Die 1987 gegründete Manz AG ist ein weltweit agierendes Hightech-Maschinenbauunternehmen. Ihre Geschäftstätigkeit umfasst fünf Segmente: Solar, Electronics, Energy Storage, Contract Manufacturing und Service. Mit langjähriger Expertise in der Automation, Laserbearbeitung, Bildverarbeitung und Messtechnik, Nasschemie und Rolle-zu-Rolle- Prozessen bietet das Unternehmen Herstellern und deren Zulieferern in unterschiedlichen Branchen ein breites Portfolio innovativer Produkte und Lösungen. Dieses umfasst neben kundenindividuellen Produktionslösungen auch Einzelmaschinen und Module, die zu kompletten, individuellen Systemlösungen intelligent verkettet werden können. Rund um die technologischen Kernkompetenzen der Manz AG bietet das Unternehmen zudem umfassende Dienstleistungen an: Von der Simulation und Fabrikplanung über die Prozess- und

Prototypenentwicklung bis hin zu Kundenschulungen und After-Sales Service. Die Manz AG ist ein gefragter Entwicklungspartner der Industrie und als solcher Wegbereiter für Zukunftstechnologien.


17.05.2019 | Warten auf den Durchbruch im Bereich Energy Storage

Manz hat in dieser Woche gute Zahlen für die ersten 3 Monate 2019 veröffentlicht. So steig der Umsatz im ersten Quartal um 12,1% auf 76,8 Mio. €, wozu insbesondere die Segmente Electronics (+205,6%) und Contract Manufacturing (+84,2%) beigetragen haben. Im Segment Electronics zeigten sich dabei positive Umsatzeffekte aus der Abarbeitung des 2018 erhaltenen Großauftrags (ca. 76mEUR). Zugleich konnte zuletzt ein weiterer Auftrag im Bereich Displays über rund 14 Mio. € erhalten werden. Die Umsätze in den Segmenten Solar (-61,4%), Energy Storage (-20,9%) und Service (-7,3%) entwickelten sich dagegen rückläufig. Während im Segment Solar Verzögerungen auf Kundenseite durch die noch nicht fertiggestellte Produktionshalle ursächlich waren, führte eine noch zurückhaltende Auftragserteilung im Bereich Energy Storage aufgrund der ausstehenden Entscheidung zur Vergabe von Förderprogrammen auf europäischer und deutscher Ebene zu Verzögerungen. Allerdings zeigt sich das Management zuversichtlich in diesem Jahr noch Aufträge in diesem Bereich zu erhalten. Insgesamt stehen Aufträge im dreistelligen Millionenbereich im Raum.

 

 Auf der Ergebnisseite konnte das Unternehmen ebenfalls Fortschritte erzielen. Das EBITDA stieg – auch aufgrund von positiven Effekten im EBITDA i.H.v. 1,1 Mio. € (LSe) - auf 5,1 Mio. € (Vj. -1,56). Das EBIT stieg auf 0,65 Mio. € (Vj. -3,50) und lag erstmals seit 2011 in einem ersten Quartal wieder im positiven Bereich. Positiv ist dabei hervorzuheben, dass sich die aktivierten Eigenleistungen um rund 28% verringert haben, wobei dieser Rückgang durch erhöhte sonstige betriebliche Erträge mehr oder weniger ausgeglichen wurde. Das Rohergebnis konnte sich ebenfalls sehr gut entwickeln und stieg um 22,0% auf 29,1 Mio. €, sodass eine Rohmarge von 38,0% (Vj. 34,9%; 2018: 37,7%) erreicht wurde. Die Personalaufwendungen stiegen erneut lediglich leicht um 2,4% an.

 

Bei den Neuaufträgen musste vor allem aufgrund von Verzögerungen in der Auftragserteilung im Bereich Energy Storage (5,9mEUR/-75,7%) ein deutlicher Rückgang auf 41,0 Mio. € (-42,3%) verzeichnet werden. Der Auftragsbestand verblieb jedoch mit 196,7 Mio. € (-11,0%) weiterhin auf einem sehr hohen Niveau.

