Die MBB SE ist ein mittelständisches Familienunternehmen, das auf Erwerb und Management mittelständischer Industrieunternehmen mit hoher Technologie und Ingenieurskompetenz fokussiert ist. Unsere Unternehmen sind in selbständigen Einheiten von 80 bis 1.100 Mitarbeitern organisiert und gehören dem deutschen Mittelstand an. Tradition, regionale Identität und Verpflichtung für Ausbildung, Mitarbeiter und das Gemeinwohl sind wesentliche Eckpfeiler für uns. Über 20 Jahre erstklassige mittelständische Referenzen sind unsere Visitenkarte bei der Suche nach neuen Tochterunternehmen. Grundsätzlich ist der regionale Fokus der MBB der deutschsprachige Raum. Gleichwohl gewinnt die MBB durch weltweite Märkte und Kunden sowie ausländische Tochterunternehmen in zunehmendem Maße internationale Präsenz.


06.06.2020 | Licht und Schatten

MBB kann auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 zurückblicken. So erhöhte sich der Konzernumsatz von 506,59mEUR um 16,9% auf 592,06mEUR (LSe: 564m85mEUR / Prognose: 530mEUR), getrieben durch die Übernahmen der ISL (Feb 2019), Vorwerk (Juli 2019) sowie Bohlen & Doyen (Dez 2019). Organisch ergab sich durch den Umsatzrückgang bei der 2019 noch größten Beteiligung Aumann (43,8%) ein leichter Rückgang der Umsätze von ca. 2,7%. Bis auf Hanke (46,90mEUR / -1,3%) konnten alle weiteren Beteiligungen den Umsatz 2019 steigern. Am deutlichsten gelang dies der DTS, die den Umsatz, auch durch den Umsatzbeitrag der erworbenen ISL (2,69mEUR), um 20,5% auf 62,41mEUR steigern konnte. Die CT Formpolster konnte den Umsatz um 8,0% auf 39,1mEUR steigern, die OBO um 2,5% auf 20,50mEUR und die Delignit um 7,1% auf 64,60mEUR. Die im vergangenen Jahr erworbenen Gesellschaften Friedrich Vorwerk (89,88mEUR), Bohlen & Doyen (6,67mEUR) sowie ISL (2,69mEUR) haben somit einen anorganischen Umsatzbeitrag von 99,24mEUR geleistet. Da diese jedoch nur anteilig unterjährig konsolidiert wurden, hätte sich bei einer ganzjährigen Konsolidierung ein um 180,65mEUR höherer Umsatz ergeben.

 

Auf der Ergebnisseite konnte MBB im vergangenen Jahr ebenfalls deutlich zweistellig wachsen. So erhöhte sich das EBITDA um 50,0% auf 80,97mEUR (LSe: 70,66mEUR), war jedoch durch einmalige Sondereffekte (Badwill) im Rahmen der Übernahmen von Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen i.H.v. kumuliert 13,37mEUR positiv beeinflusst. Bereinigt um diesen Einmaleffekt ergab sich ein EBITDA i.H.v. 67,59mEUR (+25,2% / LSe: 54,34mEUR) sowie eine EBITDA-Marge von 11,4%, die damit leicht oberhalb der avisierten Zielspanne von 9-11% lag. Hier hat sich insbesondere eine verbesserte Profitabilität bei den beiden Tochtergesellschaften Hanke und CT Formpolster im Segment Consumer Goods sowie die sehr gute Profitabilität der beiden übernommenen Gesellschaften Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen niedergeschlagen. Aber auch die DTS konnte ihr Ergebnis überproportional steigern. Das Segment Technological Applications war dagegen vor allem durch den Margenrückgang bei Aumann, aber auch bei Delignit, belastet.

 

In das neue Geschäftsjahr 2020 ist MBB gemischt gestartet. Der Umsatz erhöhte sich zwar erneut um 33,7% auf 171,80mEUR, bedingt durch den Konsolidierungseffekt von Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen. Organisch dürfte hingegen aufgrund des Umsatzrückgangs von 28,7% bei Aumann im ersten Quartal ein Rückgang verzeichnet gewesen sein. Das EBITDA dagegen erhöhte sich lediglich unterproportional um 18,8% auf 15,79mEUR, in Folge dessen sich die Marge von 10,4% auf 9,2% reduzierte. Dies ist ebenfalls u.a. auf Aumann zurückzuführen, deren EBITDA in den ersten drei Monaten um 81,0% auf 1,53mEUR zurückging. Nachdem das Management Anfang März im Rahmen der vorläufigen Zahlen noch von einem Umsatzanstieg auf mehr als 660mEUR sowie einer EBITDA-Marge von 8-10% ausging, wird aktuell keine konkrete Prognose abgegeben. Dennoch strebt der Vorstand bis 2025 unverändert das Umsatzziel von 1 Mrd. € sowie eine EBITDA-Marge von >10% an.

