Die pferdewetten.de AG hat sich zu einer festen Größe im Markt für Pferdewetten in Deutschland etabliert. Ausgestattet mit Lizenzen in Deutschland, Österreich und Malta, umfasst das Angebot dabei insbesondere Online-Pferdewetten, die durch stationäre Pferde-Wettcenter flankiert werden. Darüber hinaus werden Dienstleistungen, Wett-Content und Riskmanagement für nationale und internationale Wettanbieter angeboten. Das Flaggschiff der Holding, die Internet-Plattform www.pferdewetten.de mit mehr als 30.000 registrierten Kunden, zählt zu den Marktführern im Bereich der deutschen Online-Pferdewette. Das Wettangebot erstreckt sich rund um die Uhr auf Pferderennen in mehr als 36 Ländern weltweit, wovon der überwiegende Teil live im Internet übertragen wird. Darüber hinaus operiert die Gesellschaft seit 2018 über die Domain www.sportwetten.de auch wieder im deutschen Sportwetten Markt. Die pferdewetten.de AG berät nicht nur ihre Tochtergesellschaften, sondern auch andere in der Wettbranche tätige Firmen und Rennvereine. In ihrer Funktion als Managementholding koordiniert die pferdewetten.de AG sämtliche Business-Aktivitäten der Tochterunternehmen, etwa der 2009 akquirierten Accendere GmbH (Düsseldorf). Das Systemhaus ist als Berater in allen Fragen der Informations-Technologie unter anderem auf den Vertrieb der von pferdewetten.de selbstentwickelten Zahlungs- und Webcontent-Systeme für Online-Wetten spezialisiert.


23.05.2020 | Gewettet wird immer

Die pferdewetten.de AG hat Ende März den Geschäftsbericht für 2019 veröffentlicht und damit die Mitte Februar angekündigte angehobene EBIT-Prognose erreicht. So erhöhte sich das Wettvolumen im Konzern um 46,4% auf 443,32mEUR, getragen durch einen deutlichen Anstieg von 46,8% auf 433,32mEUR in der Pferdewette, während die Sportwette mit rund 10mEUR (Vj. 7,81mEUR) bislang nur einen kleinen Teil zum Konzern Wettvolumen beiträgt. Der Brutto-Gaming-Ertrag erhöhte sich in der Folge um 109,4% auf 45,01mEUR, sodass das Ziel von 34mEUR deutlich übertroffen werden konnte. Dies ist vor allem auf ein sehr starkes drittes und viertes Quartal mit Zuwächsen von 140% und 185% zurückzuführen. Zu dieser sehr guten Entwicklung hat auch die Sportwette beigetragen, die vor allem in der zweiten Jahreshälfte ihre Erträge deutlich steigern konnte. Der Umsatz erhöhte sich letztlich um 30,2% auf 14,44mEUR (LSe: 12,27mEUR) und erfüllte damit die Prognose (Anstieg im niedrigen 2-stelligen Prozentbereich) komfortabel.

 

Sehr erfreulich hat sich auch das Ergebnis im vergangenen Geschäftsjahr entwickelt. Nachdem für 2019 ein EBIT zwischen 1-2mEUR in Aussicht gestellt worden war, konnte dies mit 2,44mEUR (+203,3% / LSe: 1,70mEUR) deutlich übertroffen werden und lag damit in der Mitte der im Februar angekündigten neuen Range von 2,3-2,7mEUR. Zudem ergab sich ein positiver Steuereffekt aus der nachträglichen Anrechnung von Verlustvorträgen aus dem Jahr 2017 sowie aus dem Ende 2019 abgeschlossenen Gewinnabführungsvertrag mit der Tochtergesellschaft Sportwetten.de GmbH, sodass sich das Nettoergebnis deutlich auf 3,31mEUR (Vj. -0,56mEUR) erhöhte. Weiterhin sehr vorzuheben ist die starke Cashflow-Situation des Unternehmens. Bei einem operativen Cashflow i.H.v. 4,44mEUR (+125,6%) erhöhte sich der Free Cashflow aufgrund des sehr geringen Investitionsbedarfs von 1,87mEUR auf 4,09mEUR deutlich. Damit lag der Free Cashflow sogar höher als das EBITDA i.H.v. 3,03mEUR.

