Seit über 60 Jahren gehören wir zu den führenden Anbietern von Haushaltsprodukten in Europa. Die Leifheit-Gruppe beschäftigt rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sitz und Verwaltung der Gesellschaft befindet sich in Nassau/Lahn. Von hier aus liefern wir unsere Produkte in weltweit mehr als 80 Länder. Wir verfügen über 15 eigene Standorte und Niederlassungen, darunter fünf Logistik- und Produktionsstäten in Deutschland, Frankreich und der Tschechischen Republik. Unsere wichtigsten Absatzmärkte liegen in den Regionen Zentral- und Osteuropa, gefolgt von Asien und den USA. Der Leifheit-Konzern gliedert sein operatives Geschäft in die Segmente Household, Wellbeing und Private Label. Die Produkte unserer Marken Leifheit und Soehnle – zwei der bekanntesten Marken Deutschlands – zeichnen sich durch hochwertige Verarbeitungsqualität in Verbindung mit besonderem Verbrauchernutzen aus. Im Private- Label-Segment sind wir mit den französischen Tochterunternehmen Birambeau und Herby am Markt präsent. Über alle Segmente hinweg stellen unsere Innovationsfähigkeit und Kernkompetenzen in den Produktkategorien Reinigen, Wäschepflege, Küche und Wellbeing die Basis für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit dar.


Auf dem Weg zum Wachstumsunternehmen

Nachdem Leifheit bereits Ende Oktober vorläufige Zahlen veröffentlicht und zeitgleich die Prognose angehoben hatte, wurden nun finale Zahlen veröffentlicht. So erhöhte sich der Umsatz im dritten Quartal sehr deutlich um 28,4% auf 71,59mEUR und war vor allem angetrieben durch ein starkes Wachstum von 32,9% auf 27,90mEUR im Heimatmarkt Deutschland. Damit zeigt sich in Deutschland nach einem Umsatzrückgang von 0,3% im ersten und 2,4% im zweiten Quartal eine starke Trendwende. Aber auch die anderen Regionen Zentraleuropa (+19,2%), Osteuropa (+25,8%) sowie Rest der Welt (+110,0%) konnten klar zweistellige Wachstumsraten verzeichnen. Gleichzeitig haben die über den gesamten Zeitraum geöffneten Vertriebskanäle zwischen Juli und September zu einem besseren Zugang der Kunden zu den Produkten des Unternehmens geführt. Auf Segment-Ebene zeigte sich dies in einem deutlichen Wachstum im größten Segment Household (55,50mEUR / +29,4%) sowie dem kleinsten Segment Wellbeing mit einem Umsatzanstieg von 54,3% auf 7,10mEUR. Aber auch das Private Label Segment konnte die Umsätze um 8,5% auf 8,90mEUR steigern. Die deutlich höhere Umsatzdynamik im dritten Quartal war allen Voran auf die gestartete TV- und Printwerbung in Deutschland als Bestandteil der Scaling up Success-Strategie zurückzuführen. Zugleich konnte auf Monatssicht nun fünf Monate in Folge ein zweistelliges Wachstum erzielt werden und macht deutlich, dass die Maßnahmen rund um verstärkte Konsumentenwerbung greifen. Nach 9 Monaten erhöhten sich die Umsätze folglich um 13,9% auf 201,95mEUR, getrieben durch die Segmente Household (+14,5%) sowie Wellbeing (+32,5). Im Segment Household haben insbesondere die Produktkategorien Reinigen (+20,1%) sowie Küche (+30,4%) zum Umsatzanstieg beigetragen, da Konsumenten einerseits ein gestiegenes Hygienebedürfnis zeigten sowie durch Restaurantschließungen und möglicher Ansteckungen verstärkt zuhause gekocht haben. Reinigungsprodukte wurden zudem in den TV-Kampagnen platziert. Das Segment Wellbeing profitierte durch ein starkes Wachstum bei Soehnle Waagen, u.a. durch eine Ende August gestartete Printkampagne „Aufs Gramm genau lecker“. Des Weiteren verzeichnete Leifheit eine verstärkte Nachfrage nach Soehnle Luftreiniger zur Bekämpfung der Luft von Allergenen sowie Viren und Bakterien. Im Segment Private Label stieg der Umsatz im dritten Quartal zwar wie beschrieben um 8,5%, nach drei Quartalen lag dieser jedoch vor allem aufgrund der strengen COVID-19 Einschränkungen in Frankreich noch um 0,9% unter Vorjahr. Mit Blick auf die Umsatzverteilung konnten alle Regionen Zuwächse erzielen, bis auf Deutschland sogar jeweils zweistellig. In Zentraleuropa (+17,2%) profitierte Leifheit vor allem von höheren Umsätzen in den Benelux-Ländern (Niederlande: +44% / Belgien: +27%), der Schweiz (+52%) sowie Österreich und war auf die erhöhten Marketingaktivitäten zurückzuführen. Auch in Osteuropa (+13,2%) führte die verstärkte Verbraucherwerbung zu einem zweistelligen Wachstum und konnte vor allem in Rumänien (+45,8%) und Polen (+23,0%) besonders starke Umsatzsteigerungen verzeichnen. Im Rest der Welt (+46,0%) als kleinste Region war die Umsatzentwicklung vor allem durch ein starkes Wachstum in Fernost (+30,4%) sowie den USA (+136,4%) geprägt, speziell über Online-Kanäle. Im größten Markt Deutschland erzielte Leifheit mit 81,50mEUR (+8,2%) nach einem noch schwachen ersten Halbjahr nun durch die durchgeführten Werbemaßnahmen ein fast zweistelliges Wachstum in den ersten 9 Monaten.

