Die Schaltbau-Gruppe ist ein Anbieter von Komponenten und Systemen für die Bahn-, Automobil- und Investitionsgüterindustrie. Als Partner renommierter Kunden in den Infrastruktur-, Mobilitäts- und Logistik-Märkten liefern die Unternehmen der Schaltbau-Gruppe unter anderem:

  • Tür- und Zustiegssysteme für Bahnen, Busse und Nutzfahrzeuge,
  • Inneneinrichtungen, Fahrschalter und Führerstandausrüstungen sowie Sanitärsysteme für Schienenfahrzeuge,
  • Hoch- und Niederspannungskomponenten für Schienenfahrzeuge und andere Anwendungsgebiete,
  • komplette Bahnübergangssysteme sowie
  • Rangier- und Signaltechnik.

Insbesondere mit intelligenten Zustiegssystemen, Führerstands- und Fahrgastausrüstungen sowie elektromechanischen Komponenten zählt die Schaltbau-Gruppe zu den weltweit führenden Zulieferern der Systemhersteller von Schienenfahrzeugen.


01.11.2019 | Nach erfolgreicher Restrukturierung Fokus auf Wachstum + Profitabilität

Schaltbau hat in der abgelaufenen Woche Zahlen für die ersten 9 Monate bzw. das dritte Quartal 2019 veröffentlicht und dabei den erfolgreichen Abschluss der 2017 begonnenen Restrukturierung bekannt gegeben. Im Zuge dessen wurden die Tochtergesellschaften Pintsch Bubenzer (2018), Sepsa (2019) und Alte (2019) verkauft bzw. liquidiert. Zugleich wurde im dritten Quartal eine neue Refinanzierung mit einem Volumen von 151,5mEUR, bestehend aus einem neuen Konsortialkredit über 109mEUR, einem Factoring-Programm i.H.v. 29mEUR sowie einer neuen Vereinbarung mit einem Teil der Inhaber der bisherigen Schuldscheindarlehen (13,5mEUR), abgeschlossen. Während erste Forderungen bereits im dritten Quartal verkauft wurden, wird sich der Effekt aus dem neuen Konsortialkredit erst ab dem 01.01.2020 auswirken. Bis Jahresende werden die Zinsen noch einheitlich 3,6% betragen, ehe sie ab Anfang 2020 in einem Bereich von 1,0-3,1% liegen.

 

Aufgrund der unterjährigen Endkonsolidierung der genannten Gesellschaften in diesem Jahr wie auch im Vorjahr berichtet Schaltbau sowohl Konzernkennzahlen wie auch Like-for-like Kennzahlen, um eine bessere Vergleichbarkeit zu gewähren. So war der Umsatz nach 9 Monaten mit 376,4mEUR nahezu auf dem Vorjahresniveau, auf vergleichbarer Basis ergab sich jedoch ein organisches Wachstum von 7,7% auf 354,6mEUR, welches durch alle drei Segmente (mobile Verkehrstechnik +5,0%/stationäre Verkehrstechnik +28,5%/Komponenten +5,2%) getragen wurde. Im dritten Quartal ging der Konzernumsatz durch den Wegfall der Umsätze von Alte im Mai um 2,6% zurück, auf vergleichbarer Basis konnte allerdings ein Wachstum von 8,1% auf 121,4mEUR erzielt werden. Auch im dritten Quartal konnten alle drei Segmente (mobile Verkehrstechnik +9,1%/stationäre Verkehrstechnik +17,9%/Komponenten +2,6%) zum Umsatzwachstum auf vergleichbarer Basis beitragen.

 

Das ausgewiesene EBIT stieg in den ersten 9 Monaten 2019 deutlich von -1,5mEUR auf 14,9mEUR an und war Folge der durchgeführten Restrukturierung. Konkret ergaben sich neben geringeren Sonderbelastungen positive Ergebniseffekte durch eine gesteigerte Produktivität, ein höheres Umsatzvolumen, einen besseren Produktmix sowie Einsparungen beim Material. Dennoch waren auch dieses Jahr das EBIT erneut durch Sonderaufwendungen i.H.v. 6,8mEUR (Vj. 13,7) belastet, wodurch sich ein bereinigtes EBIT i.H.v. 21,7mEUR (Vj. 12,2/+77,9%) ergab. Auf vergleichbarer Basis ohne Sondereffekte resultierte ein EBIT von 22,6mEUR, entsprechend einer Verbesserung von 43,0% und einer EBIT-Marge von 6,4%. Im dritten Quartal ergab sich ein berichtetes EBIT von 6,4mEUR (Vj. -10,9), ein bereinigtes EBIT von 6,1mEUR (Vj. 6,4/+8,3%) sowie ein like-for-like EBIT i.H.v. 6,1mEUR (Vj. 6,4/-4,7%). Die deutliche Ergebnisverbesserung in den ersten drei Quartalen resultiert hierbei aus entsprechenden Effekten im Segment mobile Verkehrstechnik, welches das EBIT von -15,3mEUR auf 2,2mEUR erheblich verbessern konnte. Auch im Segment stationäre Verkehrstechnik konnte das EBIT von 0,2mEUR auf 2,7mEUR gesteigert werden, entwickelte sich jedoch aufgrund der Charakteristik im Projektgeschäft im dritten Quartal mit 0,3mEUR (Q1: 1,1/Q2: 1,3) deutlich schwächer. Das Komponentengeschäft erzielte mit einer EBIT-Marge von 18,0% (Vj. 20,1%) weiterhin sehr gute Ergebnisbeiträge, die jedoch vom Personalaufbau für das weitere erwartete Wachstum im ersten Halbjahr belastet waren. Im dritten Quartal konnte die Marge mit 18,0% (Vj. 17,8%) bereits wieder leicht gesteigert werden.