 

Mit Blick auf das neue Geschäftsjahr 2020 hatte sich der CEO Pierre Hofer auf der MKK im Dezember letzten Jahres noch sehr zuversichtlich gezeigt. Eigenen Angaben zu Folge sei man aber sehr erfolgreich in das Jahr 2020 gestartet und hätte im Januar und Februar, also vor ersten Auswirkungen der Corona-Krise, zwei sehr gute Monate gehabt. Die zunehmenden Restriktionen ab Mitte März, die auch zur Absage von Pferderennen und Sportveranstaltungen (insb. Fußballspielen) in den meisten europäischen Ländern geführt haben, ging allerdings auch an der pferdewetten.de AG nicht spurlos vorbei. Daher wählte das Management Ende März im Rahmen der Veröffentlichung des Geschäftsberichts und der Prognose für 2020 mit 0-3mEUR eine sehr breite EBIT-Range, nachdem man zunächst von einem EBIT in der Größenordnung von 3,00mEUR (LSe: 2,60mEUR) ausgegangen war. Mit den jüngsten Q1-Zahlen hat sich jedoch gezeigt, dass die Spieler auch auf andere Länder bzw. zum Teil exotische Angebote in der Pferdewette wechseln, sodass das erste Quartal insgesamt solide verlief. Mit einem Anstieg des GGR um 23,0% auf 9,49mEUR hat sich der positive Trend weiter fortgesetzt. Das EBIT hat sich zwar auf 0,19mEUR (Vj. 0,32mEUR) reduziert, blieb jedoch klar positiv. Zudem gehe man davon aus, auch im April kein Geld verloren zu haben. Am 07.05. seien zudem in Deutschland und am 11.05.2020 in Frankreich, dem wichtigsten Land in der Pferdewette, die Pferderennen wieder angelaufen. Auch der jüngste Bundesligastart war für den Bereich der Sportwette sehr wichtig, da zugleich die Wettshops derzeit noch nicht wieder öffnen dürfen. Dadurch erwartet man sich zugleich eine Stärkung des Online-Geschäfts.

 

Im Rahmen der finalen Zahlen, die sowohl beim Umsatz auch beim Ergebnis deutlich über meinen Erwartungen lagen, sowie den Ergebnissen zum ersten Quartal 2020 habe ich meine Schätzungen überarbeitet. Während ich in der Pferdewette von einem geringeren negativen Effekt in diesem Jahr ausgehe – hier gab es auch während der Zeit zwischen Mitte März und Mitte Mai Rennen (u.a. in Schweden, Australien, Hongkong) -  dürfte dieser in der Sportwette deutlicher sein, da beispielsweise die Fußball-EM auf 2021 verschoben wurde und die Bundesliga bisher die einzige der großen internationalen Ligen ist, die den Ligabetrieb, wenn auch ohne Zuschauer, wieder aufgenommen hat. So gehe ich in der Pferdewette von einem Umsatz i.H.v. 13,34mEUR (2019: 14,51mEUR) aus und in der Sportwette von 0,18mEUR (2019: 0,11mEUR). Hintergrund der Umsatzsteigerung in der Sportwette sollte m.E. das effizientere Marketing sein, sodass die Spieler weniger mit Gutscheinguthaben spielen. Dadurch resultiert insgesamt ein Umsatz i.H.v. 13,46mEUR (-6,8% / alt: 13,91mEUR) und ein EBIT i.H.v. 1,41mEUR (-42,1% / alt: 2,60mEUR). Im kommenden Jahr sollte sich bei einem normalen Renn- und Sportbetrieb der Umsatz wieder deutlich erhöhen können. Zudem ergeben sich Zusatzeffekte aus der Fußball-EM. Meine Schätzungen sehen daher eine Umsatzsteigerung von 33,4% auf 17,95mEUR (alt: 16,53mEUR) sowie ein EBIT von 4,66mEUR (alt: 4,40mEUR) vor. Daher rechne ich insgesamt auch bis 2022 mit keinen nennenswerten negativen Effekten bezüglich der bisherigen Planungen und erwarte ein EBIT i.H.v. 6,30mEUR (alt: 6,70mEUR). Auch mögliche Regulierungen in Deutschland für die Sportwette dürften keinen negativen Effekt auf die pferdewetten.de AG haben, da die zuständige Behörde einerseits die gleiche ist wie im Bereich der Sportwette. Zum anderen gibt es bereits Regelungen, die den Anbietern ermöglichen, Einsatzlimits für bestimmte Spieler zu erhöhen. Für die pferdewetten.de AG würde sich zusätzlich die Möglichkeit bieten, dann auch in das Casino-Geschäft, welches in meinen Erwartungen bisher nicht berücksichtigt ist, einzusteigen. Insgesamt liegt das neue Kursziel mit 19,20€ nur minimal unter dem bisherigen Kursziel von 19,30€. Zusätzliche Potenziale würden sich aus einer Legalisierung des Online-Casinos in Deutschland ergeben, welches die pferdewetten.de AG bisher nicht anbietet. 