 

Im Nachgang an die Q1-Zahlen habe ich meine Umsatz- und Ergebnisschätzungen leicht überarbeitet. Aufgrund der Verzögerungen für Aufträge im Bereich Energy Storage habe ich meine Umsatzschätzungen von bislang +80% auf +70% (Prognose +70-90%) reduziert. Dadurch sinkt meine Umsatzprognose für 2019 von bislang 327,5 Mio. € (+10,3%) auf 325,5 Mio. € (+9,6%). Zugleich habe ich für 2020 und 2021 einen um 5 Mio. € geringeren Umsatzbeitrag im Segment Solar aufgrund der Verzögerungen auf Kundenseite berücksichtigt, wenngleich das Management weiterhin noch in diesem Jahr mit Folgeaufträgen im Bereich CIGS rechnet. Den leichten Reduzierungen steht jedoch ein geringerer Capex entgegen (Q1 -35,6%), sodass das Kursziel unverändert bei 45,00€ verbleibt. Aufträge im Bereich Energy Storage sowie Folgeaufträge im Solar Segment dürften sich im weiteren Jahresverlauf als die entsprechenden Kurstreiber erweisen. 


22.04.2019 | Mit neuem Vorstandsteam zu profitablem Wachstum

Manz befindet sich auf operativem Turnaroundkurs. Nachdem das Ergebnis 2017 durch den Verkauf einer Tochtergesellschaft einen positiven Sondereffekt i.H.v. 34,4 Mio. € enthalten hatte und folglich das EBIT mit 0,6 Mio. € leicht positiv war, konnte nun auch auf operativer, bereinigter Basis, der Turnaround geschafft werden. Nachdem für 2018 die Tochtergesellschaft Talus Manufacturing in Taiwan (Anteil 80,5%) rückwirkend entkonsolidiert wurde, ergab sich für 2017 ein bereinigtes EBIT von -33,8 Mio. €. 2018 konnte durch ein Wachstum auf vergleichbarer Basis von 11,6% auf 296,9 Mio. € (+13,1% inkl. Talus) das EBIT auf -3,4 Mio. € gesteigert werden. Allerdings war auch dieses Ergebnis durch einen Sondereffekte geprägt. So hatte es im zweiten Quartal 2018 bei der Tochtergesellschaft Talus einen Kabelbrand gegeben, der zu Sonderaufwendungen i.H.v. 5,1 Mio. € bei der Manz geführt hat. Bereinigt um diesen Effekt konnte ein EBIT von 1,7 Mio. € erreicht werden.

 

Zu dieser positiven Ergebnisentwicklung haben vor allem die Segmente Solar, Electronics und Energy Storage beigetragen. Insbesondere im Segment Solar konnte durch die Abarbeitung des Anfang 2017 erhaltenen CIGS-Großauftrags (263 Mio. €) eine sehr gute EBIT-Marge von 13,7% und somit ein EBIT-Beitrag von 14,4 Mio. € erreicht werden. Die Segmente Electronics (-12,0 Mio. €) und Energy Storage (-9,9 Mio. €) konnten ihre Ergebnisse zwar verbessern, erzielten jedoch jeweils noch einen deutlichen Verlust. Deutlich positiv entwickelte sich allerdings der Umsatz, der um 6,0% im Segment Electronics auf 93,9 Mio. € und um 48,3% auf 35,3 Mio. € im Segment Energy Storage gesteigert wurde. Im Segment Contract Manufacturing (+34,7%) konnte der Umsatz ebenfalls deutlich gesteigert werden, wobei das Ergebnis i.H.v. 1,2 Mio. € (-69,5%) maßgeblich durch den negativen Ergebniseffekt im Zuge des Brands in Taiwan beeinflusst war. Im Segment Service konnte ein Wachstum von 12,6% auf 19,5 Mio. € bei einem aufgrund eines veränderten Produktmix rückläufigen EBIT von 3,9 Mio. € (-31,4%) erreicht werden. Die EBIT-Marge lag mit 19,8% somit dennoch auf einem sehr guten Niveau. Bei den Kostenpositionen wurde die positive Ergebnisentwicklung vor allem durch eine gesteigerte Rohmarge auf 37,7% (Vj. 35,7%) und einen leichten Rückgang der Personalaufwendungen (-1,0%) unterstützt.

