Die LPKF Laser & Electronics AG (LPKF) ist ein weltweit tätiges Technologieunternehmen mit einem Exportanteil von über 90 % und Kunden in über 70 Ländern. Das Unternehmen entwickelt überwiegend laserbasierte Lösungen für dynamische Märkte wie die Elektronikindustrie, die Automobilzulieferindustrie, die Solarindustrie, die Halbleiterindustrie, die Medizintechnik sowie Forschungseinrichtungen und Hochschulen. LPKF verfügt über mehr als 40 Jahre Erfahrung als Entwickler und Lieferant von innovativen Investitionsgütern für Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen. Seit 2019 fertigt das Unternehmen auch Mikrostrukturkomponenten aus Glas für die Halbleiterindustrie. Viele Innovationen und Weiterentwicklungen entstehen in enger Zusammenarbeit mit Kunden. Um die Innovationskraft zu erhalten investiert das Unternehmen jährlich rund 10 % seines Umsatzes in die eigene Forschung und Entwicklung. Die Entwicklung und Produktion finden in Europa statt. Das Unternehmen ist darauf ausgerichtet, seinen Kunden durch den Einsatz neuer Technologien Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Damit treibt LPKF den Wandel von traditionellen zu laserbasierten Fertigungsmethoden in den spezifischen Märkten voran und macht in vielen Bereichen die Entwicklung innovativer Endprodukte möglich.


Aufträge erhöhen Visibilität

LPKF Laser blickt auf ein schwaches Jahr 2020 zurück. In den ersten 9 Monaten war der Umsatz um 30,1% auf 75,21mEUR zurückgegangen, das EBIT hat sich um mehr als die Hälfte auf 6,85mEUR (Vj. 15,27mEUR) reduziert. Hintergrund waren vor allem Auftragsverschiebungen bei Großkunden, die sich insbesondere in den Segmenten Electronics, Welding und Solar niedergeschlagen haben. Folglich lag auch der Auftragseingang mit 65,30mEUR um 19,7% unter Vorjahr. Bereits Ende September hat sich jedoch mit einem ersten Großauftrag im Solarsegment über die Lieferung von Systemen zur Herstellung von Dünnschichtsolarmodulen eine verbesserte Auftragssituation gezeigt. Der erhaltene Rahmenvertrag mit einem Gesamtvolumen von mindestens ca. 18mEUR soll ab dem zweiten Quartal 2021 umsatzwirksam und bis in das Jahr 2022 abgearbeitet werden. Mitte Dezember konnte LPKF nun von diesem Bestandskunden einen weiteren Großauftrag mit einem Volumen von ca. 10mEUR im Solar Bereich bekannt geben. Das Volumen des Ende September kommunizierten Rahmenvertrag hat sich damit auf etwa 28mEUR erhöht und soll weiterhin ab dem zweiten Quartal 2021 bis in das Folgejahr umsatzwirksam werden. Zwar ist die Gesellschaft bereits seit 13 Jahren ein führender Anbieter von hochspezialisierten Lasersystemen zur Strukturierung von Dünnschicht-Solarmodulen auf CdTe-Basis, hat nun allerdings erstmals einen Auftrag für Produktionsstätten erhalten, die Dünnschicht-Solarmodule auf CIGS-Basis produzieren werden. Beide Technologien dominieren laut Unternehmensangaben heutzutage die Herstellung von Dünnschicht-Solarmodulen.

