodass zum Halbjahr ein Plus von 56,2% auf 114,0mEUR zu Buche steht. Der Auftragsbestand erhöhte sich ebenfalls um 34,6% auf 175,0mEUR. In Folge der sehr guten Umsatz- und Ergebnisentwicklung hob der Vorstand die Prognose deutlich an. So wurde die Umsatzprognose auf 150-160mEUR angehoben, die EBIT-Prognose wurde aufgrund des Übertreffens der Zielmarke von 7,5mEUR nach bereits sechs Monaten auf 15mEUR deutlich angehoben.

 

Insgesamt profitiert INIT von verschiedenen Themen, die auch in den kommenden Jahren zu einer anhalten positiven Umsatz- und Ergebnisentwicklung führen dürften. So dürfte der weitere Ausbau des öffentlichen Nachverkehrs und damit auch der zunehmende Einsatz von E-Bussen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes in Städten, der Trend zu elektronischem Ticketing, die Digitalisierung des ÖPNV, neue Mobilitätsdienste und deren Anschluss an ein bestehendes Gesamtsystem (z.B. ÖPNV) und neue Fahrgastzählsysteme – insbesondere in den USA – zum Wachstum in den kommenden Jahren beitragen. Bei all diesen Themen ist INIT bestens aufgestellt, um global davon zu profitieren. Ab dem kommenden Jahr will INIT dadurch mit durchschnittlich 15% pro Jahr wachsen und bis 2022 die Umsatzmarke von 200mEUR erreichen. Angesichts der sehr guten Entwicklung im ersten Halbjahr und dem angehobenen Umsatzausblick dürfte dies aber bereits 2021 realistisch sein. Beim Ergebnis erachte ich dadurch zweistellige EBIT-Margen zwischen 15-20% in den kommenden Jahren wieder für erreichbar.

 

Nach der sehr guten operativen Entwicklung im ersten Halbjahr und den vielversprechenden Aussichten für die kommenden Jahre bin ich für die INIT Aktie sehr positiv gestimmt. Für dieses Jahr kalkuliere ich beim Umsatz mit 157,27mEUR und rechne somit mit dem Erreichen des oberen Ende der Umsatzprognose. Beim EBIT erwarte ich mit 16,12mEUR ein leichtes Übertreffen der angehobenen Prognose. Für die beiden Folgejahre rechne ich mit einer weiteren Umsatzsteigerung von jeweils 15% auf 207,99mEUR und einer Steigerung der EBIT-Marge auf 14,3% im Jahr 2021. Mit einer verstärkten Investor Relations Kommunikation, weiteren Neuaufträgen, den vermutlich erneut guten Q3-Zahlen (7.11.) und der zunehmenden Wahrnehmung bei Investoren als Profiteur für Trendthemen wie Mobilitätlösungen, Urbanisierung sowie Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die zunehmende Digitalisierung im ÖPNV dürfte die Aktie in den kommenden Monaten und Quartalen stärker in den Fokus des Marktes rücken. Insgesamt liegt mein Kursziel derzeit bei 33,00€ und bietet ein Potenzial von knapp 60%. Mit einem KGV von rund 14 für 2020 (Eps 1,51€) und 10 für 2021 (EPs 2,01€) ist die Aktie vor dem Hintergrund der dynamischen Umsatzentwicklung und dem deutlichen Margenanstieg nicht teuer bewertet. Wert hemmend ist allerdings die recht hohe Kapitalbindung durch das hohe Working Capital und das hohe operative Anlagevermögen.