 

Noch positiver hat sich in den ersten drei Quartalen und speziell auch im dritten Quartal das Ergebnis entwickelt. Nachdem bereits in den ersten sechs Monaten ein EBIT-Anstieg von knapp 76% erreicht wurde, konnte die Ergebnisdynamik im dritten Quartal in Folge des starken Umsatzwachstums nochmals gesteigert werden. Das EBIT hat sich auf 6,55mEUR (Vj. 2,12mEUR) mehr als verdreifacht, sodass nach neun Monaten ein EBIT-Anstieg von 115,4% auf 15,35mEUR erzielt wurde. Damit wurde nach den ersten drei Quartalen bereits die bisherige EBIT-Prognose (12-15mEUR) übertroffen. Zurückzuführen ist diese sehr positive Entwicklung einerseits auf eine gesteigerte Bruttomarge (Q1-Q3: +190 Basispunkte / Q3: +300 Basispunkte) durch einen verbesserten Produktmix. Andererseits haben Effizienzsteigerungen und ein striktes Kostenmanagement zu dieser Entwicklung beigetragen. So wurden in den ersten neun Monaten bis auf Konsumentenwerbung (+330 Basispunkte) alle anderen Kostenpositionen anteilig reduziert und zeigt damit den strategischen Fokus im Rahmen der Scaling up Success-Strategie.

 

Bereits mit den vorläufigen Zahlen hatte das Leifheit Management die Jahresprognose für den Umsatz auf +11-13% (alt: +7-9%) angehoben und erwartet für 2020 nun ein EBIT i.H.v. 17-19mEUR (2019: 9,88mEUR / alt: 12-15mEUR). Da in Deutschland der Einzelhandel und die Baumärkte weiterhin geöffnet haben, sollte sich die Dynamik aus dem dritten Quartal auch im vierten Quartal fortsetzen, wenn auch gegebenenfalls auf geringerem Niveau aufgrund von schärferen Restriktionen in anderen europäischen Ländern. Ich habe daher aufgrund des starken Umsatzanstiegs im dritten Quartal sowie einer besseren Visibilität hinsichtlich der Gründe für diesen Anstieg meine Erwartungen für das Gesamtjahr leicht angehoben und erwarte nun einen Umsatzanstieg von 12,4% auf 264,44mEUR (alt: 261,55mEUR). Ich rechne somit mit dem Erreichen der oberen Umsatzspanne. Die EBIT-Prognose für das Gesamtjahr ist meines Erachtens erneut konservativ, sodass ich mit 19,29mEUR (alt: 19,10mEUR) ein Übertreffen dieser Prognose erwarte. Für die beiden Folgejahre habe ich meine Erwartungen um 3,8% bzw. 5,7% angehoben und gehe nun von einem höheren Wachstum aus. Im kommenden Jahr sollte Leifheit zudem von TV-Kampagnen in weiteren Ländern profitieren. Ebenso meine mittelfristigen Wachstumserwartungen habe ich von 6,0% auf 8,0% angehoben. Das höhere Umsatzwachstum führt meinen Annahmen zu Folge auch zu einer höheren EBIT-Marge, da ich von einer weiteren Steigerung der Bruttomarge sowie einem lediglich leichten Anstieg der Fixkosten ausgehe. Die Aufwendungen für Konsumentenwerbung dagegen dürften weiter überproportional ansteigen. Folglich erwarte ich bis 2022 eine Verbesserung der EBIT-Marge auf 12,7% (bisher: 11,0%), die im Vergleich zu anderen Konsumunternehmen ein durchaus realistisches Niveau darstellt. Die gestiegenen Wachstums- sowie Margenannahmen führen somit auch zu einem erhöhten Kursziel von 65,00€ nach zuletzt 50,00€. 

