Die MBB SE ist ein mittelständisches Familienunternehmen, das auf Erwerb und Management mittelständischer Industrieunternehmen mit hoher Technologie und Ingenieurskompetenz fokussiert ist. Unsere Unternehmen sind in selbständigen Einheiten von 80 bis 1.100 Mitarbeitern organisiert und gehören dem deutschen Mittelstand an. Tradition, regionale Identität und Verpflichtung für Ausbildung, Mitarbeiter und das Gemeinwohl sind wesentliche Eckpfeiler für uns. Über 20 Jahre erstklassige mittelständische Referenzen sind unsere Visitenkarte bei der Suche nach neuen Tochterunternehmen. Grundsätzlich ist der regionale Fokus der MBB der deutschsprachige Raum. Gleichwohl gewinnt die MBB durch weltweite Märkte und Kunden sowie ausländische Tochterunternehmen in zunehmendem Maße internationale Präsenz.


14.09.2020 | Gestiegene Diversifikation hilft

MBB hat Mitte August den Halbjahresbericht veröffentlicht und im Rahmen dessen über solide Zahlen berichten können. Dennoch zeigten die Zahlen auch Licht und Schatten. Auf der Umsatzseite verzeichnete MBB ein starkes Wachstum von 30,8% auf 328,85mEUR, im zweiten Quartal von 27,8% auf 157,05mEUR. Diese positive Entwicklung ist jedoch ausschließlich auf das Segmente Service & Infrastructure und die im Vorjahr getätigten Übernahmen Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen zurückzuführen. So erhöhte sich der Umsatz in diesem Segment im ersten Halbjahr signifikant auf 171,86mEUR (Vj. 30,38mEUR) und im zweiten Quartal auf 91,55mEUR (Vj. 15,75mEUR). Zu diesem Anstieg haben die beiden neu erworbenen Gesellschaften, die nun die Vorwerk Gruppe bilden, mit einem Umsatz i.H.v. 137,96mEUR im ersten Halbjahr bzw. 75,36mEUR im zweiten Quartal (Vorjahr jeweils noch kein Umsatz) beigetragen. Zwar konnte die ebenfalls in diesem Segment enthaltene DTS nach 6 Monaten auch ein hauptsächlich organisches Wachstum von 11,6% auf 33,90mEUR erzielen. Im zweiten Quartal hat sich dieses Wachstum allerdings auf 2,8% deutlich verlangsamt. Die anderen beiden Segmente Technological Applications (Aumann, Delignit, OBO) sowie Consumer Goods (CT Formpolster, Hanke) verzeichneten dagegen jeweils ein zweistelliges Umsatzminus. Die Umsätze im Segment Technological Applications reduzierten sich zum Halbjahr deutlich um 32,9% auf 118,45mEUR und im zweiten Quartal noch deutlicher um 43,3% auf 49,11mEUR. Dies ist vor allem auf die größte Beteiligung in diesem Segment, Aumann, mit einem Umsatzrückgang von 36,6% auf 84,67mEUR (HJ) bzw. 44,7% auf 36,58mEUR (Q2) zurückzuführen. Hintergrund dessen sind der schwache Auftragseingang der Vorquartale sowie die deutlichen Einschnitte in der Automobilbranche. Aber auch die anderen beiden Gesellschaften in diesem Segment, Delignit und OBO, verzeichneten einen Umsatzrückgang von 20,6% auf 25,63mEUR bzw. von 24,1% auf 8,15mEUR in den ersten 6 Monaten. Bei Delignit belasteten vor allem die COVID-19 bedingten Produktionsstilllegungen bei allen großen OEM-Kunden im Automotive Bereich sowie fehlende Anschlussaufträge bei der Produktgruppe Schienenfahrzeuge im Bereich Technological Applications den Umsatz. Das Segment Consumer Goods verzeichnete im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang von 13,4% auf 38,54mEUR bzw. von 20,1% auf 16,39mEUR im zweiten Quartal. Zwar hatte Hanke vom verstärkten Bedarf nach Toilettenpapier profitiert, war gleichzeitig allerdings auch von einer niedrigeren Nachfrage nach Servietten in der Gastronomie betroffen. CT Formpolster konnte zwar ebenfalls von einer steigenden Online-Nachfrage profitieren, die jedoch nicht den Umsatzrückgang im stationären Handel im Zuge der temporären Schließungen aufgrund von COVID-19 kompensieren konnte. Betrachtet man daher lediglich den organischen Anteil (ohne die Vorwerk Gruppe) verzeichnete der MBB Konzern im ersten Halbjahr ein deutliches Minus beim Umsatz von 24,1% bzw. von 33,5% im zweiten Quartal. Dennoch konnte durch die beiden im letzten Jahr getätigten Übernahmen der Anteil der Automotive Töchter Aumann & Delignit deutlich von 65,9% auf 33,5% gesenkt werden.