 

Die Voraussetzungen für die kommenden Jahre sind zugleich grds. weiterhin gut. Mit den Übernahmen von Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen und dem damit verbundenen Einstieg in den Bereich Energieinfrastruktur, welcher deutlich weniger zyklisch ist, hat sich MBB nun breiter aufgestellt und zugleich die Abhängigkeit vom Automotive-Sektor reduziert. Die Vorwerk Gruppe (inkl. Bohlen & Doyen) soll in den kommenden Jahren vom deutlich steigenden Investitionsbedarf in das deutsche Strom- und Gasnetz profitieren, da die Vorwerk Gruppe eines der wenigen Unternehmen auf dem deutschen Markt ist, das über das notwendige Know-how und die Erfahrung mit Großprojekten im erdgebundenen Leitungsbau verfügt. So liegt der Investitionsbedarf in das deutsche Gasnetz laut Schätzungen der Bundesnetzagentur für die kommenden Jahre bei 6 Mrd. €, noch deutlich höher fallen die Schätzungen für nötige Investitionen in das Strom-Übertragungsnetz aus. Aufgrund der Energiewende in Deutschland und der damit folglich verbundenen Verlagerung von Nuklear- und Kohlestrom hin zu erneuerbaren Energien sowie Gas als alternative Energieträger, müssen neue Stromtrassen gebaut werden, um den Strom von Nord- nach Süddeutschland zu transportieren. Um Widerstand der Bevölkerung zu vermeiden, sollen diese Stromtrassen unterirdisch verbaut werden, wodurch sich die Investitionshöhe massiv erhöht und daher ein Investitionsbedarf von >60 Mrd. € bis 2030 erwartet wird. Aber auch Aumann sollte durch den von der Bundesregierung forcierten Wechsel auf Autos mit alternativen, insb. elektrischen Antrieben, in den kommenden Jahren profitieren und wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren können. Die DTS wird weiter vom steigenden Bedarf und der Nachfrage nach IT-Security Produkten bzw. Dienstleistungen in den kommenden Jahren profitieren und soll auch weiterhin durch gezielte Übernahmen verstärkt werden.

 

Mit Veröffentlichung des Geschäftsberichts für 2019 sowie der Q1-Zahlen Ende Mai habe ich meine Schätzungen überarbeitet und mein Model auf das Jahr 2020 umgestellt. Die Umsätze im vergangenen lagen einerseits deutlich über meinen Erwartungen, andererseits ist der gesamte Umsatzbeitrag aus der Vorwerk Gruppe mit rund 277mEUR deutlich höher als bisher angenommen (>200mEUR). Daher erhöht sich meine Umsatzerwartung für dieses Jahr trotz des deutlichen Umsatzrückgangs bei Aumann (2020e: -31,2%) von 670,86mEUR auf 689,10mEUR. Das EBITDA erwarte ich jedoch aufgrund des sehr deutlichen Ergebnisrückgangs bei Aumann und insgesamt konservativeren Annahmen mit 54,98mEUR (alt: 61,52mEUR) niedriger. Bis 2022 erwarte ich eine Fortsetzung des Wachstumskurses auf 804,31mEUR bei einer EBITDA-Marge von 9,9%. Zusätzliches Potenzial ergibt sich durch die hohe Nettoliquidität sowohl auf Konzern- (31.03.2020: 196,08mEUR) als auch auf Holdingebene (31.03.2020: 171,5mEUR = 28,87€ pro Aktie), wodurch auf Ebene der bestehenden Tochtergesellschaften Übernahmen getätigt werden können oder auch neue Plattformunternehmen durch Käufe der Holding integriert werden können. Für die weitere M&A-Strategie sollte sich die sehr gute Liquiditätssituation als vorteilhaft erweisen. Zudem dient dies in der aktuellen Situation auch als Puffer, da die Nettoliquidität höher als ein Quartalsumsatz ist. Insgesamt erhöht sich das Kursziel aufgrund der gestiegenen Umsatzerwartungen von zuletzt 99,00€ auf nunmehr 104,00€. 


