Privathaftpflicht

Der SÜSS MicroTec-Konzern (nachfolgend SÜSS MicroTec) entwickelt, fertigt und vertreibt Maschinen für die Herstellung von Mikroelektronik, Mikrosystemtechnik und verwandte Anwendungen. Als Zulieferer von Systemlösungen für die Halbleitertechnik ist die Gruppe als leistungsstarker Partner der Halbleiterindustrie für den Labor- und den Produktionsbereich tätig. Innovative Technologieentwicklung mit langfristigem Wachstumspotenzial für zukunftsorientierte Märkte und Anwendungen bilden den Tätigkeitsschwerpunkt des Unternehmens. Attraktive Wachstumspotenziale ergeben sich bei der Aufbau- und Verbindungstechnik von mikroelektronischen Schaltungen (Chip Packaging), bei mikro-optischen Bauelementen für die Datenkommunikation oder bei der Sensorik für automobile Anwendungen. Dafür bietet SÜSS MicroTec sowohl manuelle Maschinen für die Prozessentwicklung wie auch voll automatisierte Maschinen für die Massenproduktion an. Dabei wird das Ziel verfolgt, den kompletten Prozess des Kunden soweit wie möglich mit Fertigungsequipment zu unterstützen, das neben Prozesssicherheit vor allem auf Kosteneffizienz optimiert ist.


Prognose pulverisiert

SÜSS Microtec hat am Montag vorläufige Zahlen für den Umsatz und Auftragseingang veröffentlicht. So erhöhten sich die Umsatzerlöse im Gesamtjahr um knapp 18% auf 252,0mEUR (LSe: 250,8mEUR) und waren erneut durch ein sehr starkes viertes Quartal mit 78,1mEUR geprägt. Damit konnte SÜSS das obere Ende der avisierten Umsatzspanne von 240-260mEUR erreichen. Auch wenn keine Angaben zu den einzelnen Segmenten gemacht wurden, dürfte der Umsatz durch ein deutlich zweistelliges Wachstum in den Segmenten Lithografie und Fotomasken geprägt gewesen sein, während die beiden anderen Bereiche Bonder und Mikrooptik lediglich Umsätze auf Vorjahresniveau bzw. ein leichtes Umsatzplus erzielt haben dürften. Sehr erfreulich hat sich auch der Auftragseingang entwickelt, der im Gesamtjahr um rund 28% auf 281,1mEUR anstieg, wodurch sich eine Book-to-Bill Ratio von 1,12 (2019: 1,03) ergibt. SÜSS profitiert dabei derzeit besonders von der Erweiterung der Produktionen auf 5G-taugliche Mobilfunk-Komponenten. Für das vierte Quartal ergab sich nach einem etwas schwächeren Auftragseingang von 44,1mEUR im dritten Quartal, bedingt durch Vorzieheffekte in das zweite Quartal (93,6mEUR), mit 74,4mEUR (+22,2%) nicht nur ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorquartal, sondern auch im Vergleich zum Vorjahresquartal. Zudem konnte SÜSS mit einem Auftragseigang von 118,5mEUR im zweiten Halbjahr die Prognose von >90mEUR deutlich übertreffen. Insbesondere habe sich eine stärkere Nachfrage im Bereich Lithografie aus Asien für Maschinen zur Bearbeitung von 300mm Wafern gezeigt. Der Auftragsbestand stieg im Gesamtkonzern zum Ende des Jahres um 28,9% auf 120,1mEUR. Für das vierte Quartal 2020 und das erste Quartal 2021 hatte das Management im Rahmen der Q3-Zahlen einen kumulierten Auftragseingang von 100-110mEUR prognostiziert, der nun zunehmend konservativ wird. Um das obere Ende zu erreichen müsste man lediglich Aufträge i.H.v. 35,6mEUR erhalten, was einem starken Rückgang gegenüber dem ersten Quartal 2020 (69,0mEUR) entsprechen würde.