19.02.2020 | Top, die wette gilt!

Nachdem in den vergangenen Jahren der Schwerpunkt auf der Pferdewette lag, wurde Ende 2017 der strategische Wiedereinstieg in die Sportwette vollzogen, welche mit dem Partner Cashpoint Malta, einem Tochterunternehmen der Gauselmann Gruppe, betrieben wird. Der Markt, der allein in Deutschland 2018 ein Wettvolumen von 8,8 Mrd. € (+16%) umfasste, soll auch in den kommenden Jahren weiter deutlich wachsen. Dieser strategische Schritt wird zwar kurzfristig das Ergebnis belasten, sollte auf Mehrjahressicht aber nennenswert zu Umsatz und Ergebnis beitragen. 2018 waren die Umsatzerlöse des Gesamtkonzerns um 28,3% auf 11,09mEUR gestiegen, wobei die Sportwette noch mit einem negativen Umsatz i.H.v. 0,53mEUR beigetragen hat. Dies ist auf Kundengewinnungsmaßnahmen zur Steigerung des Bekanntheitsgrades zurückzuführen, in Folge dessen höhere Boni ausgeschüttet als Einnahmen aus dem Wettgeschäft generiert wurden. Hier gilt es zu berücksichtigen, dass pferdewetten.de gewährte Boni nicht als Umsatz ausweist, sondern diese direkt abzieht. Das Pferdewetten Segment konnte dagegen den Umsatz deutlich um 35,0% auf 11,66mEUR steigern. Getrieben wurde diese Steigerung vor allem aus höheren Umsätzen bei den Konzerneigenen Buchmachern, wenngleich auch die Umsätze aus vermittelten Wettumsätzen zweistellige Zuwächse verzeichneten. Allerdings zeigte sich auch, dass die Marge, der sogenannte Hold, von 5,7% im Vorjahr auf 3,3% zurückging, sodass je 1€ Wetteinsatz, weniger Umsatz resultierte.

 