 

Das EBITDA erhöhte sich im ersten Halbjahr um 5,0% auf 25,42mEUR, war jedoch durch die sehr schwache Ergebnisentwicklung bei Aumann (-4,04mEUR / Vj. 13,86mEUR) belastet. Zugleich enthielt das EBITDA Einmalaufwendungen i.H.v. 3,30mEUR aufgrund der Schließung des Aumann Standorts in Hennigsdorf (3,0mEUR) sowie Anpassungsaufwendungen zur Kapazitätsreduzierung an anderen Standorten (0,3mEUR), die im zweiten Quartal angefallen sind. Bereinigt lag das EBITDA bei 28,72mEUR (+18,7%). Dies zeigt, dass MBB den EBITDA-Rückgang von Aumann auf bereinigter Ebene i.H.v. 14,59mEUR fast vollständig durch andere Gesellschaften bzw. die übernommenen Gesellschaften Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen kompensieren konnte. Im zweiten Quartal reduzierte sich das EBITDA im MBB Konzern um 11,8% auf 9,63mEUR aufgrund der genannten Einmalaufwendungen bei Aumann. Bereinigt um diese Aufwendungen hätte das EBITDA bei 12,93mEUR (+18,5%) gelegen. Der deutliche Ergebnisrückgang bei Aumann zeigt sich auch im Technological Applications Segmentergebnis. Dieses reduzierte sich im ersten Halbjahr deutlich von 16,71mEUR auf -2,48mEUR bzw. von 6,98mEUR auf -5,64mEUR im zweiten Quartal. Delignit verzeichnete in der ersten Jahreshälfte mit einem EBITDA i.H.v. 1,58mEUR noch ein klar positives Ergebnis, das jedoch ebenfalls um 34,7% unter Vorjahr lag. Das EBITDA im Segment Consumer Goods hat sich zum Halbjahr nur leicht von 3,69mEUR auf 3,56mEUR reduziert, sodass die EBITDA-Marge von 8,3% auf 9,2% gesteigert werden konnte. Diese Entwicklung ist jedoch auf ein sehr gutes Auftaktquartal zurückzuführen. Im zweiten Quartal reduzierte sich das EBITDA dagegen um 37,1% auf 1,16mEUR und die EBITDA-Marge entsprechend von 9,0% auf 7,1%. Das inzwischen größte Segment Service Infrastructure (58,3% Umsatzanteil in Q2) konnte das EBITDA sehr deutlich von 4,48mEUR auf 24,93mEUR im ersten Halbjahr steigern. Die EBITDA-Marge blieb mit 14,5% (Vj. 14,7%) auf einem sehr guten Niveau. Im zweiten Quartal stieg das EBITDA von 2,12mEUR auf 14,05mEUR und die EBITDA-Marge erhöhte sich auf 15,3% (Vj. 13,4%), wodurch deutlich wird, dass dieses Segment einen Großteil der Ergebnisrückgänge aus dem Technological Applications Segment auffangen konnte. Das Konzern-EBIT (6,20mEUR / -60,2%) im ersten Halbjahr war einerseits durch erhöhte operative Abschreibungen aus den Übernahmen sowie andererseits den daraus resultierenden PPAs belastet. Im zweiten Quartal fielen zusätzlich zu den oben genannten Einmalaufwendungen i.H.v. 3,30mEUR außerplanmäßige Abschreibungen i.H.v. 0,30mEUR auf das Anlagevermögen am Standort Hennigsdorf bei Aumann an, sodass das berichtete EBIT mit -0,13mEUR leicht negativ ausfiel.

