Die LPKF Laser & Electronics AG (LPKF) ist ein weltweit tätiges Technologieunternehmen mit einem Exportanteil von über 90 % und Kunden in über 70 Ländern. Das Unternehmen entwickelt überwiegend laserbasierte Lösungen für dynamische Märkte wie die Elektronikindustrie, die Automobilzulieferindustrie, die Solarindustrie, die Halbleiterindustrie, die Medizintechnik sowie Forschungseinrichtungen und Hochschulen. LPKF verfügt über mehr als 40 Jahre Erfahrung als Entwickler und Lieferant von innovativen Investitionsgütern für Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen. Seit 2019 fertigt das Unternehmen auch Mikrostrukturkomponenten aus Glas für die Halbleiterindustrie. Viele Innovationen und Weiterentwicklungen entstehen in enger Zusammenarbeit mit Kunden. Um die Innovationskraft zu erhalten investiert das Unternehmen jährlich rund 10 % seines Umsatzes in die eigene Forschung und Entwicklung. Die Entwicklung und Produktion finden in Europa statt. Das Unternehmen ist darauf ausgerichtet, seinen Kunden durch den Einsatz neuer Technologien Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Damit treibt LPKF den Wandel von traditionellen zu laserbasierten Fertigungsmethoden in den spezifischen Märkten voran und macht in vielen Bereichen die Entwicklung innovativer Endprodukte möglich.


06.05.2020 | Wie erwartet schwaches erstes Quartal

LPKF Laser hat am Dienstag Zahlen für das erste Quartal 2020 veröffentlicht. So sank der Umsatz wie prognostiziert gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich um 46,4% auf 19,51mEUR (Prognose 18-22mEUR) und ist auf alle vier Segmente zurückzuführen. Während die Umsätze in den Segmenten Electronics (6,26mEUR / -42,9%) und Solar (4,17mEUR / -70,5%), bedingt durch die Abarbeitung von Großaufträgen im Vorjahresquartal bzw. deutlich geringeren Umsätzen mit den beiden größten Kunden in diesem Jahr am stärksten zurückgingen, zeigten auch die anderen beiden Segmente Development (5,15mEUR / -6,9%) und Welding (3,93mEUR / -31,9%) rückläufige Umsätze. Würde man die Umsatzerlöse der beiden Quartale Q1 2019 und Q1 2020 um die Umsatzbeiträge der beiden Top-2-Kunden bereinigen, hätte der Umsatz laut Unternehmensangaben insgesamt leicht über Vorjahresniveau gelegen. Das EBIT fiel wie prognostiziert mit -2,37mEUR negativ aus, allerdings nicht ganz so deutlich wie im Februar (-3mEUR bis -5mEUR) prognostiziert. Bis auf das Segment Electronics (0,02mEUR) verzeichneten alle anderen Segmente aufgrund des geringeren Umsatzniveaus Verluste (Development -0,05mEUR / Welding -1,76mEUR / Solar -0,57mEUR). Der Auftragseingang ging jedoch nur leicht um 1,9% auf 21,2mEUR zurück, sodass die Book-to-Bill ratio mit 1,09 leicht >1 lag. Der Auftragsbestand ging zwar gegenüber dem 31.03.2019 um 20,5% auf 34,5mEUR zurück, verzeichnete jedoch im Vergleich zum 31.12.2019 einen leichten Anstieg von 6,8%. Positiv zu erwähnen ist, dass es bisher noch zu keinen Auftragsstornierungen gekommen ist, wenngleich es zu Auftragsverschiebungen (ein mittelgroßer von Q1 nach Q3, mehrere kleinere Aufträge von Q1 nach Q2) kam. Dennoch gestalte sich die Auftragsgewinnung derzeit insgesamt schwieriger wie es heißt.