 

Zur Ergebnisentwicklung hat sich SÜSS bislang noch nicht geäußert. Für die EBIT-Marge wurde im Rahmen der im November angehobenen Ergebnisprognose zuletzt eine Range von 5,5-7,5% in Aussicht gestellt. Angesichts des erreichten Wertes von 7,0% nach den ersten drei Quartalen (Q1 2020: -13,4% / Q2: 12,3% / Q3: 14,8%) und dem deutlich höheren Umsatz im Schlussquartal dürfte ein Übertreffen meines Erachtens weiterhin möglich sein. Meine EBIT-Schätzungen von 21,44mEUR (8,6% EBIT-Marge), die ein EBIT i.H.v. 9,29mEUR (12,1% EBIT-Marge) im vierten Quartal implizieren, haben daher unverändert Bestand. Für die Jahre 2021 & 2022 habe ich meine Umsatzschätzungen aufgrund des sehr guten Auftragseingangs jeweils leicht auf 280,81mEUR (alt: 277,91mEUR) bzw. 305,14mEUR (alt: 297,90mEUR) angehoben. Für das EBIT habe ich meine Erwartungen ebenfalls leicht auf 33,70mEUR (alt: 33,37mEUR) im aktuellen und auf 42,91mEUR (alt: 42,77mEUR) im kommenden Jahr angehoben. Die EBIT-Marge liegt mit 14,1% leicht unter dem bisherigen Wert von 14,4%. Bis 2025 berücksichtigt mein DCF-Modell mit 384,38mEUR nach wie vor einen leichten Abschlag auf die Prognose des Unternehmens mit einem Anstieg auf 400mEUR. Ebenso meine langfristige EBIT-Marge liegt mit 14,5% unter dem avisierten Zielwert von >15%. Aufgrund der leicht erhöhten Umsatzschätzungen, die auch mit einem leicht erhöhten mittelfristigen Umsatzwachstum (8,0% vs. 7,0% bisher) einhergehen, erhöht sich das Kursziel leicht auf 26,00€ (alt: 25,00€). 

 

 

Hinweis zu möglichen Interessenskonflikten nach Art. 20 Abs. 1 MMVO: Die Aktie befindet sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im wikifolio "Chancen suchen und finden" (https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf19920415). 

 

Veröffentlichungsdatum: 14.01.2021, 15:28Uhr 


5G treibt die Nachfrage

Süss Microtec kann bislang auf ein äußerst erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Nach einem noch schwachen Jahresstart bei Umsatz & Ergebnis, jedoch einem deutlich erhöhten Auftragseingang (siehe dazu Kommentar vom 08.05.2020), hat sich mit dem zweiten Quartal auch der Umsatz und das Ergebnis erheblich verbessert. So hat sich der Umsatz im zweiten Quartal um 52,4% auf 71,59mEUR erhöht, das EBIT hatte sich von -2,91mEUR im Vorjahr auf 8,78mEUR massiv erhöht. Der Auftragseingang hatte sich sogar um 108,0% auf 93,6mEUR mehr als verdoppelt. Hintergrund waren u.a. Vorzieheffekte einiger Bestellungen, vor allem aus Asien, in das zweite Quartal. So profitiert Süss von der zunehmenden Digitalisierung der Kommunikation, wodurch der Bedarf an leistungsstarken Datennetzen deutlich zunimmt. Die Notwendigkeit flächendeckender Netzversorgung mit hoher Bandbreite und damit hoher Übertragungsgeschwindigkeit wird umfassend sichtbar und forciert weltweit die Umstellung auf den neuen Mobilfunkstandard 5G. Die Erweiterung der Produktionen für 5G-taugliche Mobilfunk-Komponenten ist einer der großen Treiber für die gestiegene Nachfrage nach den Produktionsmaschinen des Unternehmens.