 

Nach den bereits ersten positiven Aussagen des Managements im Rahmen der Q3-Zahlen für das kommende Geschäftsjahr bestätigt der zweite Auftrag erneut diese Aussage. Zudem sollten sich in diesem Jahr zurückgehaltene Aufträge auf Kundenseite im Jahr 2021 im Auftragseingang zeigen und zu einem Aufholeffekt führen. Des Weiteren wurde Anfang Dezember die eigene LIDE-Fertigung am Standort Garbsen fertiggestellt, wo Komponenten aus Dünnglas für Anwendungen in der Elektronik- und Halbleiterindustrie gefertigt werden sollen. LIDE bleibt weiterhin der große Wachstumstreiber für die kommenden Jahre und der Vorstand hatte zuletzt die Mittelfristprognose für 2024, die einen Umsatz von >360mEUR sowie eine EBIT-Marge von >25% vorsieht, bestätigt. Ausgehend vom Umsatzniveau von rund 140mEUR im vergangenen Jahr, soll auf LIDE dabei mehr als 50% des geplanten Umsatzanstiegs entfallen. Zusätzliche Unterstützung könnte der Vorstand bei der Adressierung der LIDE Technologie bei großen Marktteilnehmern wie Samsung durch den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Jean-Michel Richard erhalten, der durch seine Zeit als Finanzvorstand bei Dialog Semiconductor (2006-2015) in der Branche gut vernetzt ist.

 

Ich habe aufgrund des weiteren Auftrags im Solarbereich meine Umsatz- und Ergebnisschätzungen überarbeitet und zugleich stärker die Differenzierung zwischen CORE-Geschäft (ohne LIDE) und LIDE berücksichtigt. Demnach erwarte ich für dieses Jahr weiterhin einen deutlichen Umsatzrückgang von 28,0% auf 100,76mEUR (alt: 99,71mEUR / Prognose: 96-102mEUR) bei einem EBIT von 9,61mEUR (alt: 9,09mEUR). Die EBIT-Marge liegt mit 9,5% damit in der unteren Hälfte der vom Management avisierten Spanne von 8-12% für das Gesamtjahr. Für das kommende Jahr erwarte ich jedoch eine deutlich dynamischere Erholung als bisher mit einem Umsatzanstieg auf 134,05mEUR (+ 33,0% / alt: 119,65mEUR), womit aber das Umsatzniveau aus dem Jahr 2019 (140,00mEUR) noch nicht ganz wieder erreicht werden dürfte. Für das CORE-Geschäft erwarte ich einen Umsatzanstieg von 21,7% und für LIDE einen Umsatzbeitrag von 17,5mEUR, nach 5,0mEUR in diesem Jahr. Das EBIT erwarte ich bei 18,85mEUR (alt: 14,29mEUR), entsprechend einer EBIT-Marge von 14,1%. Für das Jahr 2022 rechne ich mit einer weiteren deutlichen Umsatzsteigerung von 29,0% auf 172,89mEUR (alt: 155,54mEUR) bei einem EBIT von 31,54mEUR (18,2% EBIT-Marge). Bis 2024 berücksichtigt mein DCF-Modell mit 248,97mEUR nach wie vor einen erheblichen Abschlag auf die Mittelfristprognose. Die mittelfristige EBIT-Marge liegt unverändert bei 24,3%. Zugleich habe ich nochmals in den Jahren 2022-2024 Investitionen in den weiteren Ausbau der LIDE-Fertigung i.H.v. 16,0mEUR (erste Ausbaustufe ca. 8,0mEUR) berücksichtigt. Insgesamt erhöht sich das Kursziel aufgrund der höheren Umsatzschätzungen aber auf 38,00€ nach zuletzt 34,00€. Meine Sicht eines noch deutlich höheren fairen Wertes bei Erreichen der Umsatz- und Ergebnisziele für 2024 (>360mEUR / >25% EBIT-Marge) bleibt dabei unverändert bestehen. 

 

 

Hinweis zu möglichen Interessenskonflikten nach Art. 20 Abs. 1 MMVO: Die Aktie befindet sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im wikifolio "Chancen suchen und finden" (https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf19920415). 

