Die UMT United Mobility Technology AG ist als FinTech-Unternehmen auf die Entwicklung und  Implementierung maßgeschneiderter Mobile Payment und Blockchain-Lösungen, insbesondere für Großkunden wie z.B. PAYBACK (American Express Gruppe), spezialisiert. Das Unternehmen betreibt dabei als White-Label-Technologieanbieter eine der größten Mobile Payment Plattformen in Europa. Als  zentrale Schnittstelle agiert die UMT zwischen allen relevanten Parteien wie großen Einzelhandelsketten, Banken, Bonusprogrammanbietern und Endverbrauchern. Die Technologie der UMT ist derzeit bei rund 16.000 Filialen und 71.000 Kassen im Livebetrieb. Allein in Deutschland können 15 Mio. User die Mobile Payment Technologie der UMT nutzen. Ergänzend dazu bietet die UMT ihren Kunden Dienstleistungen im Bereich Kundenbindungsprogramme und Smart Data entlang der gesamten Wertschöpfungskette an.


01.10.2018 | Anleger überschätzen PAYBACK-PAY aktuell noch

UMT hat am Freitag den Halbjahresbericht veröffentlicht. So stiegen in der ersten Jahreshälfte die Umsatzerlöse um rund 71% auf 5,3 Mio. € an. Zurückzuführen sei dies auf Umsätze aus dem operativen Geschäft, welches die UMT in Consulting, Software as a Service, Lizenz- und Transaktionsgeschäft aufgliedert. Der Großteil des Umsatzzuwachses dürfte dabei allerdings auf die im Mai vergangenen Jahres übernommene Peaches Mobile GmbH zurückzuführen sein. Hierdurch hat sich UMT mit der Erweiterung der Wertschöpfungskette im digitalen Prepaid-Bereich im B2C-Bereich positioniert. Was allerdings vorsichtig stimmen sollte ist der Fakt, dass die Zahlen für die Peaches geschätzt sowie auf Basis der Planungen verwendet wurden, da die Gesellschaft bis zum 20.09.2018 keine Finanzdaten zur Verfügung gestellt hat.

 

Aber auch die Verlängerung der Wertschöpfungskette und die damit verbundene Erweiterung der Dienstleistungen um Zahlungsabwicklung (Clearing/PSP), Acquiring, E-Geld-Zahlungen sowie Bankdienstleistungen für Firmen- und Privatkunden dürften einen entsprechenden Umsatzbeitrag geleistet haben. Der Anteil der Umsatzsteigerungen, der auf die White-Label-Lösung bei Payback Pay zurückzuführen ist, dürfte dabei hingegen lediglich recht gering sein. Ein Anhaltspunkt dabei ist m.E. die Umsatzsteigerung bei der UMT AG im Einzelabschluss. So stiegen die Umsatzerlöse dort von 1,38 Mio. € um rund 13% auf 1,55 Mio. € an. Um sich davon zudem unabhängiger zu machen, arbeitet UMT an einer eigenen Bezahldienst-App, die unter dem Namen "LOYAL" noch in diesem Jahr gelaunched werden soll. Diese soll aber gegenüber großen mobile Payment Anbietern wie Google oder Apple (Einstieg in den deutschen mobile Payment Markt noch für 2018 angekündigt) keine Konkurrenz darstellen, sondern mehrere Dienste auf einer App vereinen. Zwar hat das Unternehmen hierzu noch keine Details darüber bekannt gegeben, wie darüber verdient werden soll, wenngleich ich mir auch hier eine transaktionsbasierte Vergütung vorstellen kann. Diese könnte entweder einen festen Betrag pro Transaktion oder einen %-Satz vom Transaktionsvolumen vorsehen.  Bei PAYBACK PAY konnte mit Penny im Berichtszeitraum der erste Discounter mit 2.180 Filialen angeschlossen werden, sodass sich die Technik der UMT nun in 16.000 Filialen und 71.000 Kassen im Livebetrieb befindet. Auch zukünftig will man die Wertschöpfungskette dort ausbauen, wo unnötige und teure Wertschöpfungsstufen selber erbracht werden können und will dies langfristig auch über eine eigene Banklizenz. Einen wichtigen Erfolg sieht die UMT im ersten Halbjahr auch in der Partnerschaft mit UTRUST, wodurch zukünftig auch ein bedeutender Umsatzteil aus dem Krypto-Bereich resultieren soll. Dazu entwickeln beide Seiten aktuell ein entsprechendes Modul.

 

Mit Blick auf die Ergebnisentwicklung konnte UMT ebenfalls Fortschritte machen. So stieg das EBITDA um rund 39% auf 1,0 Mio. €, das EBIT stieg um knapp 14% auf 0,52 Mio. €. Allerdings muss dies mit Vorsicht betrachtet werden, da darin sowohl sonstige betriebliche Erträge i.H.v. 0,16 Mio. € (vornehmlich aus der Veräußerung von Finanzanlagen) sowie aktivierte Eigenleistungen i.H.v. 1,0 Mio. € enthalten sind. Bereinigt man das EBITDA um beide Effekte, hätte dieses bei -0,1 Mio. € ggü. -0,3 Mio. € im Vorjahr gelegen. Verschleiert wird diese Entwicklung dazu durch den Umstand, dass es keine Cashflow-Rechnung im Halbjahresbericht gibt. So hat sich die Nettoverschuldung von 0,7 Mio. € auf 2,6 Mio. € erhöht, insbesondere durch die Investitionen in die in der PAYBACK-PAY-App verwendeten Software sowie einem erhöhten Working Capital. Da der Kassenbestand zum Ende des Jahres 2017 lediglich bei rund 300TEUR lag, musste dies u.a. durch eine Verbindlichkeit ggü. Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, kompensiert werden. Zwar gibt es hierzu durch die UMT keine genauen Details, es dürfte sich hierbei aber um ein Gesellschafterdarlehen der SWM Treuhand AG handeln. Hinter dieser steckt wiederum der Alleinvorstand Herr Dr. Wahl.

 

 

Für die zweite Jahreshälfte ist der Vorstand weiter zuversichtlich und erwartet eine Fortsetzung der erfolgreichen Entwicklung. Daher wurde auch der Ausblick bestätigt, welcher ein Umsatz- und Ertragswachstum im deutlich oberen zweistelligen Prozentbereich vorsieht. Auch wenn der Bereich mobile Payment, für die kommenden Jahre viel Potenzial verspricht, so ist doch fraglich, ob UMT daran entsprechend partizipieren kann. Zwar konnte sich UMT mit seiner Technologie bei PAYBACK-PAY positionieren, jedoch ist das Transaktionsvolumen dort aktuell und in absehbarer Zeit noch zu gering, um damit in eine neue Umsatzdimension zu wachsen. Dies ist zum einen durch die begrenzte Abdeckung durch die Partner (aktuell u.a Galeria Kaufhof, Rewe, Aral, DM, Penny, Real) sowie dem derzeit noch zögerlichen Verhalten der Deutschen ggü. der neuen Technologie begründet.  Interessant könnten im weiteren Jahresverlauf zusätzliche Details zur Vergütung zur neuen eigenen App werden. Daher ist die Aktie für mich aktuell nur ein Wert zum beobachten.