 

Auch im dritten Quartal hat sich der positive Trend aus dem Vorquartal fortgesetzt. Entsprechend konnten die Umsätze zwischen Juli und September um 63,5% auf 60,60mEUR gesteigert werden, insbesondere durch eine sehr positive Entwicklung in den Segmenten Lithografie (+73,4%), Bonder (+126,3%) und Fotomasken (+69,2%). Nach den erste drei Quartalen stand somit ein Umsatzanstieg von 32,6% auf 173,92mEUR zu Buche, die auf alle drei Segmente zurückzuführen ist. Im Segment Lithografie (97,81mEUR / +35,1%) stieg der Umsatz durch eine höhere Nachfrage nach Mask Alignern und Coatern, getrieben durch zwei Großkunden. Im Bereich Bonder stiegen die Umsätze um 10,1% auf 18,88mEUR, im Fotmasken Bereich erhöhten sich die Umsätze sehr deutlich um 62,6% auf 40,00mEUR. Im Mikrooptik Segment erhöhten sich die Umsätze um 4,2% auf 16,84mEUR, wobei die Umsatzentwicklung aufgrund von negativen Effekten in Folge der COVID-19 Pandemie sowie einer geringeren Nachfrage aus dem Automobilbereich unter den Erwartungen lag.

 

Das Ergebnis hat sich im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Quartal trotz eines geringeren Umsatzes nochmal leicht verbessert und stieg auf 8,96mEUR (Vj. -4,90mEUR), wodurch die EBIT-Marge auf 14,8% (Q2: 12,3%) anstieg. Dabei muss allerdings ein positiver Effekt i.H.v. 0,4mEUR berücksichtigt werden, der aus dem Erlös (0,9mEUR) von bereits abgeschriebenen Anlagen am Standort Corona in den USA resultierte. Dem gegenüber standen Schließungskosten im dritten Quartal i.H.v. 0,5mEUR. Im vierten Quartal soll sich durch den Verkauf zweier weiterer Anlagen ein positiver Effekt von 1,7mEUR ergeben, dem weitere Aufwendungen von 2,0-2,5mEUR entgegenstehen. Bereinigt ergab sich somit für das dritte Quartal ein EBIT i.H.v. 8,56mEUR (Q2: 9,58mEUR) bzw. eine EBIT-Marge von 14,1%, die sich damit dem mittelfristigen Zielwert von >15% deutlich angenähert hat. Maßgeblicher Treiber dafür waren die höheren Umsätze, ein verbesserter Produktmix sowie die gute Auslastung in der Produktion. Auf Segmentebene hat sich das EBIT vor allem im Bereich Lithografie um 10,40mEUR verbessert. Nach 9 Monaten hat sich das Konzern-EBIT ebenfalls sehr deutlich von -5,68mEUR auf 12,15mEUR erhöht. Dabei haben sich jedoch einmalige Schließungskosten i.H.v. 5,0mEUR negativ auf das Ergebnis niedergeschlagen, während der zuvor beschriebene positive Effekt aus dem Verkauf einer bereits abgeschriebenen Anlage (0,9mEUR) dem gegenüberstand. Netto ergab sich somit ein negativer Effekt i.H.v. 4,10mEUR, sodass das bereinigte EBIT bei 16,25mEUR (9,3% EBIT-Marge) lag. Hintergrund für die sehr positive Ergebnisentwicklung waren die bereits beschriebenen Effekte. Auf Ebene der Segmente konnte vor allem in der Lithografie (+14,23mEUR) sowie im Bereich Fotomasken (+6,61mEUR) ein deutlicher Ergebnissprung erzielt werden.

 

Sehr positiv hat sich in den ersten 9 Monaten auch der Auftragseingang entwickelt, der um 31,0% auf 206,70mEUR gesteigert werden konnte und damit um 19% über dem Umsatz lag. Im dritten Quartal ergab sich jedoch ein Rückgang beim Auftragseingang von 33,3% auf 44,10mEUR, da Großkunden wie bereits beschrieben Aufträge in das zweite Quartal (93,60mEUR) vorgezogen hatten. Auf Segmentebene haben sich nach 9 Monaten die deutlich gestiegenen Auftragseingänge im Bereich Lithografie (127,20mEUR / +76,7%) sowie Bonder (26,80mEUR / +81,1%) gezeigt. Im Auftragseingang des Segments Fotomasken (35,50mEUR / -32,4%) ergab sich eine Normalisierung, während der Mikrooptik Bereich (16,80mEUR / -5,1%) auch im Auftragseingang von der geringeren Nachfrage aus dem Automotive Umfeld betroffen gewesen sein dürfte.

