SINGULUS TECHNOLOGIES baut innovative Maschinen und Anlagen für effiziente und ressourcenschonende Produktionsprozesse. Die Strategie von SINGULUS TECHNOLOGIES besteht in der Nutzung und Erweiterung der bestehenden Kernkompetenzen.

Die Kernkompetenzen beinhalten die Beschichtungstechnik, Oberflächenbehandlung, die Nasschemie sowie thermische Verfahrensprozesse. Das Unternehmen bietet Maschinen an, die weltweit in den Bereichen Solar, Halbleitertechnik, Medizintechnik, Consumer Goods und Optical Disc eingesetzt werden. Bei allen Maschinen, Verfahren und Applikationen nutzt SINGULUS TECHNOLOGIES das Know-how in den Bereichen Automatisierung und Prozesstechnik.


25.05.2019 | Am seidenen Faden von CNBM

Im November vergangenen Jahres hatte Singulus mit seinem wichtigsten Kunden CNBM (Umsatzanteil 2018 42%) und zwischenzeitlich Großaktionär (16,75%) mehrere Letter of Intents (LOI) zur Lieferung von Produktionsanlagen für CIGS-Dünnschicht-Solarmodule unterzeichnet. Die entsprechenden Anlagen sollten in diesem und dem kommenden Jahr produziert sowie ausgeliefert werden. Dies soll zugleich die Basis für den geplanten Umsatzanstieg im Segment Solar in diesem Jahr bilden. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden diese LOIs jedoch noch nicht in feste Aufträge umgesetzt, sodass sich eine teilweise Umsatzrealisierung auch in das Jahr 2021 verschieben könnte. Vom 4. Juni bis 6. Juni findet in Shanghai die SNEC statt, auf der nun die Chance besteht, diese Aufträge zu fixieren. Auf der anderen Seite gab es bei der Abnahme der Anlagen durch CNBM in Bengbu und auch bei Hanergy Verzögerungen, sodass im Einzelabschluss in der Handelsbilanz die entsprechenden Umsätze noch nicht verbucht werden konnten. Folglich fiel das Jahresergebnis in der AG deutlich negativ aus (-30,8mEUR) sodass ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag i.H.v. 29,9 Mio. € resultierte. Durch entsprechende Abnahmen in diesem Jahr (3 von 9 Anlagen wurden zum aktuellen Zeitpunkt abgenommen) soll sich das Eigenkapital bis Ende des Jahres in der HGB-Bilanz wieder deutlich verbessern, jedoch noch negativ bleiben. Erst 2020 soll dann wieder ein positives Eigenkapital ausgewiesen werden.

 

Andererseits ergibt sich durch die Zusammenarbeit mit CNBM ein immenses Umsatzpotenzial für die kommenden Jahre. Aufbauend auf den Planungen der Chinesen, eine Kapazität von 6GW in 4 Fabs aufzubauen, besteht für Singulus ein noch nicht realisiertes Volumen von etwa 1,5 Mrd. € (5,55GW mit 80 Mio. € Umsatz pro 300MW). Für 200 Mio. € (etwa 750MW) hatte Singulus mit CNBM im November die genannten LOIs für weitere Anlagen in Bengbu, Meishan und Xuzhou unterzeichnet, für erste Anlagen in Qinhuangdao sei man in Diskussionen. Ein weiterer Bereich in dem Singulus ein hohes Potenzial sieht ist das Marktsegment der kristallinen Solarzellen und hier speziell der Bereich Heterojunction-Technologie (HJT). In diesem Bereich wurden 2018 Vereinbarungen mit internationalen Kunden getroffen, die in diesem Jahr in feste Bestellungen umgewandelt werden sollen. Von einem ersten Kunden wurde im April eine Vakuum-Beschichtungsanlage für HJT Hochleistungssolarzellen mit einem Volumen im mittleren einstelligen Mio. € Bereich bestellt. Fallen die erhofften Effizienzgewinne dieser Anlage entsprechend positiv aus, dürften sich Folgeaufträge ergeben. Insgesamt sieht Singulus hier ein Markt von 20GW, wobei pro 200MW mit einem Umsatzvolumen von 7 - 8 Mio. € kalkuliert werden kann, sodass sich ein gesamtes Marktvolumen von 700 – 800 Mio. € ergibt.