 

Veröffentlichungsdatum: 28.12.2020, 17:08Uhr


Ab 2021 wieder Wachstum angestrebt

LPKF Laser hat vergangene Woche finale Q3-Zahlen veröffentlicht, die die vorläufigen Zahlen vom 21.10.2020 bestätigt haben. Der Umsatz ging im dritten Quartal um 27,7% auf 25,21mEUR zurück und lag damit im prognostizierten Korridor von 24-27mEUR. Verzeichneten die Bereiche Electronics (-0,4%) und Development (-2,7%) nur leichte Umsatzrückgänge im dritten Quartal, fiel das Minus in den anderen beiden Segmenten Welding (-49,7%) und Solar (-44,0%) deutlich höher aus. Während sich im Segment Welding der Lockdown bei einigen Kunden im ersten Halbjahr zeitverzögert im Umsatz widergespiegelt hat, fehlten im Solar-Bereich größere Aufträge. Das EBIT lag im dritten Quartal mit 4,00mEUR (-23,0%) zwar deutlich unter Vorjahr, konnte die Prognose von 1-3mEUR damit allerdings übertreffen. Die EBIT-Marge hat sich zugleich durch eine verbesserte Kostenbasis von 12,2% auf 15,9% erhöht. Das geringere EBIT im Vergleich zum Vorjahr war vor allem auf die Segmente Solar und Welding zurückzuführen, während die Bereich Electronics und Development höhere Ergebnisbeiträge erzielten. Auf 9-Monatsbasis stand im Gesamtkonzern ein Umsatzrückgang von 30,1% auf 75,21mEUR zu Buche, der auf alle vier Segmente (Electronics -17,5% / Development -13,4% / Welding -28,9% / Solar -46,2%) zurückzuführen ist. Damit einhergehend hat sich auch in allen Segmenten der Ergebnisbeitrag reduziert. Zurückzuführen ist dies vor allem auf geringere Umsätze mit Großkunden. Eliminiert man diese in der Betrachtung, lag der Umsatz nach 9 Monaten lediglich 3% unter dem des Vorjahres. Im Segment Electronics konnte der Umsatz exklusive der Großkunden durch die Gewinnung von Neukunden sowie die Einführung neuer Produkte sogar um 20% gesteigert werden.

 

Der Auftragseingang war ebenfalls deutlich rückläufig im dritten Quartal (25,20mEUR / -29,0%) und auch im 9-Monatszeitraum (65,30mEUR / -19,7%), bedingt durch Projektverschiebungen. So wurde Ende September ein Rahmenvertrag mit einem Hersteller von Dünnschicht-Solarmodulen mit einem Volumen von 18mEUR abgeschlossen, der ab dem zweiten Quartal 2021 bis in das Folgejahr umsatzwirksam werden soll. Hieraus wurden im Auftragseingang allerdings per Ende September lediglich 3mEUR verbucht. Zu Jahresbeginn hatte das Management Aufträge von diesem Jahr noch im ersten Quartal und Umsätze in diesem Jahr erwartet. Der operative Cashflow war im Vergleich zum Vorjahr (32,95mEUR) nach 9 Monaten mit -4,93mEUR negativ. Dies ist einerseits dem geringeren Ergebnis, aber vor allem auch dem erhöhten Forderungsbestand durch verstärkte Umsatzrealisierung zum Quartalsende geschuldet. Der Free Cashflow war folglich mit -13,74mEUR (Vj. 29,15mEUR) klar negativ. Dieser beinhaltet jedoch auch Investments i.H.v. 2,5mEUR für die neue LIDE-Reinraumfabrik, die im vierten Quartal fertiggestellt und abgenommen werden soll. Im Gesamtjahr wird ein ausgeglichener Free Cashflow erwartet.