 

 

Hinweis zu möglichen Interessenskonflikten nach Art. 20 Abs. 1 MMVO: Die Aktie befindet sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im wikifolio "Chancen suchen und finden" (https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf19920415). 

 

Veröffentlichungsdatum: 20.11.2020, 10:14Uhr


Auf Wachstum getrimmt

Leifheit hat bewegte Jahre hinter sich. Nachdem das langjährige Vorstandsmitglied Dr. Zacharias (zuletzt CFO) 2017 ausgeschieden war, konnte das Unternehmen im Anschluss nicht an die erfolgreiche Entwicklung der Vorjahre anknüpfen. Aus diesem Grund wurde Herr Radke dann im Oktober 2018 von seiner Tätigkeit als Vorstand freigestellt und der Finanzvorstand Ivo Huhmann übernahm interimsmäßig die CEO Funktion. Seit Juni 2019 ist nun Henner Rinsche CEO von Leifheit, der zuvor sehr erfolgreich Sodastream in Europa aufgebaut hat. In der Folge verließ auch der bisherige CFO das Unternehmen Ende März dieses Jahres, sodass der Vorstand aktuell nur noch aus zwei Personen – Herrn Rinsche (CEO & CFO) sowie Herrn Munduate (COO) – besteht. Herr Rinsche hat vor seinem Amtsantritt zudem für 4,6mEUR Aktien des Unternehmens gekauft und zeigt damit sein hohes Commitment für die weitere Entwicklung. Darüber hinaus hat er seit seinem Amtsantritt weitere Leifheit Aktien im Gesamtwert von 2,3mEUR erworben, sodass sein Gesamtinvest nun bei knapp 7mEUR liegt.

 

Operativ hat Herr Rinsche nach seinem Amtsantritt die Wachstumsstrategie „Scaling Up Success“ für langfristig profitables Wachstum gestartet, das aus 4 Säulen besteht. Zum einen soll durch vorab getestete und skalierbare Verbraucherwerbung Nachfrage und damit Wachstum erzeugt werden. Neue Produkte sollen nur bei überdurchschnittlicher Marge sowie erfolgreicher Werbetests eingeführt werden. Des Weiteren soll das Distributionsnetzwerk, sowohl national wie auch international, weiter ausgebaut werden. Die dritte Säule ist die Verbesserung der Bruttomarge, die sich vom Hoch 2016 mit 47,5% auf zuletzt 43,1% im Jahr 2019 deutlich reduziert hatte. Hier will Herr Rinsche den Fokus auf profitable Produkte „Made in Europe“ setzen. Die letzte Säule ist die Reduzierung aller Kosten außer der Verbraucherwerbung. So soll die Anzahl der Produkte reduziert und eine strikte Kostendisziplin in der Forschung & Entwicklung eingeführt werden. Dem neuen CEO ist dabei vor allem das Thema Verbraucherwerbung bzw. Marketingausgaben sehr wichtig und vergleicht Leifheit in diesem Zusammenhang mit anderen Konsumunternehmen wie P&G, Adidas, Unilever, Henkel oder Beiersdorf. All diese Unternehmen investieren deutlich mehr in Marketing als Leifheit und erzielen dafür aber auch deutlich höhere EBIT-Margen. Im vergangenen Jahr hat Leifheit daher erste Werbekampagnen, z.B. in Tschechien, gestartet. Weitere Testkampagnen wurden in Österreich und den Niederlanden sehr erfolgreich durchgeführt. Insgesamt hatte sich dies aber erst kaum in den Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr niedergeschlagen. So lag der Umsatz mit 234,04mEUR (-0,1%) auf Vorjahresniveau, das EBIT hatte sich um 24,4% auf 9,88mEUR reduziert. Während in Osteuropa (13,1% Umsatzanteil) zwar ein Wachstum von 6,2% erzielt werden konnte, verzeichnete der Heimatmarkt Deutschland mit einem Umsatzanteil von 40,0% einen leichten Umsatzrückgang von 4,2%. Die größte Region Zentraleuropa (43,3% Umsatzanteil) steigerte die Umsatzerlöse leicht um 0,6%.