 

Für das aktuelle zweite Quartal erwartet das Management nun eine deutlich bessere Entwicklung als im ersten Quartal und rechnet mit einem Umsatz zwischen 28-33mEUR (Q2 2019: 36,27mEUR) sowie einem EBIT zwischen 1-4mEUR (Q2 2019: 4,0mEUR). Hierbei werden sich auch die vorgenommenen Kostenmaßnahmen widerspiegeln. Die Entwicklung im ersten Quartal sei dabei vor allem saisonal bedingt durch fehlende Großaufträge schwach ausgefallen und nicht wegen COVID-19. Dennoch gibt der Vorstand weiterhin keine konkrete Prognose für das Gesamtjahr ab und hält unverändert bei einer ausgeprägten Rezession einen Umsatz- und Ergebnisrückgang auf Ganzjahresbasis für möglich. Bisher laufe das Geschäft aber ohne Einschränkungen und man sieht unverändert eine große Nachfrage nach den Lösungen und Dienstleistungen. Daher wird auch die Mittelfristprognose (>360mEUR Umsatz, >25% EBIT-Marge im Jahr 2024) bestätigt. Ich habe meine Schätzungen insgesamt aufgrund erhöhter aktivierter Eigenleistungen im ersten Quartal beim EBIT für 2020 leicht auf 14,06mEUR (alt: 13,63mEUR) angehoben, bei ansonsten unveränderten Schätzungen und einem weiter bestehenden Kursziel von 39,00€. Legt man die mittlere Umsatzspanne für das zweite Quartal zugrunde, entspricht meine aktuelle Umsatzerwartung von 130,00mEUR für dieses Jahr einem Umsatzanstieg von 18,8% in der zweiten Jahreshälfte. 


09.04.2020 | Ist LIDE der Game Changer?

Seitdem die aktuellen Vorstände Götz Bendele (CEO seit Mai 2018) und Christian Witt (CFO seit September 2018) im Amt sind, hat sich bei der LPKF vieles verändert. Zum Positiven. So konnte der Umsatz wieder deutlich gesteigert, vor allem aber auch die Profitabilität erheblich verbessert werden. Zugleich wurde auch ein verstärkter Fokus auf F&E und damit verbunden der Einführung neuer Produkte am Markt bzw. auch bestehender Produkte bei Kunden gelegt. Zugleich ist das Unternehmen seitdem klar auf Cashflowstärke und Kapitaleffizienz ausgerichtet, zwei entscheidende Faktoren zur Steigerung des Unternehmenswertes. Mit Blick auf die Kapitalmarktkommunikation hat sich das neue Vorstandsduo bislang recht zurückhaltend gezeigt. So konnte sowohl im Herbst 2018 als auch im Herbst 2019 die Prognose für das jeweilige Geschäftsjahr angehoben werden. Nun zeigt sich der Vorstand für die kommenden Jahre äußerst positiv und gibt erstmals einen Mehrjahresausblick.

 

Im vergangenen Geschäftsjahr konnte LPKF den Umsatz auf 140,03mEUR (+16,7% / LSe: +142,8) steigern und damit die Umsatzprognose von 135-140mEUR am oberen Ende erreichen. Die EBIT-Marge erreichte 13,7% (EBIT 19,25mEUR / +182,0% vs. LSe 20,00mEUR) und lag damit ebenso am oberen Rand. Dabei hat sich insbesondere die deutliche Skalierung im Geschäftsmodell gezeigt, sodass sowohl der Personalaufwand als auch der sonstige Aufwand (bereinigt um IFRS 16) nur leicht angestiegen sind. Für das aktuelle Geschäftsjahr erwartete das Management Ende Februar noch eine weitere Verbesserung von Umsatz und Ergebnis. Aufgrund der seitdem starken Ausbreitung von COVID-19, in Folge dessen es zu einer ausgeprägten Rezession kommen dürfte, schließt das Management jedoch einen Umsatz- und Ergebnisrückgang nicht aus. Für das erste Quartal 2020 erwartet der Vorstand aufgrund einer sehr starken Vorjahresbasis (Umsatz Q1 2019 +84,6%), bedingt durch eine deutliche Steigerung der Umsatzerlöse im Solar-Segment (+103,0%) sowie möglichen Verschiebungen in Folgequartale aufgrund von COVID-19, einen schwachen Jahresstart. Nach 36,40mEUR im ersten Quartal 2019 wird nun ein Umsatz zwischen 18-22mEUR prognostiziert. Für das EBIT wird nach einem ebenso guten Vorjahr (6,08mEUR), ebenfalls bedingt durch das Solarsegment, mit einem Verlust zwischen 3-5mEUR kalkuliert. Neben der Saisonalität im Solargeschäft dürfte dies auch auf einen geringeren Auftragseingang (112,0mEUR/-19,9%) im vergangenen Jahr bzw. Auftragsbestand (30,0mEUR/-48,6%) zum Jahresende zurückzuführen sein. Hier zeigt sich auch eine bestehende Saisonalität durch Großaufträge.  