 

Für das Gesamtjahr 2020 hat der Vorstand nun erstmals eine Prognose für das Gesamtjahr veröffentlicht, die einen Umsatz zwischen 96mEUR und 102mEUR (2019: 140,03mEUR) vorsieht. Für das vierte Quartal entspricht dies einem Umsatz i.H.v. 20,79-26,79mEUR (-36,1% bis -17,6%). Die EBIT-Marge wird in einem Bereich von 8,0-12,0% erwartet und entspricht einem EBIT für das Schlussquartal von 0,84-5,40mEUR. Ab dem kommenden Jahr erwartet der Vorstand dann wieder zurück auf den Wachstumspfad zu kehren, hält sich allerdings aufgrund einer eingeschränkten Visibilität mit konkreten Aussagen zurück. Zugleich wurde auch nochmals die Mittelfristprognose bestätigt, die einen Umsatzanstieg auf >360mEUR bei einer EBIT-Marge von >25% im Jahr 2024 vorsieht. Auf Basis des Mittelwertes für dieses Jahr entspricht dies einem durchschnittlichen Wachstum von 38,1%. Aufgrund der erneut schwachen Umsatzentwicklung, die sich auch im vierten Quartal nicht bessern wird, habe ich meine Umsatzerwartungen für das Gesamtjahr von bislang 110,50mEUR auf nunmehr 99,71mEUR (-28,8%) reduziert, die damit ein Umsatz i.H.v. 24,50mEUR (-24,7%) für das vierte Quartal implizieren. Beim Ergebnis erwarte ich nun ein EBIT i.H.v. 9,09mEUR (-52,8% / 9,1% EBIT-Marge), nach zuvor 9,44mEUR (8,5% EBIT-Marge). Für das kommende Jahr rechne ich wieder mit einem Umsatzanstieg von 20,0% auf 119,65mEUR (alt: 143,65mEUR) und einem EBIT von 14,29mEUR (alt: 20,85mEUR). Hierbei dürfte sich vor allem das Solar-Segment als Umsatz- und Ergebnistreiber (EBIT-Marge Q3 2020: 31,7%) durch das Anlaufen des Rahmenvertrags ab dem zweiten Quartal erweisen. Durch meine mittelfristig geringeren Umsatzerwartungen (2022e: 155,54mEUR vs. 172,38mEUR zuvor), die nur bedingt durch eine verbesserte Kostenstruktur (mittelfristige EBIT-Marge 24,3% vs. 24,5% zuvor) kompensiert werden, reduziert sich mein Kursziel von zuletzt 38,00€ auf 34,00€. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass mein Bewertungsmodel für das Jahr 2024 derzeit lediglich ein Umsatz i.H.v. 223,98mEUR sowie ein EBIT von 51,28mEUR berücksichtigt und damit deutlich weniger als die Mittelfristprognose des Unternehmens (>360mEUR / >90mEUR EBIT). 

 

 

Veröffentlichungsdatum: 04.11.2020, 18:58Uhr


05.08.2020 | EBIT überzeugt, Ausblick enttäuscht

Nach den vorläufigen Zahlen Ende Juli hat LPKF Laser nun endgültige Zahlen für das zweite Quartal respektive das erste Halbjahr 2020 veröffentlicht. So erhöhte sich der Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal 2020 (19,51mEUR) deutlich auf 30,50mEUR, blieb aber um 15,9% unter dem Vorjahreswert. Zugleich wurde damit der Mittelwert der für das zweite Quartal prognostizierten Umsatzspanne (28-33mEUR) erreicht. Während das Welding Segment (5,72mEUR / +0,9%) den Umsatz leicht steigern konnte, verzeichneten auch im zweiten Quartal alle anderen Segmente Electronics (9,12mEUR / -3,9%), Development (4,65mEUR / -28,4%) und Solar (11,00mEUR / -24,7%) Umsatzrückgänge. Zum Halbjahr stand durch den starken Umsatzrückgang im ersten Quartal (-46,4%) ein Rückgang auf 50,00mEUR (-31,2%) zu Buche. Zugleich verzeichneten alle Segmente auf Halbjahresbasis einen rückläufigen Umsatz. Im Bereich Electronics wurde ein Umsatz von 15,38mEUR (-24,8%) erzielt, im Bereich Development von 9,80mEUR (-18,5%), im Bereich Welding von 9,65mEUR (-15,6%) und im Solar-Bereich von 15,17mEUR (-47,3%). Dies ist vor allem auf eine verzögerte Auftragsvergabe und fehlende Großaufträge im Vergleich zum Vorjahr zurückzuführen. Auf der Ergebnisseite konnte dagegen im zweiten Quartal eine deutlich positive Entwicklung verzeichnet werden. Aufgrund einer reduzierten Kostenbasis sowie geringeren Reise- und Bewirtungskosten und Zuschüssen aus dem Kurzarbeitergeld (0,4mEUR in HJ1) in Deutschland sowie Zuschüssen in anderen Ländern (China & Slowenien / in Summe 0,2mEUR in HJ1) und höheren aktivierten Eigenleistungen (1,65mEUR / +61,2%) erhöhte sich das EBIT um 30,4% auf 5,21mEUR. Damit wurde die EBIT-Prognose für das zweite Quartal (1-4mEUR) übertroffen. Aufgrund des Verlustes im ersten Quartal i.H.v. -2,37mEUR resultierte somit nach 6 Monaten ein EBIT i.H.v. 2,85mEUR (-71,8%), welches deutlich unter dem Vorjahresniveau lag. Sehr positiv ist in diesem Zusammenhang der Fakt, dass alle vier Segmente im zweiten Quartal ein positives EBIT erzielen konnten, wobei vor allem das Solar Segment mit einer EBIT-Marge von 29,9% positiv hervorstach. Auf Halbjahresbasis erzielten bis auf das Segment Welding ebenfalls alle vier Segmente ein positives Ergebnis.