 

Neben den Chancen im Solarbereich stärkt Singulus auch den Non-Solar Bereich durch neue Aktivitäten in der Medizintechnik sowie im Halbleiterbereich, aber auch im Konsumgüterbereich. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Singulus im Non-Solar Bereich Auftragseingänge i.H.v. 26,8 Mio. € (ca. 30,9%) sowie einen Umsatz von 29,0 Mio. € (22,7% v. Umsatz). Auch im neuen Geschäftsjahr konnte das Unternehmen weitere Aufträge in den Nicht-Solar Geschäftsbereichen gewinnen. So erhielt Singulus einen Auftrag für die Medizintechnik (mittleres einstelliges Volumen) sowie zwei Aufträge aus der Kosmetikindustrie (keine Volumina genannt). Zugleich konnten die Umsätze in den ersten drei Monaten 2019 im neu geschaffenen Segment Life Science um 33,3% auf 6,0 Mio. €, im Segment Halbleiter um 12,5% auf 0,9 Mio. € gesteigert werden.

 

Im Rahmen der Veröffentlichung des Geschäftsberichts Ende März sowie der Q1-Zahlen 2019 habe ich meine Schätzungen überarbeitet. Die veröffentlichten Zahlen für Umsatz und EBIT (127,5/6,8 Mio. €) lagen dabei unterhalb meiner Erwartungen von 140,0 Mio. € und 9,3 Mio. €. Auf Basis der Umsatzprognose für 2019 von 135 – 155 Mio. € schätze ich nun 142,5 Mio. € (alt: 165,0) sowie ein EBIT von 7,9 Mio. € (alt: 15,0/Prognose 6 – 11 Mio. €). Für das kommende Geschäftsjahr 2020 erwarte ich aktuell einen Umsatzzuwachs auf 152,5 Mio. € (alt: 175,0) sowie ein EBIT von 10,2 Mio. € (alt: 16,5). Für die Folgejahre habe ich ein Wachstum von 5,0% angesetzt, wobei ich für die ewige Rente aufgrund der bestehenden Unsicherheiten und Volatilität kein Wachstum berücksichtigt habe. Die EBIT-Marge erhöht sich sukzessive auf 8,5%. Zum Vergleich: Singulus kalkuliert bei der Berechnung des Goodwills im Bereich Solar bis 2023 mit einer Steigerung der EBIT-Marge auf 10,4%. In Folge der reduzierten Umsatz- und Ergebnisschätzungen reduziert sich ebenfalls das Kursziel von bislang 19,00€ auf nun 16,00€. 


21.11.2018 | Prognoseanhebung nach guten 9 Monaten sehr wahrscheinlich

Singulus hatte am Donnerstag vergangener Woche den Bericht für die ersten 9 Monate veröffentlicht, nachdem bereits zuvor vorläufige Zahlen bekannt gemacht wurden. So stieg der Umsatz in den ersten 9 Monaten um 43,1% auf 91,0 Mio. € an. Im dritten Quartal konnte der Umsatz auf 44,6 Mio. € (vj. 15,3) fast verdreifacht werden. Hintergrund dieser sehr guten Entwicklung ist vor allem das Segment Solar. Dort konnten die Umsätze um 58,4% bzw. 311,6% ggü. dem Vorjahreszeitraum gesteigert werden. Zurückzuführen ist dies auf einen erhöhten Abarbeitungsgrad bei den CIGS Maschinen für den chinesischen Kunden CNBM. Aber auch die anderen beiden Segmente Optical Disc (+6,3%/+43,6%) und Halbleiter (+5,1%/+28,6%) konnten zur positiven Umsatzentwicklung beitragen.

 

Zugleich konnte auch das Ergebnis (EBIT) ggü. dem Vorjahr erheblich gesteigert werden. So lag das EBIT nach 9 Monaten bei 4,0 Mio. €, entsprechend einer Verzehnfachung ggü. dem Vorjahr. Im dritten Quartal konnte durch das hohe Umsatzvolumen (44,6 Mio. € vs. 46,4 Mio. € in HJ1) ein EBIT von 5,2 Mio. € (vj. -2,1) erreicht werden. Maßgeblicher Treiber für diese Entwicklung ist auch hier das Segment Solar gewesen.