 

Positiv zeigt sich auch die Entwicklung im Auftragseingang und Auftragsbestand. Zwar war der Auftragseingang im größten Segment Solar mit 32,4 Mio. € (-87,8%) deutlich rückläufig. Dies ist jedoch auf den Umstand zurückzuführen, dass 2017 der CIGS-Großauftrag erhalten wurde und erst Ende 2019 mit Folgeaufträgen gerechnet wird. Durch die Abarbeitung reduzierte sich auch der Auftragsbestand auf 91,1 Mio. € (-43,4%). Im Segment Electronics konnte der Auftragseingang deutlich um 85,7% auf 152,3 Mio. € gesteigert werden, sodass der Auftragsbestand auf 92,7 Mio. € (+150,5%) anstieg. Hierzu hatte insbesondere ein Großauftrag über 76 Mio. € von einem der größten Display-Hersteller Chinas beigetragen, der bereits im Jahr 2016 einen Auftrag platziert hatte. Ebenfalls im Segment Energy Storage stiegen die Neuaufträge um 53,4% auf 40,8 Mio. € deutlich an und der Auftragsbestand erreichte einen Wert von 20,9 Mio. € (+81,7%). Im Segment Contract Manufacturing konnte ein deutliches Plus von 71,2% im Auftragseingang auf 44,5 Mio. € verzeichnet werden, wodurch der Auftragsbestand auf 10,6 Mio. € (+27,7%) anstieg. Letztlich konnte auch im Servicebereich ein Auftragsplus von 20,3% auf 21,9 Mio. € erreicht werden. Durch den deutlichen Rückgang im Segment Solar reduzierte sich jedoch der Auftragseingang im Konzern um 30,4% auf 291,9 Mio. €, wohingegen der Auftragsbestand mit 215,3 Mio. € (-1,1%) nahezu konstant blieb.

 

Aufgrund der positiven Auftragsentwicklung in den Nicht-Solar Segmenten zeigt sich der Vorstand, der in dieser Konstellation im Jahresverlauf 2018 bestellt wurde, zuversichtlich, den Umsatz erneut zweistellig steigern zu können und erwartet ein Umsatzwachstum von 10-14% in diesem Jahr. Langfristig strebt das Management ein Wachstum von 10-20% p.a an. Für das Ergebnis wird eine EBIT-Marge im niedrigen einstelligen und für das EBITDA im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet. Für die kommenden Jahre wird eine EBIT-Marge von 10% und eine EBITDA-Marge von >15% angestrebt. Der Vorstand ist dazu über die variable Vergütung auch entsprechend an der zukünftigen Ergebnisentwicklung sowie Steigerung der Marktkapitalisierung beteiligt.

 

Auf Basis meiner Planungen erwarte ich für 2019 eine Umsatzsteigerung von 10,3% auf 327,5 Mio. €, die damit am unteren Ende der Prognosespanne liegt. Insbesondere die Segmente Electronics (LSe: +36%) und Energy Storage (LSe: +80,0%) dürften sich als Wachstumstreiber erweisen, wohingegen ich für das Segment Solar (LSe: -38,0%) wie von Manz prognostiziert einen deutlichen Umsatzrückgang erwarte. Mit Folgeaufträgen Ende 2019 dürfte sich im Jahr 2020 wieder ein leicht zweistelliges Wachstum ergeben, sodass ich für 2020 im Konzern mit +14,7% ein leicht höheres Wachstum als in diesem Jahr erwarte. Für das EBIT erwarte ich in diesem Jahr einen Wert von 7,6 Mio. € (2,3% EBIT-Marge) und für das kommende Jahr von 19,3 Mio. € (5,1% EBIT-Marge). Langfristig kalkuliere ich mit einer Steigerung auf 7,4%. Für das EBITDA rechne ich mit 21,6 Mio. € (6,6%) in diesem und 33,9 Mio. € (9,0%) im nächsten Jahr sowie einer langfristigen EBITDA-Marge von 10,5%. Auf Basis meiner Schätzungen ergibt sich somit im Rahmen des DCF-Modells ein Kursziel von 45,00€. Zwar fällt das KGV mit knapp 63 für dieses Jahr recht hoch aus, aufgrund der Nettoliquidität von 39,5 Mio. € liegt das EV/EBITDA jedoch nur bei 8,3 und dürfte sich im kommenden Jahr auf 5,1 reduzieren. Das KGV für 2020 liegt aktuell bei 18,8.