 

Der Auftragseingang lag im zweiten Quartal mit 18,0mEUR nicht nur unter dem Niveau des ersten Quartals (21,2mEUR), sondern auch um 25,6% unterhalb des Vorjahreswertes, sodass zum Halbjahr ein Rückgang von 13,5% auf 39,6mEUR resultierte. Damit lag das Book-to-Bill mit 0,79 sowohl zum Halbjahr um 0,59 als auch im zweiten Quartal jeweils unter 1. Zurückzuführen ist dies auf fehlende Großaufträge sowie auf vermehrte Auftragsverschiebungen durch Kunden, teilweise auch in das kommende Jahr. Der rückläufige Auftragseingang sei aber insbesondere auf einen deutlich höheren Beitrag des Segments Solar im Vorjahr (6,9mEUR) zurückzuführen. Positiv zu betonen ist jedoch, dass bisher lediglich ein Auftrag mit einem Gesamtvolumen von 175TEUR storniert wurde. In China, mit einem Umsatzanteil von 18,4% 2019 der wichtigste Markt von LPKF, sehe man zudem eine schrittweise Normalisierung. Für das dritte Quartal erwartet das Management nun mit 24-27mEUR (Q3 2019: 34,8mEUR) allerdings wieder ein niedrigeres Umsatzniveau als im Vorquartal, während das EBIT in einem Bereich zwischen 1-3mEUR (Q3 2019: 5,2mEUR) liegen soll. Eine Prognose für das Gesamtjahr hat der Vorstand weiterhin nicht veröffentlicht, wenngleich die Mittelfristprognose für 2024 (>360mEUR Umsatz / >25% EBIT-Marge) bestätigt wurde. Die große Hoffnung liegt dabei auf der neuen Technologie LIDE, die eine neuartige Verarbeitung von Glas in verschiedensten Anwendungen und Branchen ermöglicht. In diesem Zusammenhang hat Nippon Electric Glas, einer der weltweit führenden Hersteller von Spezialglas aus Japan, mit denen LPKF im Mai einen Lizenzvertrag abgeschlossen hat, jüngst Ende Juli eine Produktneuheit bekannt gegeben. Demnach habe man das weltweit dünnste Glas als Deckglas für faltbare Displays entwickelt, welches aktuell vom 03.08. – 07.08.2020 auf der virtuellen SID Display Week vorgestellt werde.