 

Bis 2025 plant der Vorstand unverändert eine deutliche Umsatzsteigerung auf 400mEUR sowie eine EBIT-Marge von >15% an. Aufgrund der sehr guten Geschäftsentwicklung in den ersten drei Quartalen wurden nach einer Anhebung der Umsatz- und Ergebnisprognose Ende Juli die Erwartungen für die EBIT-Marge Anfang November nochmals erhöht. Der Ende Juli erhöhte Umsatzausblick von 240-260mEUR (zuvor: 230-240mEUR) wurde bestätigt. Die Prognose für die EBIT-Marge wurde dagegen erneut deutlich von 3,5-5,5% auf 5,5-7,5% (Q1 2020: 2,5-3,5%) angehoben. Angesichts der erreichten EBIT-Marge von 7,0% nach 9 Monaten bzw. 14,8% im dritten Quartal sowie dem nochmals deutlich höheren Umsatzniveau im vierten Quartal (66,08mEUR – 86,08mEUR) erscheint dies aber konservativ. Vor dem Hintergrund der zahlreichen Gewinnwarnungen in den letzten Jahren ist dieser Ansatz jedoch nachvollziehbar. Ich habe in Folge der sehr positiven Geschäftsentwicklung in diesem Jahr und den weiter positiven Geschäftsaussichten meine Schätzungen im Vergleich zu meinem letzten Update vom Mai deutlich überarbeitet und erwarte nun einen Umsatz von 250,83mEUR (+17,3% / alt: 232,33mEUR) sowie ein EBIT von 21,44mEUR (alt: 7,06mEUR). Dies entspricht einer EBIT-Marge von 8,5% bzw. einem absoluten EBIT von 9,29mEUR (12,1% EBIT-Marge) im vierten Quartal und ist angesichts der Resultate im zweiten und dritten Quartal daher aus meiner Sicht realistisch. Bereinigt um Einmaleffekte i.H.v. 4,65mEUR (neg. 7,25mEUR / pos. 2,60mEUR) ergibt sich für das Gesamtjahr ein EBIT von 26,09mEUR bzw. eine EBIT-Marge von 10,4%. Für die Folgejahre rechne ich mit einer weiteren Umsatzsteigerung auf 297,90mEUR (alt: 269,95mEUR) im Jahr 2022 bei einem EBIT von 42,77mEUR (14,4% EBIT-Marge / alt: 22,89mEUR). Für das Jahr 2025 berücksichtigt mein DCF-Modell einen Umsatz von 364,94mEUR sowie eine EBIT-Marge von 16,0%. Die erhöhten Umsatz- und vor allem Ergebnisschätzungen resultieren letztlich auch in einem deutlich erhöhten Kursziel von 25,00€ (alt: 12,20€). 

 

 

Hinweis zu möglichen Interessenskonflikten nach Art. 20 Abs. 1 MMVO: Die Aktie befindet sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im wikifolio "Chancen suchen und finden" (https://www.wikifolio.com/de/de/w/wf19920415). 

 