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 hat sich die positive Entwicklung weiter fortgesetzt. Zwar war der Umsatz nach 6 Monaten mit -4,4% auf 5,58mEUR rückläufig, allerdings war dies laut Unternehmensangaben auf erhöhte Einzelgewinne von Großkunden und Bonusaktionen zurückzuführen. Das EBIT fiel mit 0,20mEUR erneut positiv aus, lag jedoch aufgrund von geplanten Marketingausgaben als Investition in die zukünftige Stärkung der Sportwette deutlich unter dem Vorjahreswert von 1,09mEUR. Dennoch gelang im ersten Halbjahr das erstmalige Erreichen positiver Umsatzerlöse über ein ganzes Quartal in diesem Segment. Im dritten Quartal konnte die Dynamik bei den Brutto Gaming Erträgen deutlich gegenüber dem ersten Halbjahr (+45,7%) gesteigert werden, die sich um rund 140% auf 12,30mEUR erhöhten. Dadurch stand nach 9 Monaten ein Anstieg von rund 78% auf 26,86mEUR zu Buche. Jüngst gab das Unternehmen zudem bekannt, die EBIT-Prognose für das Geschäftsjahr 2019 von 1,0 - 2,0mEUR mit 2,3 - 2,7mEUR deutlich zu übertreffen. Zugleich investiert die Gesellschaft verstärkt in Personal, Technik sowie internationale Lizenzen, um das zukünftige, geplante Wachstum stemmen zu können. In diesem Zusammenhang hat pferdewetten.de Anfang August letzten Jahre eine Verlängerung der Internetlizenz auf Basis des Glücksspielstaatsvertrags in Deutschland für 2 Jahre erhalten, wodurch weitere Rechtssicherheit gegeben ist. Mitte 2021 soll dann ein neuer Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland in Kraft treten, wenngleich es hier zuletzt Gerüchte über deutliche Einschränkungen auf Spielerseite gab. Zugleich soll aber auch Online-Casino erlaubt werden. Zwar ist pferdewetten.de bislang noch nicht in dem Bereich aktiv, jedoch würde sich dann ein Einstieg anbieten und könnte so Einbußen durch mögliche Einschränkungen kompensieren.

 

Eine wesentliche Änderung hinsichtlich der Ergebnisentwicklung in den kommenden Jahren wurde Anfang Dezember auf der Münchener Kapitalmarktkonferenz kommuniziert. Während bis zuletzt jegliche Ergebnisbeiträge aus der Pferdewette in die Sportwette investiert werden sollten, ist nun eine sukzessive Ergebnissteigerung in den kommenden Jahren geplant. Für das vergangene Jahr war ein EBIT zwischen 1,0 und 2,0mEUR in Aussicht gestellt worden und konnte nun wie beschrieben deutlich übertroffen werden. Für 2020 prognostiziert das Management ein EBIT von 2,0 - 3,0mEUR und für 2021 von 4,0 - 5,0mEUR. Im Jahr 2022 ist eine weitere, deutliche Steigerung des EBITs auf dann 8,0mEUR geplant, wobei 6,5mEUR aus der Pferdewette und 1,5mEUR aus der Sportwette resultieren sollen. Mit ca. 40.000 registrierten Kunden in der Pferdewette gehört die Plattform zu den Marktführern im Bereich der deutschen Online-Pferdewette und soll zukünftig weiter ausgebaut werden. Gleiches gilt auch für das Dienstleistungsgeschäft. Im Bereich der Sportwette soll eine wettbewerbsfähige Plattform entstehen, um in 7-8 Jahren dort zu sein, wo das Unternehmen heute mit der Pferdewette steht.

 

Mit meiner Erwartungshaltung bin ich jedoch etwas zurückhaltender als das Management und kalkuliere für 2022 mit einem EBIT-Beitrag aus der Pferdewette i.H.v. 6,30mEUR und aus der Sportwette i.H.v. 0,40mEUR, resultierend in einem EBIT von 6,70mEUR (bisher: 6,00mEUR) im Gesamtkonzern für das Jahr 2022. Hinsichtlich des aktuellen Geschäftsjahres 2020 habe ich trotz der sehr guten Entwicklung 2019 meine EBIT-Erwartung von 2,60mEUR unverändert gelassen. Auch meine Schätzungen für das EBIT 2021 haben mit 4,40mEUR weiter Bestand. Insgesamt erhöht sich aufgrund erhöhter Schätzungen für 2022 sowie einem geringeren Diskontierungszinssatz infolge geringerer Zinssätze für Unternehmensbewertungen das Kursziel von 16,80€ (Studie Top Picks 2020 vom 01.01.2020) auf 19,30€. Die hohe Cash Conversion (2019e: 86%), der geringe Investitionsbedarfs der mit entsprechend hohen Kapitalrenditen einhergeht, das geplante Wachstum sowie die hohe Ergebnismarge (2022e: 38,2% EBIT-Marge) bilden die Basis für das deutliche Kurspotenzial. Gelingt es dem Vorstand die avisierten Ziele für 2022 in vollem Umfang zu erreichen, sind auch höhere Kurse gerechtfertigt.