 

Des Weiteren stieg auch der Auftragseingang um 39,7% auf 74,6 Mio. € in den ersten 9 Monaten an. Das Book-to-Bill lag jedoch nur noch bei 0,82. Im dritten Quartal musste dagegen ein deutlicher Rückgang beim Auftragseingang um 64,8% auf 9,6 Mio. € verzeichnet werden (Book-to-Bill 0,22), sodass auch der Auftragsbestand zum 30.09. mit 90,3 Mio. € 9,4% unterhalb des Vorjahreswertes lag. Allerdings ist dies auch regelmäßig auf stichtagsbezogene Effekte zurückzuführen. So hatte Singulus Anfang November 3 Letter of Intents (LOIs) im Gesamtwert von rund 200 Mio. € mit seinem Hauptkunden und Großaktionär CNBM unterzeichnet. Nun sollen mit CNBM im Rahmen der Vertragsverhandlungen die genauen Liefermodalitäten vereinbart werden. Die Lieferungen sollen dabei in 2019 und 2020 erfolgen. Bei entsprechendem Eingang der Anzahlungen bis Jahresende dürfte dies den Auftragsbestand zum 31.12.2018 wieder deutlich erhöhen. Zudem berichtete der Vorstand in der Telefonkonferenz über gute Gespräche für Maschinen im Bereich Heterojunction und erwartet entsprechende Auftragseingänge für die erste Jahreshälfte 2019. Dazu sollen weitere Produktionsanlagen für die Medizintechnik entwickelt werden, nachdem Ende 2017 ein erster Auftrag für den Verkauf von Prozessanlagen zur Bearbeitung von Kontaktlinsen - mit Zusatzauftrag im Juni 2018 - erhalten wurde. Darüber hinaus wurde im Januar dieses Jahres der erste Auftrag aus der Automobilindustrie erhalten. Hierbei sollen die Singulus Maschinen zur chromfreien Beschichtung von KFZ-Teilen, dem sogenannten Decorative Coating, beitragen. In der Telefonkonferenz bestätigte der Vorstand auf Nachfrage zudem die positiven Aussichten und hält einen zukünftigen Umsatz von 20-30 Mio. € (2017: 8,0) für den Halbleiterbereich für möglich.

 

Dazu war im dritten Quartal nun der Übergang der Aktien vom bisherigen Großaktionär Herrn Lacher an CNBM von großer Bedeutung, da davon auszugehen war, dass dies auch mit entsprechend neuen Aufträgen einher geht. Im Rahmen dessen hat CNBM in einem ersten Schritt nun 13,1% der Aktien an Singulus erworben und plant weitere Aktien zu erwerben. Dabei soll - wie ursprünglich geplant - der Anteil auf 16,8% erhöht werden. Damit sollte zugleich das Vertrauen des Kapitalmarktes in die positive zu erwartende Geschäftsentwicklung in den kommenden Jahre durch weitere Aufträge durch CNBM - potenzielles Umsatzvolumen > 1 Mrd. € - gestärkt werden.

 

Mit Blick auf die Jahresprognose hat der Vorstand diese unverändert belassen und erwartet weiterhin einen Umsatz im niedrigen dreistelligen Millionenbereich sowie ein EBIT im mittleren einstelligen Millionenbereich. Angesichts der Tatsache, dass nach 9 Monaten mit 4,0 Mio. € diese Prognose bereits erreicht wurde und auch für das vierte Quartal mit einer positiven Entwicklung gerechnet wird, dürfte eine Anhebung in den kommenden Wochen sehr wahrscheinlich sein. Dazu wird auch für 2019 eine weitere Umsatz- und Ergebnissteigerung erwartet, wobei das EBIT ebenfalls im mittleren einstelligen Millionenbereich liegen soll. Aufgrund dessen, dass der Vorstand mit operativen Kosten von rund 30 Mio. € agieren will, ist dies jedoch sowohl für 2018 als auch für 2019 zu konservativ. Allerdings erachte ist dieses Ziel für die operativen Kosten als zu niedrig und nicht erreichbar, da bereits nach 9 Monaten ein Anstieg der operativen Kosten von 26,4% zu verzeichnen ist. Meines Erachtens wäre hier ein strikteres Kostenmanagement durch den Finanzvorstand nötig. Ich rechne daher mit operativen Kosten i.H.v. 32,0 Mio. €, bei einem Umsatz i.H.v. 140,0 Mio. € und einer Bruttomarge von 29,75%. Dadurch ergibt sich ein EBIT für das Gesamtjahr von 9,3 Mio. € und würde bei einem nochmals leicht höheren Umsatz in Q4 ggü. Q3 (49,0 Mio. € vs. 44,6) einem EBIT von 5,3 Mio. € (Q3 5,2) entsprechen. Für das kommende Geschäftsjahr rechne ich dann mit einer weiteren Umsatz und Ergebnissteigerung auf 165,0 Mio. € bzw. 15,0 Mio. € durch die neuen Aufträge. Insgesamt sehe ich für die Singulus Aktie damit einen fairen Wert bei 19,00€.