Veröffentlichungsdatum: 14.12.2020, 19:09Uhr 


08.05.2020 | Licht und Schatten im ersten Quartal

Süss Microtec hat Zahlen für das erste Quartal 2020 veröffentlicht, die gemischt ausgefallen sind. So ging der Umsatz insbesondere aufgrund von Umsatzverschiebungen um 11,4% auf 41,73mEUR zurück. Das größte Segment Lithografie-Segment verzeichnete eine stabile Umsatzentwicklung (25,49mEUR), während im Bereich Bonder (4,26mEUR) der Umsatz um 29,3% zurückging und auch im Fotomasken-Equipment (5,80mEUR) ein deutlicher Rückgang von 46,4% zu verzeichnen war. Im Fotomasken-Equipment Segment muss jedoch berücksichtigt werden, dass das Geschäft von großen Einzelaufträgen geprägt ist, sodass es zwischen den Quartalen sowohl beim Umsatz als auch im Auftragseingang zu Schwankungen kommen kann. Das vierte Segment Mikrooptik verzeichnete dagegen einen deutlichen Umsatzanstieg von 29,5% auf 6,12mEUR. Das Ergebnis war ebenfalls aufgrund des geringeren Umsatzes sowie Einmalbelastungen i.H.v. 3,70mEUR im Zusammenhang mit der Standortschließung in Corona/USA rückläufig und mit -5,60mEUR (Vj. 2,13mEUR) negativ. So resultierte durch die Sonderbelastungen i.H.v. 3,70mEUR im Lithografie Segment ein negatives EBIT i.H.v. -2,29mEUR. Bereinigt um diesen Effekt hätte dieses 1,41mEUR betragen (5,5% EBIT-Marge). Im Bonder Segment resultierte ein negatives EBIT i.H.v. -1,06mEUR, wobei dies auf die Umsatzverschiebungen und die damit verbundene geringere Umsatzbasis zurückzuführen sein dürfte. Im Mikrooptik Bereich resultiere ein EBIT i.H.v. -0,20mEUR während im Fotomasken-Equipment Segment das EBIT 0,85mEUR betrug.

 

Besonders erfreulich entwickelte sich wie bereits Anfang April kommuniziert der Auftragseingang. Dieser erhöhte sich um 41,5% auf 47,8%, sodass folglich auch der Auftragsbestand deutlich auf 120,80mEUR (+41,5%) anstieg. Den stärksten Anstieg verzeichnete Süss Microtec dabei in der Lithografie (42,1mEUR / +92,2%) sowie im Fotomasken-Equipment Bereich (15,9mEUR / +63,9%). Der Bereich Mikrooptik verzeichnete einen leichten Rückgang um 5,3% auf 5,4mEUR, während der Auftragseingang im Bereich Bonder mit 5,6mEUR 40,4% unter Vorjahr lag. Für das Gesamtjahr hat der Vorstand seine Prognose für Umsatz (230-240mEUR / 2019: 213,8) und EBIT-Marge (2,5-3,5% / 2019: -6,4%) bestätigt. Die durch die COVID-19 Situation ausgelöste Notwendigkeit flächendeckender Netzversorgung mit hoher Bandbreite und einer hohen Übertragungsgeschwindigkeit wird derzeit deutlich sichtbar und forciert weltweit die Umstellung auf den neuen Mobilfunkstandard 5G. Dies sollte zukünftig zu einer entsprechend ansteigenden Nachfrage nach den Produkten von Süss Microtec führen. Für das erste Halbjahr und damit auch für das zweite Quartal geht das Management von einem starken Auftragseingang aus und erwartet in den kommenden beiden Quartalen einen Auftragseingang von 100-115mEUR (Q2 + Q3 2019: 111,1mEUR). Meine Schätzungen habe ich nur leicht angepasst und erwarte nun einen Umsatz in diesem Jahr von 232,33mEUR (+ 8,7% / alt: 230,78mEUR) sowie ein EBIT i.H.v. 7,06mEUR (alt: 6,99mEUR), sodass die Umsatzerwartungen weiterhin im unteren Bereich und die Margenschätzungen im mittleren Bereich liegen. Aufgrund leicht erhöhter Erwartungen im Segment Lithografie erhöht sich folglich das Kursziel leicht auf 12,20€ (alt: 11,70€). 


14.04.2020 | Corona eingestampft

Lange lag die Hoffnung bei Süss Microtec auf den beiden Produkten UV-Projection-Scanner und Laser-Processing-Tool, die in den USA am Standort Corona produziert werden. Seit Anfang Januar ist nun klar, dass sich diese Hoffnungen, zumindest in den nächsten zwei Jahren, nicht realisieren lassen. Zwar habe es auf Kundenseite Interesse an den Produkten von Süss Microtec gegeben, es habe sich allerdings gezeigt, dass in den kommenden zwei Jahren bei potenziellen Kunden kein Investitionsbedarf bestehe. In Folge dessen hat das Management entschieden, diese beiden Produktionsgruppen einzustellen und den Standort zu schließen, um weitere Cash-Abflüsse in den kommenden Jahren zu vermeiden. Dadurch kam es im vergangenen Jahr zu deutlichen Einmalbelastungen i.H.v. 14,2mEUR, wovon 12,3mEUR auf die Abwertung von Vorräten entfällt. Zugleich wurden 42 der 51 Mitarbeiter entlassen. Hierdurch war das Segmentergebnis in der Lithografie mit -19,29mEUR deutlich negativ, fiel jedoch auch bereinigt um die Sonderbelastungen mit -5,1mEUR negativ aus. Im aktuellen Geschäftsjahr 2020 werden nochmals Einmalkosten in Höhe eines mittleren einstelligen Mio. € Betrags anfallen, sodass ab dem kommenden Geschäftsjahr dann keinerlei Belastungen mehr zu erwarten sind.