 

Im Rahmen der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen habe ich meine Schätzungen für Umsatz und EBIT überarbeitet und nach unten angepasst, da zugleich die Erholung im zweiten Halbjahr nicht so schnell erfolgen dürfte wie zunächst erwartet. Daher habe ich meine Umsatzschätzungen auf 110,50mEUR (-21,1% / alt: 130,00mEUR) reduziert und für das EBIT von 14,06mEUR auf 9,44mEUR gesenkt. Im kommenden Jahr erwarte ich mit 143,65mEUR eine deutliche Erholung leicht über das Umsatzniveau von 2019 (140,03mEUR) bei einem EBIT von 20,85mEUR und einer EBIT-Marge von 14,5%, welche unter anderem von der verbesserten Kostenstruktur profitieren sollte. Bis 2024 sieht mein DCF-Modell mit einem Umsatz von 248,23mEUR weiterhin einen deutlichen Abschlag zu den kommunizierten Zielen vor, um eine gewisse Vorsicht aufgrund des starken Umsatzanstiegs (cagr 2019-2024: 20,8%) zu berücksichtigen. Mein Kursziel reduziert sich durch die in der kurzen Sicht reduzierten Umsatz- und Ergebnisschätzungen von zuletzt 39,00€ auf nun 38,00€. Würde der Vorstand dagegen die Ziele bis 2024 erreichen, würde das Kursziel auf mindestens 48,00€ steigen.


06.05.2020 | Wie erwartet schwaches erstes Quartal

LPKF Laser hat am Dienstag Zahlen für das erste Quartal 2020 veröffentlicht. So sank der Umsatz wie prognostiziert gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich um 46,4% auf 19,51mEUR (Prognose 18-22mEUR) und ist auf alle vier Segmente zurückzuführen. Während die Umsätze in den Segmenten Electronics (6,26mEUR / -42,9%) und Solar (4,17mEUR / -70,5%), bedingt durch die Abarbeitung von Großaufträgen im Vorjahresquartal bzw. deutlich geringeren Umsätzen mit den beiden größten Kunden in diesem Jahr am stärksten zurückgingen, zeigten auch die anderen beiden Segmente Development (5,15mEUR / -6,9%) und Welding (3,93mEUR / -31,9%) rückläufige Umsätze. Würde man die Umsatzerlöse der beiden Quartale Q1 2019 und Q1 2020 um die Umsatzbeiträge der beiden Top-2-Kunden bereinigen, hätte der Umsatz laut Unternehmensangaben insgesamt leicht über Vorjahresniveau gelegen. Das EBIT fiel wie prognostiziert mit -2,37mEUR negativ aus, allerdings nicht ganz so deutlich wie im Februar (-3mEUR bis -5mEUR) prognostiziert. Bis auf das Segment Electronics (0,02mEUR) verzeichneten alle anderen Segmente aufgrund des geringeren Umsatzniveaus Verluste (Development -0,05mEUR / Welding -1,76mEUR / Solar -0,57mEUR). Der Auftragseingang ging jedoch nur leicht um 1,9% auf 21,2mEUR zurück, sodass die Book-to-Bill ratio mit 1,09 leicht >1 lag. Der Auftragsbestand ging zwar gegenüber dem 31.03.2019 um 20,5% auf 34,5mEUR zurück, verzeichnete jedoch im Vergleich zum 31.12.2019 einen leichten Anstieg von 6,8%. Positiv zu erwähnen ist, dass es bisher noch zu keinen Auftragsstornierungen gekommen ist, wenngleich es zu Auftragsverschiebungen (ein mittelgroßer von Q1 nach Q3, mehrere kleinere Aufträge von Q1 nach Q2) kam. Dennoch gestalte sich die Auftragsgewinnung derzeit insgesamt schwieriger wie es heißt.