 

Mit Blick auf das Gesamtjahr zeigt sich das Management nun wieder zuversichtlicher als noch nach dem ersten Quartal. Nachdem MBB Anfang März im Rahmen der vorläufigen Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr 2020 zunächst einen Umsatzanstieg auf >660mEUR sowie eine EBITDA-Marge von 8-10% prognostiziert hatte, wurde dieser Ausblick mit den Q1-Zahlen Ende Mai vorerst ausgesetzt. Mit den nun veröffentlichten Halbjahreszahlen und der über den Erwartungen verlaufenden Geschäftsentwicklung bei der Vorwerk Gruppe hält das Management diesen ursprünglichen Ausblick nun wieder für erreichbar. Bereits zum Halbjahr lag die EBITDA-Marge auf bereinigter Basis mit 8,7% in diesem Bereich, sodass bei einer zu erwartenden, besseren Geschäftsentwicklung bei Aumann und Delignit im zweiten Halbjahr, die EBITDA-Marge gut erreicht werden dürfte. Auch mit Blick auf die Umsatzprognose hat MBB mit 328,85mEUR zum Halbjahr nahezu die Hälfte des avisierten Umsatzes erreicht und sollte die Prognose daher gut erreichen können. Zwar habe ich meine Umsatzschätzungen aufgrund der schwachen Umsatzentwicklung in den Segmenten Technological Applications und Consumer Goods von 689,10mEUR auf 672,24mEUR (+13,5% vs. 2019) reduziert, meine Ergebnisschätzung aufgrund der sehr guten Entwicklung im Service & Infrastructure Segment jedoch von 54,98mEUR (8,0%) auf 57,19mEUR (8,5%) angehoben. So erwarte ich für das Segment Technological Applications einen Umsatzrückgang von 27,1% auf 251,22mEUR und von 9,9% auf 77,40mEUR für das Consumer Goods Segment, während ich für das Service & Infrastructure Segment eine Umsatzverdopplung auf 343,62mEUR (Vj. 161,67mEUR) sehe. Mittelfristig erwarte ich für den Konzern nun eine EBITDA-Marge von 10,4% nach zuletzt 9,9%, die damit im Rahmen der Wachstumsziele (>10% EBITDA-Marge) liegt. Folglich erhöht sich das Kursziel für die MBB Aktie von zuletzt 104,00€ auf 112,00€. 


06.06.2020 | Licht und Schatten

MBB kann auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 zurückblicken. So erhöhte sich der Konzernumsatz von 506,59mEUR um 16,9% auf 592,06mEUR (LSe: 564m85mEUR / Prognose: 530mEUR), getrieben durch die Übernahmen der ISL (Feb 2019), Vorwerk (Juli 2019) sowie Bohlen & Doyen (Dez 2019). Organisch ergab sich durch den Umsatzrückgang bei der 2019 noch größten Beteiligung Aumann (43,8%) ein leichter Rückgang der Umsätze von ca. 2,7%. Bis auf Hanke (46,90mEUR / -1,3%) konnten alle weiteren Beteiligungen den Umsatz 2019 steigern. Am deutlichsten gelang dies der DTS, die den Umsatz, auch durch den Umsatzbeitrag der erworbenen ISL (2,69mEUR), um 20,5% auf 62,41mEUR steigern konnte. Die CT Formpolster konnte den Umsatz um 8,0% auf 39,1mEUR steigern, die OBO um 2,5% auf 20,50mEUR und die Delignit um 7,1% auf 64,60mEUR. Die im vergangenen Jahr erworbenen Gesellschaften Friedrich Vorwerk (89,88mEUR), Bohlen & Doyen (6,67mEUR) sowie ISL (2,69mEUR) haben somit einen anorganischen Umsatzbeitrag von 99,24mEUR geleistet. Da diese jedoch nur anteilig unterjährig konsolidiert wurden, hätte sich bei einer ganzjährigen Konsolidierung ein um 180,65mEUR höherer Umsatz ergeben.