 

Im Segment Bonder waren die Umsätze aufgrund des Markteinbruchs für 3D-Speicher um 28,4% auf 26,42mEUR deutlich zurückgegangen. In Folge dessen hatte sich auch das Ergebnis durch eine geringere Rohertragsmarge und eine geringere Auslastung deutlich verschlechtert und lag bei -0,27mEUR. Im Fotomasken-Equipment Segment konnte dagegen erneut ein deutlicher Umsatzanstieg von 36,8% auf 46,36mEUR verzeichnet werden, der damit deutlich über den Erwartungen des Managements lag. Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf eine hohe Investitionsbereitschaft der Kunden im Bereich EUV-Lithografie. Zugleich hat sich auch das EBIT auf 9,81mEUR (Vj. 4,74) mehr als verdoppelt und erreichte eine EBIT-Marge von 21,2%. Seit dem vergangenen Jahr weist Süss Microtec auch die Aktivitäten in der Schweiz getrennt im Segment Mikrooptik aus. Hier konnte das Unternehmen durch erste nennenswerte Umsätze im Automotive-Bereich den Umsatz um 72,6% auf 22,60mEUR deutlich steigern. Zugleich erhöhte sich das EBIT im Mikrooptik Segment deutlich von 0,64mEUR auf 2,21mEUR, da sich der Automotive-Bereich im Vorjahr noch im Aufbau befand und daher nur geringe Margen ermöglichte. Insgesamt war das Geschäftsjahr 2019 durch die Einmalbelastungen in den USA mit -13,76mEUR deutlich negativ und war auch bereinigt um diese Sonderkosten mit 0,49mEUR nur leicht positiv. Ausschlaggebend dafür war insbesondere eine gesunkene Rohertragsmarge die, bereinigt um die Einmalaufwendungen i.H.v. 14,25mEUR, von 33,0% auf 29,9% rückläufig war. Ursächlich dafür war vor allem eine rückläufige Rohmarge im Segment Lithografie, die auf gestiegene Herstellkosten für die verkaufen Produkte zurückzuführen ist. Hierbei wurde laut Unternehmensangaben vermehr bedarfsorientiert bestellt, wodurch kleinere Losgrößen und folglich geringere Rabatte bei den Einkaufspreisen resultierten. Diese erhöhten Kosten konnten allerdings nicht an die Kunden weitergegeben werden. Dazu sind weitere Einmalkosten, z.B. für die Neubesetzung des Finanzvorstands sowie Beratungskosten im Zusammenhang mit der Akquisition, angefallen, die das Ergebnis belastet haben.  

 

Der Auftragseingang hat sich 2019 erneut sehr gut entwickelt und konnte um 14,8% auf 219,3mEUR gesteigert werden, sodass sich auch der Auftragsbestand um 10,0% auf 93,18mEUR erhöhte. Insbesondere im dritten und vierten Quartal konnten neue Aufträge mit einem Wert von 127,00mEUR (HJ1: 91,7mEUR) verbucht werden, sodass auch die zum Halbjahr veröffentlichte Prognose eines Auftragseingangs von >95mEUR deutlich übertroffen werden konnte. Deutliche Steigerungen konnten dabei in den Segmenten Bonder (+22,4%), Fotomasken-Equipment (+40,4%) sowie Mikrooptik (+66,2%) erzielt werden, während der Auftragseingang im größten Segment Lithografie mit -4,5% leicht rückläufig war.

