Die pferdewetten.de AG hat sich zu einer festen Größe im Markt für Pferdewetten in Deutschland etabliert. Ausgestattet mit Lizenzen in Deutschland, Österreich und Malta, umfasst das Angebot dabei insbesondere Online-Pferdewetten, die durch stationäre Pferde-Wettcenter flankiert werden. Darüber hinaus werden Dienstleistungen, Wett-Content und Riskmanagement für nationale und internationale Wettanbieter angeboten. Das Flaggschiff der Holding, die Internet-Plattform www.pferdewetten.de mit mehr als 30.000 registrierten Kunden, zählt zu den Marktführern im Bereich der deutschen Online-Pferdewette. Das Wettangebot erstreckt sich rund um die Uhr auf Pferderennen in mehr als 36 Ländern weltweit, wovon der überwiegende Teil live im Internet übertragen wird. Darüber hinaus operiert die Gesellschaft seit 2018 über die Domain www.sportwetten.de auch wieder im deutschen Sportwetten Markt. Die pferdewetten.de AG berät nicht nur ihre Tochtergesellschaften, sondern auch andere in der Wettbranche tätige Firmen und Rennvereine. In ihrer Funktion als Managementholding koordiniert die pferdewetten.de AG sämtliche Business-Aktivitäten der Tochterunternehmen, etwa der 2009 akquirierten Accendere GmbH (Düsseldorf). Das Systemhaus ist als Berater in allen Fragen der Informations-Technologie unter anderem auf den Vertrieb der von pferdewetten.de selbstentwickelten Zahlungs- und Webcontent-Systeme für Online-Wetten spezialisiert.


19.02.2020 | Top, die wette gilt!

Nachdem in den vergangenen Jahren der Schwerpunkt auf der Pferdewette lag, wurde Ende 2017 der strategische Wiedereinstieg in die Sportwette vollzogen, welche mit dem Partner Cashpoint Malta, einem Tochterunternehmen der Gauselmann Gruppe, betrieben wird. Der Markt, der allein in Deutschland 2018 ein Wettvolumen von 8,8 Mrd. € (+16%) umfasste, soll auch in den kommenden Jahren weiter deutlich wachsen. Dieser strategische Schritt wird zwar kurzfristig das Ergebnis belasten, sollte auf Mehrjahressicht aber nennenswert zu Umsatz und Ergebnis beitragen. 2018 waren die Umsatzerlöse des Gesamtkonzerns um 28,3% auf 11,09mEUR gestiegen, wobei die Sportwette noch mit einem negativen Umsatz i.H.v. 0,53mEUR beigetragen hat. Dies ist auf Kundengewinnungsmaßnahmen zur Steigerung des Bekanntheitsgrades zurückzuführen, in Folge dessen höhere Boni ausgeschüttet als Einnahmen aus dem Wettgeschäft generiert wurden. Hier gilt es zu berücksichtigen, dass pferdewetten.de gewährte Boni nicht als Umsatz ausweist, sondern diese direkt abzieht. Das Pferdewetten Segment konnte dagegen den Umsatz deutlich um 35,0% auf 11,66mEUR steigern. Getrieben wurde diese Steigerung vor allem aus höheren Umsätzen bei den Konzerneigenen Buchmachern, wenngleich auch die Umsätze aus vermittelten Wettumsätzen zweistellige Zuwächse verzeichneten. Allerdings zeigte sich auch, dass die Marge, der sogenannte Hold, von 5,7% im Vorjahr auf 3,3% zurückging, sodass je 1€ Wetteinsatz, weniger Umsatz resultierte.

 