 

Auf der Ergebnisseite konnte MBB im vergangenen Jahr ebenfalls deutlich zweistellig wachsen. So erhöhte sich das EBITDA um 50,0% auf 80,97mEUR (LSe: 70,66mEUR), war jedoch durch einmalige Sondereffekte (Badwill) im Rahmen der Übernahmen von Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen i.H.v. kumuliert 13,37mEUR positiv beeinflusst. Bereinigt um diesen Einmaleffekt ergab sich ein EBITDA i.H.v. 67,59mEUR (+25,2% / LSe: 54,34mEUR) sowie eine EBITDA-Marge von 11,4%, die damit leicht oberhalb der avisierten Zielspanne von 9-11% lag. Hier hat sich insbesondere eine verbesserte Profitabilität bei den beiden Tochtergesellschaften Hanke und CT Formpolster im Segment Consumer Goods sowie die sehr gute Profitabilität der beiden übernommenen Gesellschaften Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen niedergeschlagen. Aber auch die DTS konnte ihr Ergebnis überproportional steigern. Das Segment Technological Applications war dagegen vor allem durch den Margenrückgang bei Aumann, aber auch bei Delignit, belastet.

 

In das neue Geschäftsjahr 2020 ist MBB gemischt gestartet. Der Umsatz erhöhte sich zwar erneut um 33,7% auf 171,80mEUR, bedingt durch den Konsolidierungseffekt von Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen. Organisch dürfte hingegen aufgrund des Umsatzrückgangs von 28,7% bei Aumann im ersten Quartal ein Rückgang verzeichnet gewesen sein. Das EBITDA dagegen erhöhte sich lediglich unterproportional um 18,8% auf 15,79mEUR, in Folge dessen sich die Marge von 10,4% auf 9,2% reduzierte. Dies ist ebenfalls u.a. auf Aumann zurückzuführen, deren EBITDA in den ersten drei Monaten um 81,0% auf 1,53mEUR zurückging. Nachdem das Management Anfang März im Rahmen der vorläufigen Zahlen noch von einem Umsatzanstieg auf mehr als 660mEUR sowie einer EBITDA-Marge von 8-10% ausging, wird aktuell keine konkrete Prognose abgegeben. Dennoch strebt der Vorstand bis 2025 unverändert das Umsatzziel von 1 Mrd. € sowie eine EBITDA-Marge von >10% an.

 

Die Voraussetzungen für die kommenden Jahre sind zugleich grds. weiterhin gut. Mit den Übernahmen von Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen und dem damit verbundenen Einstieg in den Bereich Energieinfrastruktur, welcher deutlich weniger zyklisch ist, hat sich MBB nun breiter aufgestellt und zugleich die Abhängigkeit vom Automotive-Sektor reduziert. Die Vorwerk Gruppe (inkl. Bohlen & Doyen) soll in den kommenden Jahren vom deutlich steigenden Investitionsbedarf in das deutsche Strom- und Gasnetz profitieren, da die Vorwerk Gruppe eines der wenigen Unternehmen auf dem deutschen Markt ist, das über das notwendige Know-how und die Erfahrung mit Großprojekten im erdgebundenen Leitungsbau verfügt. So liegt der Investitionsbedarf in das deutsche Gasnetz laut Schätzungen der Bundesnetzagentur für die kommenden Jahre bei 6 Mrd. €, noch deutlich höher fallen die Schätzungen für nötige Investitionen in das Strom-Übertragungsnetz aus. Aufgrund der Energiewende in Deutschland und der damit folglich verbundenen Verlagerung von Nuklear- und Kohlestrom hin zu erneuerbaren Energien sowie Gas als alternative Energieträger, müssen neue Stromtrassen gebaut werden, um den Strom von Nord- nach Süddeutschland zu transportieren. Um Widerstand der Bevölkerung zu vermeiden, sollen diese Stromtrassen unterirdisch verbaut werden, wodurch sich die Investitionshöhe massiv erhöht und daher ein Investitionsbedarf von >60 Mrd. € bis 2030 erwartet wird. Aber auch Aumann sollte durch den von der Bundesregierung forcierten Wechsel auf Autos mit alternativen, insb. elektrischen Antrieben, in den kommenden Jahren profitieren und wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren können. Die DTS wird weiter vom steigenden Bedarf und der Nachfrage nach IT-Security Produkten bzw. Dienstleistungen in den kommenden Jahren profitieren und soll auch weiterhin durch gezielte Übernahmen verstärkt werden.