 

Für das aktuelle zweite Quartal erwartet das Management nun eine deutlich bessere Entwicklung als im ersten Quartal und rechnet mit einem Umsatz zwischen 28-33mEUR (Q2 2019: 36,27mEUR) sowie einem EBIT zwischen 1-4mEUR (Q2 2019: 4,0mEUR). Hierbei werden sich auch die vorgenommenen Kostenmaßnahmen widerspiegeln. Die Entwicklung im ersten Quartal sei dabei vor allem saisonal bedingt durch fehlende Großaufträge schwach ausgefallen und nicht wegen COVID-19. Dennoch gibt der Vorstand weiterhin keine konkrete Prognose für das Gesamtjahr ab und hält unverändert bei einer ausgeprägten Rezession einen Umsatz- und Ergebnisrückgang auf Ganzjahresbasis für möglich. Bisher laufe das Geschäft aber ohne Einschränkungen und man sieht unverändert eine große Nachfrage nach den Lösungen und Dienstleistungen. Daher wird auch die Mittelfristprognose (>360mEUR Umsatz, >25% EBIT-Marge im Jahr 2024) bestätigt. Ich habe meine Schätzungen insgesamt aufgrund erhöhter aktivierter Eigenleistungen im ersten Quartal beim EBIT für 2020 leicht auf 14,06mEUR (alt: 13,63mEUR) angehoben, bei ansonsten unveränderten Schätzungen und einem weiter bestehenden Kursziel von 39,00€. Legt man die mittlere Umsatzspanne für das zweite Quartal zugrunde, entspricht meine aktuelle Umsatzerwartung von 130,00mEUR für dieses Jahr einem Umsatzanstieg von 18,8% in der zweiten Jahreshälfte. 


09.04.2020 | Ist LIDE der Game Changer?

Seitdem die aktuellen Vorstände Götz Bendele (CEO seit Mai 2018) und Christian Witt (CFO seit September 2018) im Amt sind, hat sich bei der LPKF vieles verändert. Zum Positiven. So konnte der Umsatz wieder deutlich gesteigert, vor allem aber auch die Profitabilität erheblich verbessert werden. Zugleich wurde auch ein verstärkter Fokus auf F&E und damit verbunden der Einführung neuer Produkte am Markt bzw. auch bestehender Produkte bei Kunden gelegt. Zugleich ist das Unternehmen seitdem klar auf Cashflowstärke und Kapitaleffizienz ausgerichtet, zwei entscheidende Faktoren zur Steigerung des Unternehmenswertes. Mit Blick auf die Kapitalmarktkommunikation hat sich das neue Vorstandsduo bislang recht zurückhaltend gezeigt. So konnte sowohl im Herbst 2018 als auch im Herbst 2019 die Prognose für das jeweilige Geschäftsjahr angehoben werden. Nun zeigt sich der Vorstand für die kommenden Jahre äußerst positiv und gibt erstmals einen Mehrjahresausblick.

 

Im vergangenen Geschäftsjahr konnte LPKF den Umsatz auf 140,03mEUR (+16,7% / LSe: +142,8) steigern und damit die Umsatzprognose von 135-140mEUR am oberen Ende erreichen. Die EBIT-Marge erreichte 13,7% (EBIT 19,25mEUR / +182,0% vs. LSe 20,00mEUR) und lag damit ebenso am oberen Rand. Dabei hat sich insbesondere die deutliche Skalierung im Geschäftsmodell gezeigt, sodass sowohl der Personalaufwand als auch der sonstige Aufwand (bereinigt um IFRS 16) nur leicht angestiegen sind. Für das aktuelle Geschäftsjahr erwartete das Management Ende Februar noch eine weitere Verbesserung von Umsatz und Ergebnis. Aufgrund der seitdem starken Ausbreitung von COVID-19, in Folge dessen es zu einer ausgeprägten Rezession kommen dürfte, schließt das Management jedoch einen Umsatz- und Ergebnisrückgang nicht aus. Für das erste Quartal 2020 erwartet der Vorstand aufgrund einer sehr starken Vorjahresbasis (Umsatz Q1 2019 +84,6%), bedingt durch eine deutliche Steigerung der Umsatzerlöse im Solar-Segment (+103,0%) sowie möglichen Verschiebungen in Folgequartale aufgrund von COVID-19, einen schwachen Jahresstart. Nach 36,40mEUR im ersten Quartal 2019 wird nun ein Umsatz zwischen 18-22mEUR prognostiziert. Für das EBIT wird nach einem ebenso guten Vorjahr (6,08mEUR), ebenfalls bedingt durch das Solarsegment, mit einem Verlust zwischen 3-5mEUR kalkuliert. Neben der Saisonalität im Solargeschäft dürfte dies auch auf einen geringeren Auftragseingang (112,0mEUR/-19,9%) im vergangenen Jahr bzw. Auftragsbestand (30,0mEUR/-48,6%) zum Jahresende zurückzuführen sein. Hier zeigt sich auch eine bestehende Saisonalität durch Großaufträge.  