05.03.2020 | Ziele übertroffen, verhaltener Ausblick

MBB hat in dieser Woche vorläufige Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr 2019 veröffentlicht und im Rahmen dessen mit einem Umsatz i.H.v. 592,1mEUR (+16,9% / LSe: 564,8mEUR) die Prognose von 530mEUR deutlich übertroffen. Dazu hat auch ein deutlich höher als bislang erwarteter Umsatz aus den beiden im vergangenen Jahr übernommenen Gesellschaften Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen beigetragen, deren Erstkonsolidierung einen Umsatz von >95mEUR beisteuerte. Sehr positiv hat sich aus dem bestehenden Portfolio die auf IT-Security spezialisierte DTS entwickelt, die den Umsatz, auch durch die Übernahme von 66% an der ISL Internet Sicherheitslösungen GmbH im Februar 2019, um rund 26% auf >65mEUR steigerte. Ebenso die Tochtergesellschaften Delignit (64,4mEUR / +6,9%) und CT Formpolster konnten ihre Umsätze im vergangenen Jahr steigern, während Hanke und OBO lediglich einen Umsatz auf Vorjahresniveau erzielten. Aumann, als noch größte Beteiligung im MBB Konzern, hingegen verzeichnete einen Umsatzrückgang von 10,7% auf 259,6mEUR.

 

Mit Blick auf die Ergebnisentwicklung konnte MBB das vergangene Jahr ebenfalls sehr erfolgreich abschließen. So stieg das bereinigte EBITDA um 25,4% auf 67,7mEUR (LSe: 54,3mEUR / bereinigt um positive Bewertungseffekte aus der Übernahme von Vorwerk und Bohlen & Doyen = Badwill), sodass die EBITDA-Marge mit 11,4% oberhalb der Prognose von 9-11% lag. Beide genannten Gesellschaften konnten eine zweistellige EBITDA-Marge erzielen. Das Ergebnis belastet haben hingegen die beiden Börsen gelisteten Gesellschaften Aumann und Delignit 2019, deren EBITDA um 34,7% bzw. 16,7% rückläufig war. Für 2020 rechnet das Management nun mit einem weiteren Umsatzanstieg auf >660mEUR, der allerdings stark durch den erwarteten Umsatzrückgang bei Aumann (180-200mEUR Umsatz / 2019: 259,6mEUR) belastet ist. Gleichzeitig profitiert MBB durch die ganzjährige Konsolidierung von Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen, die den Umsatzrückgang bei Aumann überkompensieren werden. Zudem hat auch Delignit weiteres Wachstum prognostiziert (>70mEUR / 2019: 64,4mEUR) und auch bei der DTS ist weiter von einem dynamischen Wachstum auszugehen. Für die EBITDA-Marge wird aufgrund eines deutlichen Rückgangs der Marge bei Aumann (2020e: bis zu 5% / 2019: 8,0%) eine Spanne von 8-10% erwartet, die damit diesem Umstand Rechnung trägt. Da sich der Umsatzanteil von Aumann am MBB Konzernumsatz jedoch 2020 von 43,8% (2019) auf 28,8% (190mEUR Umsatz zu Grunde gelegt) reduzieren wird, dürfte der untere Bereich der Prognose äußerst konservativ gewählt sein. Abgefedert werden sollte ein Margenrückgang bei Aumann durch die beiden Gesellschaften Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen, die eine zweistellige EBITDA-Marge erzielen und 2020 einen höheren Umsatz als Aumann beisteuern sollten. Mit einer Nettoliquidität von 249,8mEUR im Konzern und 184,5mEUR auf Holding-Ebene bieten sich MBB zudem sehr gute Möglichkeiten, um weitere Akquisitionen zu tätigen und so das Wachstum weiter zu beschleunigen bzw. die Branchendiversifikation fortzusetzen.

 

Auch wenn die Zahlen für 2019 sehr gut und besser als erwartet ausgefallen sind, zeigt sich das MBB Management für 2020 lediglich verhalten optimistisch. Der Umsatzrückgang bei Aumann wird durch die ganzjährige Konsolidierung von Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen und organischem Wachstum bei DTS sowie Delignit überkompensiert. Das organische Wachstum (exkl. Aumann & Delignit) dürfte demnach 2020 im oberen einstelligen bis niedrig zweistelligen Prozentbereich liegen. Die EBITDA-Marge sollte aus heutiger Sicht jedoch in der oberen Hälfte erreichbar sein, da der Ergebnisrückgang bei Aumann durch die beiden genannten Übernahmen, die eine zweistellige EBITDA-Marge erzielen, abgefedert wird. Dennoch habe ich meine Schätzungen für 2020 (Umsatz 755,9mEUR / EBITDA-Marge 9,7%) an den nun veröffentlichten Ausblick angepasst und auf 670,9mEUR beim Umsatz und 9,2% bei der EBITDA-Marge reduziert. Daraus ergeben sich auch geringere Umsatz- und Ergebnisschätzungen für 2021 von 724,5mEUR (alt: 816,4) bzw. 71,5mEUR (alt: 85,7). Durch einen leicht reduzierten Zinssatz aufgrund eines gesunkenen risikolosen Zinssatzes für Unternehmensbewertungen wird zwar ein Teil der geringeren Schätzungen kompensiert. Dennoch sinkt das Kursziel von zuletzt 105,00€ (Studie Top Picks 2020 vom 01.01.2020) auf nunmehr 99,00€.