 

Mit Veröffentlichung des Geschäftsberichts für 2019 sowie der Q1-Zahlen Ende Mai habe ich meine Schätzungen überarbeitet und mein Model auf das Jahr 2020 umgestellt. Die Umsätze im vergangenen lagen einerseits deutlich über meinen Erwartungen, andererseits ist der gesamte Umsatzbeitrag aus der Vorwerk Gruppe mit rund 277mEUR deutlich höher als bisher angenommen (>200mEUR). Daher erhöht sich meine Umsatzerwartung für dieses Jahr trotz des deutlichen Umsatzrückgangs bei Aumann (2020e: -31,2%) von 670,86mEUR auf 689,10mEUR. Das EBITDA erwarte ich jedoch aufgrund des sehr deutlichen Ergebnisrückgangs bei Aumann und insgesamt konservativeren Annahmen mit 54,98mEUR (alt: 61,52mEUR) niedriger. Bis 2022 erwarte ich eine Fortsetzung des Wachstumskurses auf 804,31mEUR bei einer EBITDA-Marge von 9,9%. Zusätzliches Potenzial ergibt sich durch die hohe Nettoliquidität sowohl auf Konzern- (31.03.2020: 196,08mEUR) als auch auf Holdingebene (31.03.2020: 171,5mEUR = 28,87€ pro Aktie), wodurch auf Ebene der bestehenden Tochtergesellschaften Übernahmen getätigt werden können oder auch neue Plattformunternehmen durch Käufe der Holding integriert werden können. Für die weitere M&A-Strategie sollte sich die sehr gute Liquiditätssituation als vorteilhaft erweisen. Zudem dient dies in der aktuellen Situation auch als Puffer, da die Nettoliquidität höher als ein Quartalsumsatz ist. Insgesamt erhöht sich das Kursziel aufgrund der gestiegenen Umsatzerwartungen von zuletzt 99,00€ auf nunmehr 104,00€. 


05.03.2020 | Ziele übertroffen, verhaltener Ausblick

MBB hat in dieser Woche vorläufige Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr 2019 veröffentlicht und im Rahmen dessen mit einem Umsatz i.H.v. 592,1mEUR (+16,9% / LSe: 564,8mEUR) die Prognose von 530mEUR deutlich übertroffen. Dazu hat auch ein deutlich höher als bislang erwarteter Umsatz aus den beiden im vergangenen Jahr übernommenen Gesellschaften Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen beigetragen, deren Erstkonsolidierung einen Umsatz von >95mEUR beisteuerte. Sehr positiv hat sich aus dem bestehenden Portfolio die auf IT-Security spezialisierte DTS entwickelt, die den Umsatz, auch durch die Übernahme von 66% an der ISL Internet Sicherheitslösungen GmbH im Februar 2019, um rund 26% auf >65mEUR steigerte. Ebenso die Tochtergesellschaften Delignit (64,4mEUR / +6,9%) und CT Formpolster konnten ihre Umsätze im vergangenen Jahr steigern, während Hanke und OBO lediglich einen Umsatz auf Vorjahresniveau erzielten. Aumann, als noch größte Beteiligung im MBB Konzern, hingegen verzeichnete einen Umsatzrückgang von 10,7% auf 259,6mEUR.