 

Mit Blick auf die kommenden Jahre zeigt sich der Vorstand sehr zuversichtlich. So soll sich der Umsatz bis 2024 auf über 360mEUR erhöhen. Ausgehend vom erreichten Umsatzniveau 2019 i.H.v. rund 140mEUR entspricht dies einem deutlichen Umsatzanstieg von knapp 160% bzw. einem jährlichen Wachstum von rund 21%. Zugleich soll sich die EBIT-Marge auf mindestens 25% in etwa verdoppeln, entsprechend einem EBIT von mindestens 90mEUR. Basis für diese starke Umsatzdynamik in den kommenden Jahren sollen laut Unternehmensangaben insbesondere die vielversprechenden und hohen Potenziale im Bereich der neuen LIDE Technologie sein. Mit LIDE haben Kunden von LPKF die Möglichkeit, Glas in einer neuen Form zu bearbeiten und ist daher besonderes bei Anwendungen in der Elektronik-, Halbleiter und Life-Science-Industrie von Interesse. Eine Anwendungsmöglichkeit, die dabei derzeit besonders im Fokus steht, ist Glas als Displayoberfläche für Falthandys zu nutzen. Basis der Erwartungen für die kommenden Jahre seien erreichte Fortschritte bei Kundenprojekten für verschiedene Anwendungen, u.a. in der Halbleiter- und Displayindustrie. Den daraus abgeleiteten Annahmen bzw. Erwartungen liegen laut Unternehmensangaben entsprechende Kundenvorhaben zugrunde. In diesem Zusammenhang konnte LPKF Mitte Januar den ersten nennenswerten Auftrag bekannt geben. So habe LPKF Ende 2019 bereits das erste hochautomatisierte LIDE-System an einen der weltweit führenden Konzerne aus der Halbleiterindustrie ausgeliefert. Um für das erwartete starke Wachstum in den kommenden Jahren ausreichend vorbereitet zu sein, hat LPKF zudem am Standort Garbsen im November mit dem Bau einer Reinraumfabrik (800qm) begonnen, im Rahmen dessen das Unternehmen für die erste Ausbaustufe 5mEUR investieren wird.

 

Im Anschluss an die kommunizierte 5-Jahresprognose habe ich meine Schätzungen sowie mein DCF-Model deutlich überarbeitet. Während ich für das aktuelle Geschäftsjahr aufgrund des schwachen Jahresstarts und den Unsicherheiten durch COVID-19 mit einem Umsatz- und Ergebnisrückgang auf 130,0mEUR (-7,2%) respektive 13,63mEUR (-29,2%) rechne, sollte LPKF bereits im kommenden Jahr wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Bis 2024 sollte sich das Wachstum dann beschleunigen, wenngleich derzeit in meinem Bewertungsmodell lediglich ein Umsatz von rund 258mEUR bei einer EBIT-Marge von 23,5% (EBIT 2024: 60,62mEUR) für das Jahr 2024 unterstellt wird. Auf Basis dessen ergibt sich ein Kursziel von 39,00€. Bei einer höheren Visibilität hinsichtlich der Ziele für das Jahr 2024 besteht somit zukünftig die Möglichkeit, die aktuellen Erwartungen anzuheben, die dann auch ein höheres Kursziel rechtfertigen würden.