 

Mit Blick auf die kommenden Jahre zeigt sich der Vorstand sehr zuversichtlich. So soll sich der Umsatz bis 2024 auf über 360mEUR erhöhen. Ausgehend vom erreichten Umsatzniveau 2019 i.H.v. rund 140mEUR entspricht dies einem deutlichen Umsatzanstieg von knapp 160% bzw. einem jährlichen Wachstum von rund 21%. Zugleich soll sich die EBIT-Marge auf mindestens 25% in etwa verdoppeln, entsprechend einem EBIT von mindestens 90mEUR. Basis für diese starke Umsatzdynamik in den kommenden Jahren sollen laut Unternehmensangaben insbesondere die vielversprechenden und hohen Potenziale im Bereich der neuen LIDE Technologie sein. Mit LIDE haben Kunden von LPKF die Möglichkeit, Glas in einer neuen Form zu bearbeiten und ist daher besonderes bei Anwendungen in der Elektronik-, Halbleiter und Life-Science-Industrie von Interesse. Eine Anwendungsmöglichkeit, die dabei derzeit besonders im Fokus steht, ist Glas als Displayoberfläche für Falthandys zu nutzen. Basis der Erwartungen für die kommenden Jahre seien erreichte Fortschritte bei Kundenprojekten für verschiedene Anwendungen, u.a. in der Halbleiter- und Displayindustrie. Den daraus abgeleiteten Annahmen bzw. Erwartungen liegen laut Unternehmensangaben entsprechende Kundenvorhaben zugrunde. In diesem Zusammenhang konnte LPKF Mitte Januar den ersten nennenswerten Auftrag bekannt geben. So habe LPKF Ende 2019 bereits das erste hochautomatisierte LIDE-System an einen der weltweit führenden Konzerne aus der Halbleiterindustrie ausgeliefert. Um für das erwartete starke Wachstum in den kommenden Jahren ausreichend vorbereitet zu sein, hat LPKF zudem am Standort Garbsen im November mit dem Bau einer Reinraumfabrik (800qm) begonnen, im Rahmen dessen das Unternehmen für die erste Ausbaustufe 5mEUR investieren wird.

 

Im Anschluss an die kommunizierte 5-Jahresprognose habe ich meine Schätzungen sowie mein DCF-Model deutlich überarbeitet. Während ich für das aktuelle Geschäftsjahr aufgrund des schwachen Jahresstarts und den Unsicherheiten durch COVID-19 mit einem Umsatz- und Ergebnisrückgang auf 130,0mEUR (-7,2%) respektive 13,63mEUR (-29,2%) rechne, sollte LPKF bereits im kommenden Jahr wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Bis 2024 sollte sich das Wachstum dann beschleunigen, wenngleich derzeit in meinem Bewertungsmodell lediglich ein Umsatz von rund 258mEUR bei einer EBIT-Marge von 23,5% (EBIT 2024: 60,62mEUR) für das Jahr 2024 unterstellt wird. Auf Basis dessen ergibt sich ein Kursziel von 39,00€. Bei einer höheren Visibilität hinsichtlich der Ziele für das Jahr 2024 besteht somit zukünftig die Möglichkeit, die aktuellen Erwartungen anzuheben, die dann auch ein höheres Kursziel rechtfertigen würden.