 

Mit Blick auf die Ergebnisentwicklung konnte MBB das vergangene Jahr ebenfalls sehr erfolgreich abschließen. So stieg das bereinigte EBITDA um 25,4% auf 67,7mEUR (LSe: 54,3mEUR / bereinigt um positive Bewertungseffekte aus der Übernahme von Vorwerk und Bohlen & Doyen = Badwill), sodass die EBITDA-Marge mit 11,4% oberhalb der Prognose von 9-11% lag. Beide genannten Gesellschaften konnten eine zweistellige EBITDA-Marge erzielen. Das Ergebnis belastet haben hingegen die beiden Börsen gelisteten Gesellschaften Aumann und Delignit 2019, deren EBITDA um 34,7% bzw. 16,7% rückläufig war. Für 2020 rechnet das Management nun mit einem weiteren Umsatzanstieg auf >660mEUR, der allerdings stark durch den erwarteten Umsatzrückgang bei Aumann (180-200mEUR Umsatz / 2019: 259,6mEUR) belastet ist. Gleichzeitig profitiert MBB durch die ganzjährige Konsolidierung von Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen, die den Umsatzrückgang bei Aumann überkompensieren werden. Zudem hat auch Delignit weiteres Wachstum prognostiziert (>70mEUR / 2019: 64,4mEUR) und auch bei der DTS ist weiter von einem dynamischen Wachstum auszugehen. Für die EBITDA-Marge wird aufgrund eines deutlichen Rückgangs der Marge bei Aumann (2020e: bis zu 5% / 2019: 8,0%) eine Spanne von 8-10% erwartet, die damit diesem Umstand Rechnung trägt. Da sich der Umsatzanteil von Aumann am MBB Konzernumsatz jedoch 2020 von 43,8% (2019) auf 28,8% (190mEUR Umsatz zu Grunde gelegt) reduzieren wird, dürfte der untere Bereich der Prognose äußerst konservativ gewählt sein. Abgefedert werden sollte ein Margenrückgang bei Aumann durch die beiden Gesellschaften Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen, die eine zweistellige EBITDA-Marge erzielen und 2020 einen höheren Umsatz als Aumann beisteuern sollten. Mit einer Nettoliquidität von 249,8mEUR im Konzern und 184,5mEUR auf Holding-Ebene bieten sich MBB zudem sehr gute Möglichkeiten, um weitere Akquisitionen zu tätigen und so das Wachstum weiter zu beschleunigen bzw. die Branchendiversifikation fortzusetzen.

 

Auch wenn die Zahlen für 2019 sehr gut und besser als erwartet ausgefallen sind, zeigt sich das MBB Management für 2020 lediglich verhalten optimistisch. Der Umsatzrückgang bei Aumann wird durch die ganzjährige Konsolidierung von Friedrich Vorwerk sowie Bohlen & Doyen und organischem Wachstum bei DTS sowie Delignit überkompensiert. Das organische Wachstum (exkl. Aumann & Delignit) dürfte demnach 2020 im oberen einstelligen bis niedrig zweistelligen Prozentbereich liegen. Die EBITDA-Marge sollte aus heutiger Sicht jedoch in der oberen Hälfte erreichbar sein, da der Ergebnisrückgang bei Aumann durch die beiden genannten Übernahmen, die eine zweistellige EBITDA-Marge erzielen, abgefedert wird. Dennoch habe ich meine Schätzungen für 2020 (Umsatz 755,9mEUR / EBITDA-Marge 9,7%) an den nun veröffentlichten Ausblick angepasst und auf 670,9mEUR beim Umsatz und 9,2% bei der EBITDA-Marge reduziert. Daraus ergeben sich auch geringere Umsatz- und Ergebnisschätzungen für 2021 von 724,5mEUR (alt: 816,4) bzw. 71,5mEUR (alt: 85,7). Durch einen leicht reduzierten Zinssatz aufgrund eines gesunkenen risikolosen Zinssatzes für Unternehmensbewertungen wird zwar ein Teil der geringeren Schätzungen kompensiert. Dennoch sinkt das Kursziel von zuletzt 105,00€ (Studie Top Picks 2020 vom 01.01.2020) auf nunmehr 99,00€.