 

Mit Blick auf das laufende Jahr lag der Fokus daher zu Jahresbeginn auf dem Start der TV-Offensive in Deutschland sowie in 15 weiteren Ländern. Trotz bereits erster negativer COVID-19 Effekte im März (-5%) konnte durch einen guten Januar (+6%) und einen sehr guten Februar (+18%) im ersten Quartal ein Wachstum von 6,8% auf 68,71mEUR erzielt werden. Das EBIT hatte sich leicht überproportional um 9,5% auf 4,25mEUR verbessert, wobei insbesondere auch die Bruttomarge um 180 Basispunkte auf 44,7% gesteigert werden konnte. Im zweiten Quartal gelang es trotz des temporären Lockdowns in Deutschland und anderen Ländern den Umsatz um 7,9% auf 61,64mEUR zu steigern. Nach einem schwachen April (-17%), zeigten sich die Monate Mai (+13%) und Juni (+33%) sehr stark. Zum Halbjahr stand somit ein Umsatzanstieg von 7,3% auf 130,54mEUR zu Buche. Dabei spiegelten sich auch die durchgeführten TV-Kampagnen in einigen Ländern wie den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, Polen und Rumänien wider, in denen der Umsatz in der ersten Jahreshälfte zwischen 29% und 49% gesteigert werden konnte. Die Bruttomarge erhöhte sich zum Halbjahr von 42,8% auf 44,2% und resultierte im Wesentlichen aus positiven Produkt- und Kundenmixeffekten sowie getroffener Effizienzmaßnahmen. In dieser Woche berichtete das Unternehmen vorläufige Zahlen für das dritte Quartal, die erneut sehr gut ausgefallen sind. So erhöhte sich der Umsatz im Zeitraum Juli bis September um 28,3% auf 71,55mEUR, das EBIT hat sich auf 6,50mEUR (EBIT-Marge 9,1%) mehr als verdreifacht. Nach 9 Monaten resultierte somit ein um 13,9% gestiegener Umsatz sowie ein auf 15,40mEUR (7,6% EBIT-Marge) mehr als verdoppeltes EBIT.  In Folge dessen hat der Vorstand erneut die Prognose angehoben und erwartet nun einen Umsatzanstieg von 11-13% (alt: 7-9%) sowie ein EBIT zwischen 17mEUR und 19mEUR (alt: 12-15mEUR).

 

Nach dem sehr guten dritten Quartal zeigt sich zugleich, dass die eingeschlagene Strategie erfolgsversprechend ist. Zugleich wird deutlich, welches Wachstumspotenzial im Leifheit Geschäftsmodell für die kommenden Quartale liegt. Aufgrund der Unsicherheiten im Schlussquartal rechne ich jedoch lediglich mit einem Umsatzanstieg von 11,1% auf 261,55mEUR im Gesamtjahr, entsprechend einem Anstieg der Umsätze im vierten Quartal von 5,0%. Beim EBIT erwarte ich mit 19,1mEUR (+85,0%) ein leichtes Übertreffen der Prognose. Dies würde einem EBIT von 3,70mEUR (+34,6% / 6,2% EBIT-Marge) entsprechen und ist aus meiner Sicht sehr konservativ (Q1: 4,25mEUR / Q2: 4,55mEUR / Q3: 6,50mEUR) gewählt. Für die kommenden beiden Jahre rechne ich ebenfalls mit einem leicht zweistelligen Umsatzwachstum (2021e: +12,0% / 2022e: +10,0%) sowie einer weiteren Verbesserung der EBIT-Marge auf 11,0% im Jahr 2022 (2020e: 7,3% / 2021e: 9,2%). Damit resultiert insgesamt ein Kursziel von 50,00€. 

 

 

Hinweis zu möglichen Interessenskonflikten nach Art. 20 Abs. 1 MMVO: Die Aktie befindet sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im wikifolio "Chancen suchen und finden" (https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf19920415). 

 

Veröffentlichungsdatum: 24.10.2020, 15:17Uhr