 

Ebenso positiv hat sich der Auftragseingang entwickelt. Auf berichteter Basis stieg dieser zwar nur um 1,5% auf 426,4mEUR, auf vergleichbarer Basis ergab sich jedoch ein Anstieg von 8,8% auf 413,4mEUR, wodurch der Auftragsbestand auf vergleichbarer Basis um 18,9% auf 508mEUR anstieg. Hierzu hatte auch ein deutlicher Anstieg von 33,4% auf 137,0mEUR in einer like-for-like Betrachtung im dritten Quartal beigetragen. Die Book-to-Bill Ratio lag mit 1,17 und 1,13 (Auftragseingang auf vergleichbarer Basis zu Umsatz auf vergleichbarer Basis) jeweils deutlich über 1 und deutet daher auf zukünftig weiter steigende Umsätze. Diese Dynamik ist vor allem auf das Segment mobile Verkehrstechnik zurückzuführen, welches den Auftragseingang (nachfolgend ausschließlich like-for-like-Betrachtung) um 15,1% in den ersten 9 Monaten bzw. 60,5% im dritten Quartal deutlich steigern konnte. Auch in der stationären Verkehrstechnik konnte der Auftragseingang im dritten Quartal um 29,3% gesteigert werden, wenngleich auf 9-Monatssicht durch einen Großauftrag für eine Zugbildungsanlage im Vorjahr der Auftragseingang knapp 13% niedriger war. Zudem ergaben sich Verzögerungen bei der Vergabe von Bahnübergangsprojekten in Deutschland. Bei den Komponenten ergab sich in den ersten drei Quartalen eine Steigerung von 9,1%, im dritten Quartal lag der Auftragseingang auf Vorjahresniveau.

 

Mit Blick auf das Gesamtjahr hat der Vorstand die Prognose mit einem Umsatz auf vergleichbarer Basis zwischen 480-500mEUR (2018: 453mEUR) bestätigt und peilt bei der EBIT-Marge vor Sondereffekten nun das obere Ende der avisierten Zielspanne von 5-6% an. Für die kommenden Jahre zeigt sich das Management ebenfalls zuversichtlich weiter zu wachsen. Dem Markt für Zutrittssysteme, in dem Schaltbau in Europa Marktführer ist, wird für die kommenden Jahre ein jährliches Wachstum von 10-15% zugesprochen. Zudem ergibt sich im Bereich Türsysteme durch neue Mobilitätsdienste (z.B. MOIA von Volkswagen) weiteres Wachstumspotenzial, ebenso wie durch Schnell-Ladesysteme für Elektrobusse im Zuge der geplanten Emissionsreduzierung des Nahverkehrs, der Modernisierung von Schienenfahrzeugen zur Verlängerung der Lebensdauer sowie der geplanten Investitionen der Deutschen Bahn bis 2023 i.H.v. bis zu 156 Mrd. €. Nach der erfolgreich abgeschlossenen Restrukturierung, die zukünftig auch mit einer geringeren Komplexität bei den Kennzahlen einhergehen wird, kann sich der Schaltbau Vorstand nun wieder verstärkt auf das organische Wachstum konzentrieren und bei der Profitabilität die weitere Verbesserung forcieren, um das avisierte alte Margennvieau (7-9% EBIT-Marge) zukünftig wieder zu erreichen. Ich erwarte daher für das aktuelle Geschäftsjahr einen Umsatz auf vergleichbarer Basis von 490,1mEUR (+8,2%) sowie ein bereinigtes EBIT i.H.v. 28,7mEUR (5,6% EBIT-Marge). Bis 2021 erwarte ich eine weitere Umsatzsteigerung auf 582,2mEUR sowie ein EBIT von 47,1mEUR (8,1% EBIT-Marge), wodurch sich auf Basis des aktuellen Kursniveaus ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,8 für 2021 ergibt. Potenzielle Treiber für das Ergebnis je Aktie könnten sich durch die Reduzierung von Minderheiten ergeben, welche zuletzt rund 20% vom Ergebnis nach Steuern betragen haben. Insgesamt ergibt sich auf Basis dessen ein Kursziel von 51,00€.