 

Mit Blick auf das aktuelle Geschäftsjahr 2020 zeigt sich das Management grundsätzlich zuversichtlich. Durch die Produktionseinstellung in Corona sowie weiterer Maßnahmen zur Optimierung der Produktion in Garching & Sternenfells wird mit einer verbesserten Ergebnissituation im Segment Lithografie gerechnet. Zugleich wird sich im Umsatz die erstmalige Konsolidierung des Inkjet-Printer Unternehmensbereichs von Meyer Burger positiv auswirken, der im Dezember bekannt gegeben wurde. Der Kaufpreis für den übernommenen Geschäftsbereich beträgt 4,5mEUR und soll einen Umsatzbeitrag von rund 7mEUR leisten. Auswirkungen aus der aktuellen Ausbreitung von COVID-19 sind laut Vorstand derzeit nicht zu spüren, sodass aus aktueller Sicht ein Umsatzanstieg auf 230-240mEUR erwartet wird. Zugleich soll sich die EBIT-Marge wieder in den positiven Bereich verbessern und zwischen 2,5 und 3,5% liegen. Bereinigt um die nochmaligen Aufwendungen in den USA soll die EBIT-Marge 4,5-5,5% betragen. In den kommenden Jahren sollte Süss Microtec durch die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung, die Umstellung auf 5G, autonomes Fahren sowie die weiter zunehmende Vernetzung und die Generierung von immer höheren Datenmengen, die analysiert, gespeichert und übertragen werden müssen, profitieren. Zwar dürfte das Wachstumsziel von 400mEUR bis 2025 aufgrund der Produkteinstellungen in den USA nicht mehr realistisch sein. Ein Umsatz von 300-350mEUR sollte dagegen aufgrund des erhöhten Umsatzniveaus im Bereich Fotomasken-Equipment erreicht werden können. Nachdem für das erste Halbjahr 2020 Anfang April im Rahmen der Veröffentlichung der Jahresprognose ein Auftragseingang von 100-110mEUR (HJ1 2019: 91,7mEUR) in Aussicht gestellt wurde, hat das Management diesen jüngst auf 110-125mEUR angehoben. Hintergrund ist eine sehr gute Entwicklung im ersten Quartal mit einem Anstieg der Aufträge um 47,8% auf 69,0mEUR. Auch ohne den Beitrag des übernommenen Geschäftsbereichs von Meyer Burger konnte ein deutlich erhöhter Auftragseingang von 64,6mEUR (+38,3%) erreicht werden. Zwar war der Umsatz im ersten Quartal mit 10,8% aufgrund von Umsatzverschiebungen rückläufig. Es zeigt sich aber, dass Süss bereits in den Vorjahren starke Schwankungen im Umsatz (z.B. Q4 2019 40% Umsatzanteil) erfolgreich umgesetzt hat. Ich erwarte daher für dieses Jahr einen Umsatzanstieg auf 230,78mEUR (+7,9%) und ein EBIT von 6,99mEUR (3,0% EBIT-Marge). Zugleich soll auch der Free Cashflow wieder deutlich positiv ausfallen und 4-7mEUR betragen. Mittelfristig sollten EBIT-Margen von 9% wieder realistisch sein. Die bisherige Prognose für 2025 sah sogar eine EBIT-Marge von 15% (LSe: 8,7%) vor, sodass bei entsprechend operativen Fortschritte auch Potenzial für höhere Erwartungen besteht. Durch die Stimmrechtsbindung der zwei Aktionäre Gerlin und Luxempart sowie der Tatsache, dass in den vergangenen Wochen drei Aufsichtsratsmitglieder ihren Rückzug angekündigt haben, dürfte der Fokus nun verstärkt auf operativem Erfolg liegen. Auf Basis meiner Schätzungen für 2021 (0,61€) und 2022 (0,81€) wird die Aktie derzeit mit einem KGV von 12,9 bzw. 9,7 gehandelt. Zugleich notierte die Aktie bei Kauf nur leicht über dem Buchwert von 6,56€ zum 31.12.2019. Damit ergibt sich auf Basis meiner aktuellen Schätzungen derzeit ein Kursziel von 11,70€.