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 hat sich die positive Entwicklung weiter fortgesetzt. Zwar war der Umsatz nach 6 Monaten mit -4,4% auf 5,58mEUR rückläufig, allerdings war dies laut Unternehmensangaben auf erhöhte Einzelgewinne von Großkunden und Bonusaktionen zurückzuführen. Das EBIT fiel mit 0,20mEUR erneut positiv aus, lag jedoch aufgrund von geplanten Marketingausgaben als Investition in die zukünftige Stärkung der Sportwette deutlich unter dem Vorjahreswert von 1,09mEUR. Dennoch gelang im ersten Halbjahr das erstmalige Erreichen positiver Umsatzerlöse über ein ganzes Quartal in diesem Segment. Im dritten Quartal konnte die Dynamik bei den Brutto Gaming Erträgen deutlich gegenüber dem ersten Halbjahr (+45,7%) gesteigert werden, die sich um rund 140% auf 12,30mEUR erhöhten. Dadurch stand nach 9 Monaten ein Anstieg von rund 78% auf 26,86mEUR zu Buche. Jüngst gab das Unternehmen zudem bekannt, die EBIT-Prognose für das Geschäftsjahr 2019 von 1,0 - 2,0mEUR mit 2,3 - 2,7mEUR deutlich zu übertreffen. Zugleich investiert die Gesellschaft verstärkt in Personal, Technik sowie internationale Lizenzen, um das zukünftige, geplante Wachstum stemmen zu können. In diesem Zusammenhang hat pferdewetten.de Anfang August letzten Jahre eine Verlängerung der Internetlizenz auf Basis des Glücksspielstaatsvertrags in Deutschland für 2 Jahre erhalten, wodurch weitere Rechtssicherheit gegeben ist. Mitte 2021 soll dann ein neuer Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland in Kraft treten, wenngleich es hier zuletzt Gerüchte über deutliche Einschränkungen auf Spielerseite gab. Zugleich soll aber auch Online-Casino erlaubt werden. Zwar ist pferdewetten.de bislang noch nicht in dem Bereich aktiv, jedoch würde sich dann ein Einstieg anbieten und könnte so Einbußen durch mögliche Einschränkungen kompensieren.

 

Eine wesentliche Änderung hinsichtlich der Ergebnisentwicklung in den kommenden Jahren wurde Anfang Dezember auf der Münchener Kapitalmarktkonferenz kommuniziert. Während bis zuletzt jegliche Ergebnisbeiträge aus der Pferdewette in die Sportwette investiert werden sollten, ist nun eine sukzessive Ergebnissteigerung in den kommenden Jahren geplant. Für das vergangene Jahr war ein EBIT zwischen 1,0 und 2,0mEUR in Aussicht gestellt worden und konnte nun wie beschrieben deutlich übertroffen werden. Für 2020 prognostiziert das Management ein EBIT von 2,0 - 3,0mEUR und für 2021 von 4,0 - 5,0mEUR. Im Jahr 2022 ist eine weitere, deutliche Steigerung des EBITs auf dann 8,0mEUR geplant, wobei 6,5mEUR aus der Pferdewette und 1,5mEUR aus der Sportwette resultieren sollen. Mit ca. 40.000 registrierten Kunden in der Pferdewette gehört die Plattform zu den Marktführern im Bereich der deutschen Online-Pferdewette und soll zukünftig weiter ausgebaut werden. Gleiches gilt auch für das Dienstleistungsgeschäft. Im Bereich der Sportwette soll eine wettbewerbsfähige Plattform entstehen, um in 7-8 Jahren dort zu sein, wo das Unternehmen heute mit der Pferdewette steht.

 

Mit meiner Erwartungshaltung bin ich jedoch etwas zurückhaltender als das Management und kalkuliere für 2022 mit einem EBIT-Beitrag aus der Pferdewette i.H.v. 6,30mEUR und aus der Sportwette i.H.v. 0,40mEUR, resultierend in einem EBIT von 6,70mEUR (bisher: 6,00mEUR) im Gesamtkonzern für das Jahr 2022. Hinsichtlich des aktuellen Geschäftsjahres 2020 habe ich trotz der sehr guten Entwicklung 2019 meine EBIT-Erwartung von 2,60mEUR unverändert gelassen. Auch meine Schätzungen für das EBIT 2021 haben mit 4,40mEUR weiter Bestand. Insgesamt erhöht sich aufgrund erhöhter Schätzungen für 2022 sowie einem geringeren Diskontierungszinssatz infolge geringerer Zinssätze für Unternehmensbewertungen das Kursziel von 16,80€ (Studie Top Picks 2020 vom 01.01.2020) auf 19,30€. Die hohe Cash Conversion (2019e: 86%), der geringe Investitionsbedarfs der mit entsprechend hohen Kapitalrenditen einhergeht, das geplante Wachstum sowie die hohe Ergebnismarge (2022e: 38,2% EBIT-Marge) bilden die Basis für das deutliche Kurspotenzial. Gelingt es dem Vorstand die avisierten Ziele für 2022 in vollem Umfang zu erreichen, sind auch höhere Kurse gerechtfertigt.